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Kurzumtriebsplantage

Wie Pappeln den Torf in der Blumenerde ersetzen könnten

Pappeln aus Plantagen haben einen überschaubaren Brennwert. Lässt sich aus dem schnellwachsenden Holz besser Blumenerde machen? Ein Nebenerwerbslandwirt und ein Torfwerk wollen das ausprobieren.

Lesezeit: 6 Minuten

Wenn man so möchte, ist Gerd Gerdes aus dem Südoldenburger Land so etwas wie einen Pionier in Sachen Kurzumtriebsplantagen (KUP). Wir haben vor einigen Jahren bereits im Forstmagazin über seine Erfahrungen mit Bäumen auf Ackerland berichtet.

Aber Gerd Gerdes ist mittlerweile ein Pionier, der zwischenzeitlich etwas die Lust an den schnellwachsenden Gehölzen verloren hatte. Von seinen ursprünglich 9 ha Pappeln steht bei unserem Besuch Anfang Mai 2023 noch ein Drittel. Die anderen Flächen hat Gerdes mittlerweile mit einer Spatenmaschine wieder in Acker- bzw. Blühflächen umgewandelt.

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Die Gründe? Die Vermarktung bzw. die Erlöse aus den Hackschnitzeln hatten nicht die Erwartungen des Nebenerwerbslandwirts erfüllt, der übrigens hauptberuflich für einen Landmaschinenkonzern arbeitet. Der Brennwert ist durch das schnelle Wachstum und den dadurch bedingten hohen Feuchtegehalt eher überschaubar, die Abnehmer weichen wenn möglich auf Hackschnitzel aus anderen, festeren Hölzern aus. Das Ganze drückt den Preis.

Dieser Dämpfer hat allerdings die Begeisterung für den schnell nachwachsenden Rohstoff nur vorübergehend gebremst. Durch Zufall ist Gerdes mit Alois und Jörn Stadtsholte in Kontakt gekommen. Vater und Sohn betreiben ein Torfwerk in Friesoythe, Landkreis Cloppenburg.

Ein Team von 35 Mitarbeitern produziert hier im Jahr rund 5.000 Lkw-Ladungen vor allem gesackte Blumenerde für Bau- und Supermärkte, also direkt für den Endkundenbereich. Die Stadtsholtes sind ständig auf der Suche nach Ersatzstoffen für den Torf. Und hier könnten KUPs und auch Holz aus Agroforstkulturen künftig einen interessanten Beitrag leisten.

Die Familie kennt das Geschäft von der Pike auf. Das Torfwerk ist aus einem landwirtschaftlichen Siedlungsbetrieb mit 12 ha entstanden. Schwerpunkte waren Milchproduktion und Grünland – alles auf Hochmoor. Die Familie konnte zwei benachbarte Betriebe übernehmen und die eigenen Flächen auf heute 32 ha vergrößern. Im Jahr 1989 kam der erste Bagger und der Grundstein für das Torfwerk war gelegt. Die letzte Kuh verließ 2000 den Hof.

Torf ist schwer zu ersetzen

Grundlage für das Geschäft ist der Torf von den eigenen Flächen. Er wird auch heute noch abgebaut – im Schnitt geht es um Schichten von bis zu 2 m Dicke. Die letzten 50 cm bis zum Mineralboden bleiben stehen.

Der Betrieb verfügt noch über Abbaugenehmigungen bis zum Jahr 2042. Der Vorteil von Torf für Blumenerden ist unbestritten. Er hat einen angenehmen Geruch, lässt sich gezielt für unterschiedliche Zwecke aufdüngen und bringt die dunkle Farbe mit. Doch nicht erst durch die aktuelle Klimadebatte ist die Nutzung von Torf in die Kritik geraten.

Das hat auch Auswirkungen auf das Unternehmen Stadtsholte in Friesoythe. In der Verpackungshalle stapeln sich die Säcke mit den großen Namen des Einzelhandels: Aldi, Rewe, Edeka, Lidl und weitere. Gerade diese Unternehmen achten immer mehr auf die Klimabilanz und die Umweltfreundlichkeit der Produkte im Laden. So hat z. B. Rewe vor dem nächsten Auftrag zunächst ein Audit zum Thema im Betrieb durchgeführt. Gerade investieren Jörn und Alois Stadtholte in eine Solaranlage mit 600 kWp. Ziel ist, irgendwann eine möglichst klimaneutrale Produktion. 

Doch vor allem sind sie, wie alle Erdenwerke in der Region, auf der Suche nach geeigneten Ersatzstoffen für den Torf. Zusammen mit ihrem Betriebsleiter Blerim Bashota haben Alois und Jörn Stadtsholte schon verschiedene Stoffe ausprobiert, bis hin zu aufbereitetem Gärrest („geht nicht, wegen des Geruchs“).

Auf den Platz des Unternehmens lagern große Haufen mit unterschiedlichen Grundstoffen: Sägewerksresthölzer, Altholz, Biokompost, Grünschnittkompost und eben auch Hackschnitzel. Bei unserem Besuch erreicht gerade ein Schlepper mit einem Häckselwagen voller Holzchips das Werk.

Der Betrieb verfügt über eine Mischanlage, die bis zu acht unterschiedliche Komponenten plus Dünger verarbeiten kann. Die fertige Mischung landet in Boxen und wandert von dort in die vollautomatische Absack- und Palettieranlage. Die Produkte sind dann bspw. „torfreduziert“ (25 bis 40 % Torfanteil, je nach Auftraggeber) oder eben auch „torffrei“. Von den insgesamt rund 200.000 m³ Gesamtvolumen macht der Torf aus eigenem Abbau mittlerweile noch ein Viertel aus – Tendenz fallend.

Der Ersatz von Torf ist anspruchsvoll. Denn je nach Komponenten schwankt der Nährstoffgehalt, Biokompost enthält zudem auch Kochsalz. Die Norm lässt bei Blumenerden für den Hobbybereich allerdings bestimmte Schwankungen zu. Auch die dunkle Farbe ist übrigens ein Verkaufsfaktor. Denn die erwartet der Kunde von seiner Blumenerde, auch wenn er bewusst auf Torf verzichten möchte.

Holz ist für den Betrieb ein Rohstoff mit wachsender Bedeutung. Auch wenn eine mögliche Stickstofffixierung durch Abbauprozesse des Holzes und der Rindenanteil nachteilig sein können.

Feine Fasern aus Holz

Das Ziel ist es, das Holz so effizient wie möglich aufzufasern, und das mit einem möglichst geringen Einsatz von Energie. Es gibt dazu spezielle Großanlagen, die Holz z. B. zwischen Schnecken zerfasern können. Das Resultat ist eine wollige Faserstruktur, die dem Torf ähnelt. Der Haken sind die hohen Kosten für die Anlage und den Prozess.

Bisher bereitet der Betrieb Stadtsholte die Holzstoffe deshalb meist mit einer Shredderanlage und einer nachgeschalteten Siebstrecke auf. Das Material durchläuft diesen Ablauf so lange, bis es komplett zerkleinert ist. Wichtig dabei: Es sollten möglichst keine spitzen Späne zurückbleiben, die beim Hereingreifen in den Sack unter den Fingernägeln der Kunden steckenbleiben könnten.

Eventuell könnten weiche Hölzer aus den KUP deshalb eine interessante Alternative sein. Vielleicht lassen sie sich die feuchten Hackschnitzel ähnlich wie mit einem Körnerprozessor eines Maishäckslers zerreiben. Hier wollen Gerdes und Familie Stadtsholte weiter recherchieren, welches Verfahren sich am besten eignen könnte. Fest steht, dass schnellwachsende Hölzer aus KUP und aus Agroforstsystemen wie Windschutzstreifen eine wichtige Rohstoffquelle werden sollen.

Gerd Gerdes beliefert das Torfwerk in diesem Jahr mit Hackschnitzeln aus einer Pappel-KUP. Gerdes erhält vom Stamm pro Schüttraummeter (srm) 10 €. Den Ertrag schätzt er bei einem dreijährigen Bestand auf durchschnittlich 200 srm pro Hektar.

Die Ernte und das Hacken übernimmt der Käufer. Weil der aktuelle Bestand fünf Jahre alt war, lief die Ernte per Bagger und Fällgreifer. Ein Trommelhacker bereitet das Holz Anfang Mai auf. Die Gesamtkosten, inklusive Holz und Transport bis zum Torfwerk, dürften sich letztlich auf rund 21 bis 23 €/srm belaufen.

Künftig soll eventuell ein entsprechend ausgestatteter Feldhäcksler die Kulturen bereits nach drei Jahren beernten. KUP-Spezialist Gerdes hat die Erfahrung gemacht, dass sich der Zuwachs nach den ersten drei Umtriebsjahren verlangsamt.

Für Gerd Gerdes ist die stoffliche Verwertung von Holz aus KUP und Agroforstsystemen eine sehr gute Alternative zum Verbrennen. Für ihn kommt so die Begeisterung für seine Pappeln zurück. Und dass die Faszination ansteckend sein kann, sieht man, wenn man aus dem Besprechungsraum des Torfwerks schaut: Bei unserem Besuch warten Jörn und Alois Stadtsholte gerade auf die Pflanzmaschine. Denn auf den vier Hektar direkt gegenüber sollen die ersten Schwarzpappeln wachsen. Kurze Transportwege sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur klimafreundlichen Blumenerde.

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