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„Ich möchte die Genossenschaften ermutigen“

Franz-Josef Holzenkamp hat zum 1. Juli das Präsidentenamt im Deutschen Raiffeisenverband (DRV) übernommen. Im Interview mit top agrar äußert er sich zu seinen Vorstellungen und Zielen in der neuen Funktion. Und wie er mit alten und neuen Interessenskonflikten umgehen will.

Lesezeit: 6 Minuten

Franz-Josef Holzenkamp hat zum 1. Juli das Präsidentenamt im Deutschen Raiffeisenverband (DRV) übernommen. Im Interview mit top agrar äußert er sich zu seinen Vorstellungen und Zielen in der neuen Funktion. Und wie er mit alten und neuen Interessenskonflikten umgehen will.


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Was nehmen Sie sich vor für das Amt des DRV-Präsidenten?


Holzenkamp: Die Agrar- und Ernährungswirtschaft unterliegt bekanntlich einem permanenten, immer schnelleren Änderungsprozess. Das gilt auch für die Verbandsarbeit. An das überaus erfolgreiche Engagement von Manfred Nüssel knüpfe ich an, werde aber mit dem Team des DRV neue Akzente als genossenschaftlicher Unternehmerverband setzen. Maßgebliche Herausforderungen für die DRV-Mitgliedsunternehmen sehe ich im gesellschaftlichen Wandel, in der Internationalisierung des Agrarhandels mit der zunehmenden Bedeutung des Exports, der Digitalisierung und Stärkung ländlicher Räume. Ich freue mich, in den nächsten Wochen und Monaten die facettenreiche Raiffeisen-Organisation, ihre verschiedenen Sparten sowie Verantwortlichen in den Regionen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen kennenzulernen.


Sie haben sich als Politiker und CDU-Agrarsprecher intensiv mit dem staatlichen Tierwohllabel auseinander gesetzt. Wie stehen Sie zu dessen Einführung nun als DRV-Präsident?


Holzenkamp: Die Einführung des staatlichen Tierwohllabels ist eine politische Entscheidung der Bundesregierung, die nicht zu Lasten der Initiative Tierwohl umgesetzt werden darf. Alles andere wäre ein Bärendienst für die Tierhalter. Der DRV ist einer von sechs Gesellschaftern der Initiative Tierwohl. Diese stellt dank entsprechender Finanzierung des Lebensmitteleinzelhandels seit 2015 jährlich Millionen Euro für die Verbesserung des Tierwohls in Schweine haltenden Betrieben zur Verfügung. Ich werde mich als DRV-Präsident für diesen Ansatz einsetzen, um eine Langfristigkeit zu garantieren. Schließe damit aber nicht kategorisch aus, dass dies auch in Kooperation mit dem staatlichen Tierwohllabel geschehen kann.


Erachten Sie eine Verzahnung von ITW und Tierwohllabel für sinnvoll und wie sollte sie aus Ihrer Sicht aussehen?


Holzenkamp: Das staatliche Tierwohllabel kann nur gemeinsam mit der Initiative Tierwohl erfolgreich sein, weil die Initiative bewiesen hat, dass das System am Markt funktioniert. Voraussetzung ist eine praktikable Ausgestaltung und eine langfristig gesicherte Finanzierung der notwendigen Investitionskosten. Diese Voraussetzungen sind bisher nicht erfüllt. Daher sehe ich kurzfristig keinen Zusammenschluss. Die Verantwortlichen der Initiative Tierwohl machen sich bereits Gedanken, wie diese über das Jahr 2020 hinaus fortgeführt werden kann. Auf der Agenda stehen dabei Fragen der Finanzierung, Ausgestaltung der Kriterien, aber auch der Vereinbarkeit von Verbrauchererwartungen und Umsetzung in der Wertschöpfungskette.


Auch in der Milchpolitik haben Sie als CDU-Agrarsprecher eine etwas andere Position vertreten als der DRV. Was muss bei den Lieferbeziehungen aus Ihrer Sicht geschehen? Was wollen Sie dafür im DRV anstoßen?


Holzenkamp: Die jüngste Milchpreiskrise hat gezeigt, dass u. a. aufgrund der natürlichen Produktionsbedingungen eine Anpassung an veränderte Marktbedingungen erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung erfolgt. Eine schnellere Reaktion ist erforderlich. Ich möchte die Genossenschaften ermutigen, entsprechende Instrumente mit ihren Mitgliedern auszuloten. Dieser Meinungsbildungsprozess, der bereits läuft, muss die jeweilige individuelle Situation der Genossenschaft und ihrer Mitglieder berücksichtigen. Pauschale Lösungen gibt es nicht. Deshalb können sie auch nicht von der Politik verordnet werden. Vielmehr ist es mir wichtig, dass tragfähige Lösungen von den Unternehmen selbst entwickelt und umgesetzt werden. Diesen Prozess werde ich tatkräftig unterstützen, da die Zeit drängt.


Wie wollen Sie mit der Rolle als Aufsichtsrat in einer der größten Hauptgenossenschaften als DRV-Präsident umgehen? Als Präsident müssen Sie ja auch die Interessen der anderen vertreten. Wie lassen sich da Interessenkollisionen verhindern?


Holzenkamp: Ich bin seit 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Agravis Raiffeisen AG und stets sehr offen mit dieser Funktion umgegangen. Ich sehe in dem Mandat eine ganz andere Verantwortung als im Amt des DRV-Präsidenten. Als Präsident werde ich mich vor allem auf politischer Ebene für die Anliegen aller Genossenschaften und aller Sparten einsetzen. Dabei wird es auch meine Aufgabe sein, zwischen den Interessen verschiedener Sparten und Regionen auszugleichen, um zu gemeinsamen Positionen zu gelangen. Dieses breite Tätigkeitsfeld, das im DRV gebündelt wird, begründet die Stärke und besondere Beachtung, die der Verband in Berlin und Brüssel findet. Deshalb ist dieses Ehrenamt so spannend und reizvoll für mich.


Geht das Kopf an Kopf Rennen von Agravis und Baywa in Deutschland weiter und bleiben alle weiteren Hauptgenossenschaften kurz- und mittelfristig auf der Strecke?


Holzenkamp: Die genossenschaftlichen Unternehmen im Agrarhandel unterliegen einem permanenten Änderungs- und Anpassungsprozess. Das gilt ebenso für die Landwirtschaft, die vor- und nachgelagerten Industrien und vor allem die Internationalisierung der Agrarmärkte. Baywa und Agravis sind die beiden größten DRV-Mitgliedsunternehmen. Doch wir dürfen nicht die anderen, über 2.100 genossenschaftlichen Unternehmen übersehen. Die Leistungskraft des genossenschaftlichen Verbundes resultiert nach meiner Erfahrung insbesondere aus der Vielgestaltigkeit der Strukturen. Diese gilt es, zu erhalten. Dabei müssen alle in diesem nicht einfachen Wettbewerb stets ihre Marktposition aufs Neue behaupten. Das setzt individuelle Strategiekonzepte voraus, die konsequent an den Bedürfnissen der Landwirtschaft und des Marktes ausgerichtet werden.


Manfred Nüssel hat sich insbesondere für den Agrarexport stark gemacht. Treten Sie da in seine Fußstapfen und wie sollte sich die deutsche Agrarwirtschaft ausrichten?


Holzenkamp: Grundsätzlich stehe ich gleichermaßen für Wochenmarkt und Weltmarkt. Die Internationalisierung im Agrarhandel verdient höchste Aufmerksamkeit. Importe von Lebensmitteln und Spezialitäten bereichern heute ganz selbstverständlich unseren Speiseplan. Exporte sind für die Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie weitere Wirtschaftszweige eines von mehreren Standbeinen. Deutsche Agrarrohstoffe und Lebensmittel werden - so wie wir Drittlandprodukte schätzen - auch im Ausland wertgeschätzt und nachgefragt. Auf diese Vielfalt und den freien Warenaustausch sollte niemand verzichten müssen. Mehr Internationalisierung im Agrarhandel mit einer klaren Exportstrategie, insbesondere für kaufkräftige Märkte, auch für genossenschaftliche Unternehmen hat für mich Priorität.


In den vergangenen Monaten gab es zwischen DBV, DLG und DRV deutliche Auffassungsunterschiede in wichtigen agrarpolitischen Fragen. Welchen Kurs werden Sie einschlagen, den der Abgrenzung und eigenen Profilierung oder den der Kooperation und des Schulterschlusses?


Holzenkamp: Die Spitzenverbände sind bis heute immer gut damit gefahren, den engen Schulterschluss zu pflegen. Ich halte den für notwendiger denn je. Das schließt aber nicht aus, dass es zu einzelnen Themen Meinungsunterschiede gibt, die dann aber offen und partnerschaftlich diskutiert und einer Lösung zugeführt werden müssen. Insofern sehe ich kein grundsätzliches Auseinanderdriften.


Die Fragen stellten Stefanie Awater-Esper und Dr. Ludger Schulze Pals

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