Proteste von Bauern

Politik reagiert auf Bauerndemos

Im Vorfeld der heute in vielen Städten stattfindenden Bauerndemos melden sich zahlreiche Politiker zu Wort. Die Ministerinnen Klöckner und Schulze verteidigen ihr Agrarpaket.

Unmittelbar vor den für heute geplanten Bauernprotesten in vielen Städten hat Agrarministerin Julia Klöckner Verständnis für die Sorgen der Landwirte geäußert. Die Ministerin behält ihre Verteidigungslinie zum Agrarpaket der Bundesregierung aber bei. "Ich mute den Landwirten etwas zu, Veränderungen, aber ich mache das nicht ohne, dass ich sie auch finanziell unterstütze mit Fördermaßnahmen", sagte Klöckner im ZDF-Morgenmagazin.

In einem langen Brief an ihre Fraktionskollegen im Bundestag begründet Klöckner erneut, warum sie vom Kabinett verabschiedeten Veränderung für nötig erachtet. „Düngeverordnung, Insektenschutzprogramm, Klimaschutzpaket, Mercosur-Abkommen – das alles bereitet den Bauern Sorge, weil es erneut Veränderungen bedeutet und weil mitunter auch übertriebene Folgenabschätzungen die Runde machen“, heißt es in dem Brief. Klöckner betont darin weiter, ihr gehe es darum, die landwirtschaftliche Praxis mit den berechtigten Ansprüchen der Gesellschaft zu versöhnen. Nur dann werde die Landwirtschaft in Deutschland eine langfristige Perspektive haben.

Klöckner ordnet Veränderungen für Insektenschutz und Düngung ein

Kursierende Aussagen über Auswirkungen des Aktionsprogramms Insektenschutz und der neuen Düngeverordnung weist Klöckner in dem Brief zurück. So seien weder eine pauschale Ablehnung von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten noch ein Anwendungsverbot in Vogelschutzgebieten vereinbart worden. Außerdem müsse als Voraussetzungen für eine Aufnahme von Streuobstwiesen und artenreichem Grünland in die Liste der geschützten Biotope die weitere Bewirtschaftung gesichert sein und es müssten Anreize für eine Neuanlage dieser Biotope gegeben sein, räumt sie ein.

Forderungen nach Nicht-Handeln in der Auseinandersetzung um eine Verschärfung der Düngeverordnung beantwortet Klöckner mit einem Hinweis auf die dann drohenden gravierenden Strafzahlungen. Eine Absenkung der Stickstoffdüngung werde außerdem nur in den mit Nitrat belasteten Gebieten erforderlich, betont Klöckner.

Schulze verweist auf schwindende Zahl an Feldvögeln

Umweltministerin Svenja Schulze mahnte parallel zu den geplanten Protesten erneut mehr Schutz für Insekten in der Landwirtschaft an. Zur Begründung weist sie auf den zahlenmäßigen Rückgang bei Feldvögeln hin: „Leider konnte der dramatische Abwärtstrend bei den Feldvögeln bislang nicht gestoppt werden“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es seien „deutlich mehr Anstrengungen“ nötig.

Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft wolle noch an diesem Dienstag neue Zahlen zu den Agrarvogelarten veröffentlichen, heißt es im Umweltministerium. Daraus gehe hervor, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Agrarvogelarten von 55 auf 68 Prozent gestiegen sei, und dass bei weniger Arten der Bestand zunimmt.

FDP wirft Groko „Wirtschaftsförderung für ausländische Produzenten“ vor

Die FDP im Bundestag äußert Verständnis für die Proteste. "Die geplanten Demonstrationen hunderttausender Landwirte machen deutlich, dass die Agrarpolitik der Ministerinnen Klöckner und Schulze einer ganzen Branche die Existenzgrundlage zu entziehen droht", sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Gero Hocker. Das sei ein "untragbarer Zustand“.

Den Ministerinnen warf Hocker „Wirtschaftsförderung für ausländische Produzenten“ vor, die Naturschutz und Tierwohl eine weitaus geringere Priorität einräumten. Im Bundestag will die FDP ein Konzept einbringen, dass einheitliche Standards für die Produktion in der EU festschreibe und dass Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel EU-weit weiter harmonisiert.

Grüne warnen vor einer "Totalblockade"

Der Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, ruft zu einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs zur Landwirtschaft auf. „Die Bauern wurden schlecht und einseitig beraten und stehen nun ratlos einer Gesellschaft gegenüber, die in weiten Teilen ihre Art zu Wirtschaften nicht gut heißt“, sagte er. Aus seiner Sicht In dieser Situation erweisen die Organisatoren von „Land schafft Verbindung“ dem Berufsstand jedoch einen Bärendienst. “Statt in der Sache um einen gesellschaftlichen Konsens zu ringen, skizzieren sie populistische Zerrbilder“, sagte Ostendorff. Fakten zu Umweltauswirkungen der intensiven Landwirtschaft – wie etwa das Insektensterben – würden infrage gestellt und Kritik an der aktuellen Landwirtschaft als „Bauernbashing“ bezeichnet. „Damit ziehen die Organisatoren ihre Wagenburg enger und enger, statt an einer gemeinschaftlichen Vision mitzuarbeiten, wie Landwirtschaft in Zukunft aussehen soll“, sagte Ostendorff.

Aus seiner Sicht ist die Forderung, man möge den Landwirten nicht reinreden, nicht haltbar. Denn mit den Agrarzahlungen zahlten die Steuerzahler für die Landwirtschaft. „Dass sich die Art des landwirtschaftlichen Wirtschaftens ändern muss ist zudem wissenschaftlich unstrittig. Es geht also nicht um das Ob, sondern um das Wie“, sagte Ostendorff. Der Branche rät er, an konstruktiven Lösungen mitzuarbeiten, „statt auf Totalblockade zu stellen“.

Den langen Brief von Klöckner an ihre Fraktion zum Agrarpaket gibt es hier zum Nachlesen:

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Die neue Düngeverordnung soll bereits im April 2020 in Kraft treten. Die abschließende Beratung dazu im Bundesrat findet aber erst kurz davor statt.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Robert Sigmund-Wild

Die Hetze funktioniert....

Große Medienkonzerne stellen fälschlicherweise die Bauerndemo in das falsche Licht, als wären wir gegen Umweltschutz und Insektenschutz. Wir werden als Kaste für sich bezeichnet, die nicht einsehen will, dass unsere Ackerflächen Ruhe brauchen, anstelle dort Nahrungsmittel zu produzieren. Wir würeden Tiere zu Tode quälen, nicht zuletzt werden wir sogar als Sardisten bezichtigt. Wir würeden alles tot spritzen, als wären wir die Pest. Großkonzerne machen auf Kosten der Deutschen Bauern Werbung und kaufen Palmöl aus Indonesien. Die Agrarwissenschaft kommt nicht zu Wort, weil Sie von hasserfüllten Gruppierungen mit Antithesen ohne fachlichen Hintergrund abgewürgt wird. Politiker brauchen Berater, die ihrerseits in Büros postulieren, dass Bauern die Hauptverursacher allen Artensterbens hierzulande sind, aber Erstere für drei Personen drei getrennte Interkontinentalflüge für denselben Termin in der USA in Anspruch nehmen. Gleichwohl ging es der Deutschen Politik nicht schnell genug die Urwälder in Brasilien brennen zu sehen, damit über ein weiteres Freihandelsabkommen die Deutsche Industrie ja nicht zu jammern beginnt und im Gegenzug der Nahrungsmüll aus jenen Ländern aufgetischt werden soll, damit in Deutschland ein Berufsstand weicht und Kapitalflächen vor dem nächsten Crash freigibt. Überzogen? .... Nein, dann haben Sie nur noch nicht in der Tiefe recherchiert! Erinnert Sie das nicht irgendwie an die Deutsche Geschichte? Lesen Sie doch mal Geschichtsbücher aus den 30er Jahren und beschäftigen Sie sich mit der Judenhetze. Ohne Übertreibung, bekommen wir bald einen Stern an den Ärmel? Revolution ist das Markenzeichen unserer Jugend, Politik und der Medien geworden! Wenn das Kanzleramt es nicht schafft, sich in wesentliche Themen unserer Gesellschaft mit wohlwollendem Willen zur friedlichen Lösungsfindung einzubringen und einzuschalten, um für wahrhaftige Aufklärung und für ein Miteinander und auch für eine gewisse Abgrenzung in der globalisierten Welt zu sorgen, scheint wohl mein Vergleich mit den 30ern sehr treffend zu sein.

von Robert Sigmund-Wild

Die Hetze funktioniert....

Große Medienkonzerne stellen fälschlicherweise die Bauerndemo in das falsche Licht, als wären wir gegen Umweltschutz und Insektenschutz. Wir werden als Kaste für sich bezeichnet, die nicht einsehen will, dass unsere Ackerflächen Ruhe brauchen, anstelle dort Nahrungsmittel zu produzieren. Wir würeden Tiere zu Tode quälen, nicht zuletzt werden wir sogar als Sardisten bezichtigt. Wir würeden alles tot spritzen, als wären wir die Pest. Großkonzerne machen auf Kosten der Deutschen Bauern Werbung und kaufen Palmöl aus Indonesien. Die Agrarwissenschaft kommt nicht zu Wort, weil Sie von hasserfüllten Gruppierungen mit Antithesen ohne fachlichen Hintergrund abgewürgt wird. Politiker brauchen Berater, die ihrerseits in Büros postulieren, dass Bauern die Hauptverursacher allen Artensterbens hierzulande sind, aber Erstere für drei Personen drei getrennte Interkontinentalflüge für denselben Termin in der USA in Anspruch nehmen. Gleichwohl ging es der Deutschen Politik nicht schnell genug die Urwälder in Brasilien brennen zu sehen, damit über ein weiteres Freihandelsabkommen die Deutsche Industrie ja nicht zu jammern beginnt und im Gegenzug der Nahrungsmüll aus jenen Ländern aufgetischt werden soll, damit in Deutschland ein Berufsstand weicht und Kapitalflächen vor dem nächsten Crash freigibt. Überzogen? .... Nein, dann haben Sie nur noch nicht in der Tiefe recherchiert! Erinnert Sie das nicht irgendwie an die Deutsche Geschichte? Lesen Sie doch mal Geschichtsbücher aus den 30er Jahren und beschäftigen Sie sich mit der Judenhetze. Ohne Übertreibung, bekommen wir bald einen Stern an den Ärmel? Revolution ist das Markenzeichen unserer Jugend, Politik und der Medien geworden! Wenn das Kanzleramt es nicht schafft, sich in wesentliche Themen unserer Gesellschaft mit wohlwollendem Willen zur friedlichen Lösungsfindung einzubringen und einzuschalten, um für wahrhaftige Aufklärung und für ein Miteinander und auch für eine gewisse Abgrenzung in der globalisierten Welt zu sorgen, scheint wohl mein Vergleich mit den 30ern sehr treffend zu sein.

von Gerhard Vincent-Heldt

Liebe Redaktion!

Leitet doch bitte mal die Komentare, die unsere Meinung am besten wiederspiegeln an die zuständigen Politiker weiter. Habe das Gefühl, dass fachlich gute Komentare nur von Berufskollegen gelesen werden. A. Vincent-Heldt

Anmerkung der Redaktion

Seien Sie versichert, dass die Politiker aufmerksam jeden Tag top agrar online lesen. Ansonsten sind Sie gerne aufgerufen, die Politiker auf Meinungen aus der Praxis aufmerksam zu machen, das können nur Sie oder Ihre Berufsvertretung selbst machen, nicht wir als neutraler Berichterstatter.

von Martin Hofmann

Haustiere

Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland rund 13 Mio Katzen gibt und jede Katze nur einen Vogel im Monat fängt, kann man leicht hochrechnen, wo die Vögel sind. Dazu kommen 8 Mio. Hunde. Auch wenn nur ein Teil davon wildert ist es ein großer Schaden.

von Torsten Kremershof

Rückgang der Feldvögel ???

Ich glaube auch es hackt !! Als Landwirt und auch Jäger kann man die Ursache hier bei uns herrlich beobachten . Neulich beim mähen eines etwa 4 ha großen Grünlandschlags beobachtet ! 13 Rotmilane , 10 Krähen, 2 Kolkraben und 6 Wanderfalken !! Das ist kein Scherz !! Hier kommt keine Maus lebend vom Feld ! Aber auch kein Singvogel, Hase und Wildkaninchen mehr hoch. In einem benachbarten größerem Weiher kann der ansässige Angelverein soviel Fische einsetzen wie er will. Der Weiher wird ständig vom Kormoran leer gefischt ! Ein Küstenvogel im Bergischen Land !!! Auch hier leiden wir unter der Dummheit einiger Möchtegern Experten für die Landwirtschaft zur " Achse des Bösen " zählt.

von Uwe Lamparter

Rückgang Feldvögel

Svenja Schulze, die Ahnungslose, spricht vom Rückgang der Feldvögel. Ist kein Wunder, da alle Raubvögel streng geschützt sind und soll mir keine/keiner sagen, die fressen alles nur keine Feldvögel...

von Wilfried Saltenberger

Finanzieller Ausgleich

Ich denke wenn Frau Klöckner hier wohlwollend von finanziellen Ausgleich spricht ,ist ihr vermutlich entgangen das wir keine wie auch immer gearteten finanzielle Hilfe mehr wollen . Wir verlangen nur das die Regierung ihre Arbeit ordentlich macht und ihre Gesetze auf wissenschaftlich fundierte Beine stellt . Anstatt Wählerfang im großen Stil mit der Unwissenheit des Verbrauchers zu betreiben . Es ist an Ignoranz nicht mehr zu überbieten wie mit uns verfahren wird. Wir haben lange um Beteiligung gebettelt ,jetzt ist die Tür zu und heute das war nur der Anfang. Wir sollten uns mit den französischen, holländischen Berufskollegen kurzschließen und jeden Monat das auf die Beine stellen solange bis wir verstanden werden ! Stolz und Würde ist das was wir noch zu verlieren haben und das will ich nicht aufgeben !!

von Volker Grabenhorst

Ein Gutes haben diese "Vögel" ( Schulze, Klöckner, Merkel, Hofreiter, Altmeier, Künast,...…) gemeinsam: Sie haben glücklicherweise ihren Genpool nicht weitervererbt

von Bernhard ter Veen

moment mal...

Da meldet sich die FDP zu Wort... Bitte denken Sie einmal 30 Jahre zurück. Welche Partei neben der C-Gruppierung war da noch in der Regierungskoalition ??? IHR ward selbst mit an der GRUNDSTEINLEGUNG dieses Gängel-Reglementierungs-Verwaltungs Desaster´s beteiligt. Und nun daher kommen und sich auf die andere Seite schlagen? WARUM habt Ihr nie was dagegen Unternommen wo Ihr doch wusstet was das für Auswirkungen hat? oder war der Wille zum Mitregieren stärker(wie bei der Roten Regierungspartei heute) ? hauptsache mitlaufen...egal in welche richtung... ...kreutzungen aus Aal und Schnecke...

von Gerhard Steffek

Die Schulze ...

besonders mit ihrem Verweis auf die Vögel stellt sie doch ihren weltfremden Kleingeist unter Beweis. Hängt sich an dem kleinen Parameter auf, welch ein Witz. Die Vögel beweisen in der Tat, daß etwas im Argen liegt, aber liegt das tatsächlich an den Bauern? Wie ist es denn, haben nicht gerade der NABU und Co. zu früheren Zeiten nicht auch um den Vogelschutz bei Krähen- und Greifvögeln gekämpft? Ausgerechnet diese Carnivoren der Luft sind doch bestens dazu geeignet ihresgleichen zu erhaschen. Ob es nunmal der Falke ist, der sich im Flug den Spatz oder die Schwalbe holt, oder der Rabe, der das Nest einer Lerche plündert, hier heißt es viel Feind, aber keine Ehr für die armen Opfer dieses überbordenden und realitätsfernen Vogelschutzes. Jetzt da die Auswirkungen dieses "Schutzes" ersichtlich sind, wären es dann wieder die Bauern. Ausgerechnet diejenigen werden dann wieder fleißigst bezichtigt, die vor diesen Auswirkungen gewarnt haben. Ebenso stellt sich die Frage, was Frau Schulze zu tun gedenkt gegen die Fangnetze z.B. in Ägypten, dem Nil entlang, 8 - 900 Kilometer lang eine Flug- und Todesroute für viele unserer heimischen Feldvögel die aber zur Überwinterung nach Afrika fliegen. Ausgerechnet hier hilft dann wieder unsere Industrie bestens mit, indem sie entsprechendes Material für die Fangnetze zur Verfügung stellt, um die Fangmethoden zu optimieren. Ist da der deutsche Bauer auch mit daran Schuld?

von Joachim Schaper

Allein, mir fehlt der Glaube

daran, dass dieses von Frau Klöckner so positiv dargestellte Agrarpaket auch ein wirklicher Erfolg für die Gesellschaft und uns Landwirte wird. Die heutigen Ausgleichszahlungen wurden 1992 als Kompensation dafür beschlossen, dass die wettbewerbsverzerrende Agrarpolitik der EU in ein neues, weltmarktkonformes System überführt wurde. Ein Ausgleich für unterschiedliche Kostenkonstellationen auf dem Weltmarkt, damit auch in Europa weiterhin Landwirtschaft betrieben wurde, aber auch dass andere Sektoren ihre Exportmärkte weiterhin bedienen konnten. Im Laufe der Zeit wurden die Ausgleichszahlungen gekürzt und immer wieder neue Produktionsauflagen indirekt an diese geknüpft, in dem Sanktionsandrohungen bei Verstoß an die Ausgleichszahlungen geknüpft wurden. Also auch hier schon öffentliches Geld für öffentliche Leistungen und damit einhergehend steigende Produktionskosten. Ich sehe die Gefahr, dass bei allen wohlklingenden Absichtserklärungen, im Laufe der Zeit weitere Auflagen bzw. Verschärfungen auf uns zu kommen werden, immer mit dem Argument: "Ihr bekommt öffentliches Geld, also erbringt ihr auch die von uns geforderten zusätzlichen Leistungen". Die Folgenabschätzung des DBV mag ja übertrieben wirken, wer garantiert aber aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass dies am Ende nicht doch eintreten wird. Die Politik hat aus meiner Sicht, auch keine konkrete Folgenabschätzung parat. Allein über einen höheren Preis für bessere Produkte wird man das Agrarpaket nicht umsetzen können. Auch wenn es natürlich der wünschenswerteste Weg wäre, ohne Abschottung unserer Märkte über die Festlegung von für alle Produzenten einheitlichen Standards oder Importbeschränkungen funktioniert es leider nicht. Das ist schon innerhalb der EU ein Problem, wird aber auch leichter, wenn dann auch noch die WTO ein Wort mit zu reden hat. Ob die zusätzlichen Haushaltsmittel für alle Betriebe reichen, hat die Politik auch noch nicht versichern können. Und jeder Euro, den der Bürger mehr für Lebensmittel ausgeben soll, fehlt anderen Sektoren unserer Wirtschaft. Wie sähen denn die Folgen hier aus? Wird der Verbraucher den Vorstellungen unserer Politiker überhaupt folgen oder in der Mehrzahl auch weiterhin sehr preisbewusst einkaufen? Und was nur wenig kostet, genießt in der Regel auch weniger Wertschätzung und kann dann auch mal leichter entsorgt werden. Geht es dem Verbraucher vielleicht so wie den mehrheitlichen Befürworten der regenerativen Energien (72% Befürwortung, aber bitte nicht bei mir sondern bei den anderen), wenn die Anderen teurer einkaufen ist uns ja auch geholfen. Ich wäre der Letzte, der sich einem Agrarpaket verschließen würde, wenn es dann fachlich einwandfrei ausgearbeitet wäre. Als überwiegender Landschaftspfleger auf staatlicher Alimentation wollen wir alle sicherlich nicht arbeiten. Das würde auch die Versorgungssicherheit in Frage stellen. Allein der Glaube an die Verlässlichkeit der Politik, hinterlässt ein mulmiges Gefühl, insbesondere das die vehementen Verfechterinnen dieses Agrarpakets nicht einmal das Rückgrat haben sich den Demonstrierenden zu stellen. Wertschätzung sieht anders aus, auch wenn es unbequem sein mag.

von Heinrich Schrimpf

Waschbären und Windräder

Auch daran mal denken Frau Schulze. Waschbären gibt es mittlerweile landauf, landab wie Sand am Meer. Vögel sind ein echter Gaumenschmaus für diese eingewanderten Gesellen, die hier eigentlich nichts zu suchen haben.

von Wilhelm Grimm

SCHULZE: Zu wenig Feldvögel

Dafür haben wir zu viel Paradiesvögel in der politischen Arena.

von Rudolf Rößle

Herr Ostendorff

man merkt, dass ihr Geldbeutel aus anderen Taschen gefüllt werden. Sie sollten nicht zu den Nein Sagern gehören, wenn die Basis etwas unternimmt, wenn Sie diskutieren wollen. Die Biobauern fühlen sich ja auch nicht wie Zeus im Olymp. Heute wird den Städten ein Besuch abgestattet. Morgen den untersten Etagen der Discounter und übermorgen die Ein- und Zufahrt von Häfen und Fluglogistik.

von Klaus Fiederling

Herr Renken, Sie halten dem Falschen einen Spiegel vors Gesicht!

Warum attackieren Sie und alle anderen, die nunmehr unter diesem hervorgebrachten System massiv zu leiden haben, nicht jene Verantwortlichen, die selbiges entwickelt haben!? Kritik an meiner Person hilft Ihnen nicht weiter. Diese Stallungen wurden in den goldenen Elfenbeintürmen der fürstlichen Saläre ausschließlich wiederum mit Staatsgeldern der Allgemeinheit vordringlich forciert, hernach selbige Konzepte administrativ begleitend freiwillig in der Praxis umgesetzt. Welcher Stall -die von Herrn Renken thematisierten Hundertausende- bzw. Millioneninvests- wurden denn nicht staatlich gefördert? Hat man dabei auf entsprechende Betriebsentwicklungspläne mit einherhergehenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen hinreichend Wert gelegt!? War jenen Bauwilligen tatsächlich nicht klar, für welchen Markt sie produzieren. Wie lange ist dieser bereits haltlos übersättigt!? - Milchseen, Butter- und Fleischberge, entspringen wahrlich nicht den Träumen unserer Märchenerzähler aus „Tausendundeiner Nacht“. Ging nach der Beendigung der Milchquote nicht förmlichst das Turbo-Melken los? Schon zu Zeiten des Stallbaus war jedem Bauern doch vollumfänglich bewusst, dass er z.B. Wiederkäuer hält, in deren Mägen u.a. auch Methan gebildet wird, welches schon immer gewissermaßen ein „Problemgas“ darstellte. Wer einen Stall baute, wusste auch, wie unelastisch der jeweilige Betrieb in diesem produziert. Betriebswirtschaftlich also kein Neuland; das Risiko trägt damit jeder Investor selbst; das können Sie mir als Ackerbauer schlussendlich nicht zum Vorwurf machen! Die Auswüchse von Bad Grönenbach sind uns Bauern doch auch alle mehr als hinlänglich bekannt; dereinst ein Vorzeige- und Musterbetrieb sämtlicher Verbände! Bedarf es der Worte noch mehr!? // Wer für 20 Cent nicht produzieren kann, so denn dem Erzeuger nicht mehr zugestanden wird, ist und bleibt ein „Getriebener“ mit allen Konsequenzen. Auch die Ackerbauern werden bei den Zuckerrüben mit genau eben diesen Realitäten des Marktes jetzt konfrontiert, das sollte man geflissentlich so zur Kenntnis nehmen. Im Nachgang jammern, mag zwar mitmenschlich verständlich sein, helfen tut‘s jedoch sehr wenig. Warum also verwehrt man sich fortwährend einem alternativen Freigeist, der wahrlich keine Mangelware darstellte!? Bisher hat man in Reihen der Bauern doch auch Unsummen an Kapital weitaus sinnbefreiter bewegt, nicht selten komplett vernichtet...!

von Leon Blitgen

Tja Herr Ostendorff! Die Agrarzahlungen waren gedacht als Ausgleich damit die Leute billg zu Essen bekommen und sich anderem Vergnügen widmen konnten ( Ferien Autos .....) Jedenfalls nicht um die Bauern zu Verarschen!!!!!

von Stefan Lehr

Ohnmacht

Wie ein Zeichen der Ohnmacht erscheinen die Aeusserungen der Ministerinnen und des Herrn Ostendorff. Sie alle stehen vor dem Scherbenhaufen, den Politik, NGOs und ideologische Hetze in der Gesellschaft groesstenteils verursacht haben. Mit dem Resultat, dass ein ganzer Berufsstand an den Abgrund gedrueckt wurde und sich nach jahrelangem Hinnehmen nun endlich wehrt. Die Landwirtschaft ist, und war, schon immer an einer sachlichen Diskussion interessiert - aber auf Augenhoehe und objektiv. Die Feldvoegel werden nicht nur durch die Landwirtschaft weniger. Freilaufende Hunde und Katzen, sowie permanente Unruhe in Feld und Wald tragen wesentlich mit dazu bei. Aber das verschweigt man geflissentlich, da es die Masse der Waehlerklientel betrifft. Die Einsicht, wie notwendig eine vielfaeltige Landwirtschaft mit allen ihren verschiedenen Strukturen und Produktionsmodellen ist, wird man erst realisieren, wenn es sie nicht mehr gibt. Und bis dahin wuensche ich allen Berufskolleginnen und -kollegen viel Erfolg bei ihren Kundgebungen und hoffe auf ein "Wachruetteln" der Gesellschaft. Aber leider sind bis zum jetzigen Zeitpunkt die Portestveranstaltungen keine Nachricht in den Medien wert. Das sagt eigentlich alles ueber den Stand der Land- und Fortswirtschaft innerhalb der deutschen Gesellschaft aus.

von Renke Renken

Sehr geehrter Herr Fiederling,

die meisten von uns haben in den letzten Jahren hunderttausende wenn nicht gar Millionen in die Tierhaltung investiert, da steigt man nicht mal so eben um auf irgendetwas Alternatives, im Ackerbau kann ich von Jahr zu Jahr auf Veränderungen reagieren, in der Tierhaltung bin ich bei den Summen in der Regel 20 Jahre und länger festgelegt

von Klaus Fiederling

Wir Bauern können mehr! - Wir Bauern können Zukunft!

Alles Stöhnen und Ächzen unter der gegenwärtigen Auflagenflut durch die Hand, die uns alle füttert, hilft recht wenig. Der zivile Ungehorsam, der im eigentlichen notwendig wäre, ist bei einer aktuell filigranen Ausgestaltung jener absolut unverzichtbaren Einkommensquellen auf vielen Höfen nur schwer möglich. - Das grundlegende Problem ist darin zu sehen, in welche Enge uns der Staat damit lemminghaft treudoof mittlerweile getrieben hat. So entspricht es also den ernüchternden Tatsachen, dass heute quasi die „Mieter“ für ihre „Vermieter“, einige Wenige für den Erhalt von Abertausenden Arbeitsplätzen im Agrarsektor auf die Straße gehen. Eine ganze Bauerngeneration der „Wachsen-oder-Weichen"-Strategien stellt sich dabei leider aber immer noch nicht der drängendsten Frage, was bei uns Bauern sich generell in einer gefährlichen Schieflage befindet. Wir produzieren derzeit in Ausschließlichkeit Nahrungsmittel - Nahrungsmittel - und nochmals Nahrungsmittel, letztere in dieser Aufzählung werden von niemandem gebraucht. - Warum fallen uns dazu keine cleveren Alternativen ein, Alternativen, die zeitnah greifbare Wertschöpfung auf unseren Höfen ankommen lassen!? // Diejenigen, die den Staat repräsentieren, die allesamt selbst staatlich komfortabel alimentiert sind, gehen über sämtliche bäuerlichen Wertschöpfungsalternativen bislang sträflichst ignorant hinweg, so sich diese nicht geschmeidig in ihr eigenes Konzept einzupassen wissen. - Statuiert hat man ein solch unbeirrtes Vorgehen beispielhaft bereits im Umfeld der Solarenergiebranche, gefolgt nun von einer vorangetriebenen Arbeitsplatzvernichtungswelle in der Windenergiebranche. Glauben wir Bauern jetzt tatsächlich, man sparte UNS in dieser rigorosen Vorgehensweise aus!? // Für mich als Bauer ist dabei am schlimmsten, erkennen zu müssen, dass eben solche geistig vollkommen starren administrativen Konzepte weitreichend generell nicht mehr funktionieren; in unseren Wäldern widerspiegelt sich aktuell bereits genau dieses Szenario mit sämtlichen daraus resultierenden fatalen Konsequenzen. Und mit Verlaub, die Masse der Wälder stehen unter Allgemeineigentum! - Warum beweisen wir Bauern nicht endlich eigeninitiativ, dass wir mehr können, dass wir Zukunft für ALLE(!) gestalten können!? - Auf dieser Basis werden sich bestimmt viele Wegbegleiter mit uns solidarisieren. - Zerstört also bitte heute nicht diese Hoffnung nach greifbaren Zukunftsperspektiven auf unseren Höfen.

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