"Diffamierungskampagne"

Sarah Wiener empört sich über Negativstudien zum Green Deal

In den EU-Umwelt- und Agrarausschüssen kommen am Dienstagnachmittag zwei Studien auf den Tisch, die vor negativen Folgen für die Landwirtschaft durch die „Farm to Fork“ Strategie warnen.

Auf der Tagesordnung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Umwelt im Europäischen Parlament steht heute von 16:45 bis 18:45 Uhr eine gemeinsame Anhörung zur „Farm to Fork“ Strategie, die Teil des Green Deal ist.

Grünen-Europaabgeordnete Sarah Wiener erwartet eine schwierige Diskussion, denn zwei der vier geladenen Experten wollen kritische Studien vorstellen, die negative Folgen für die Landwirtschaft nachweisen. Wiener wertet den demokratischen Meinungsaustausch hingegen als "Versuche der Agrarindustrie und der Vereinigten Staaten, den Green Deal systematisch zu diffamieren", wie sie sagt. Sie erwartet, dass es sich nicht um einen wissenschaftlichen Bericht handelt, sondern um einen gekauften Versuch der Lobby, die „Farm to Fork“ Strategie im Keim zu nichte zu machen.

Diese Studien machen ihr Angst

Die Studie des US Department of Agriculture hatte im letzten Herbst festgestellt, dass die Umsetzung der EU Green Deal Ziele den landwirtschaftlichen Ertrag in der EU bis 2030 um 7 % reduzieren würde.

Ähnliches stellt die Studie der Wageningen University & Research fest. Auch sie bescheinigt den Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele der Europäischen Kommission eine schlechte Note. Beide Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die landwirtschaftliche Produktion der EU einbrechen und Lebensmittelimporte aus Drittstaaten bedeutsam ansteigen werden, sollten die Ziele umgesetzt werden - siehe Linkliste unten auf dieser Seite.

Wiener ärgert sich über Agrarlobby

Laut Wiener geht es der Agrarbranche nur um die eigenen Profitmargen. Schon früher habe sich die Industrie mit eigenen Studien gegen Green Deal und Farm to Fork zur Wehr gesetzt, prangert sie an. Auch der europäische Agrar-Dachverband Copa-Cogeca sehe als Teil seiner Startegie vor, gezielt Studien zu verbreiten, um jegliche Ambitionen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaftspolitik zu verhindern, behauptet die bekennende Kritikerin der konventionellen Landwirtschaft.

Sie bescheinigt der Gegenseite eine deutliche Vehemenz bei der Verbreitung kritischer Urteile und spricht von falschen Narrativen über die im Green Deal enthaltenen Nachhaltigkeits- und Klimaziele. "Ständig werden neue Studien finanziert oder alte Studien aufgewärmt, die dann als Instrument genutzt werden um ewig dieselben sehr einseitig gehaltenen Diskussionen zu führen. Wir dürfen uns nicht länger von Scheinargumenten aufhalten lassen, die eine zukunftsfähige Erneuerung verhindern und den Status Quo zementieren wollen“, sagt sie.

Die ehem. Fernsehköchin kritisiert weiter, dass die Agrarbranche auch stets nur Änderungen auf der Angebotsseite betrachte und sich zum Beispiel nicht mit Änderungen im Verhalten von Konsumenten beschäftige, die heutzutage dazu bereit seien, weniger und dafür besseres Fleisch zu essen.

Laut Wiener ist ein tiefgreifender Wandel im gesamten Lebensmittelsystem möglich, wenn in allen Teilen des Systems Änderungen umgesetzt werden: vom Boden zum Bauernhof, über die Lebensmittelverarbeitung und den Verkauf bis hin zu den Verbrauchern. "Die Agrarindustrie hat die letzten 40 Jahre ihre Chance gehabt und mit einer gewaltigen Bruchlandung sozial, ökologisch und ökonomisch versagt. Es ist an der Zeit für alternative ökologische nachhaltige Modelle.“


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