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GAP 2023: Was können die Öko-Regelungen?

Mit den Öko-Regelungen sollen Landwirte die sinkenden GAP-Direktzahlungen ab 2023 aufstocken und für Umweltleistungen belohnt werden. Für viele Betriebe dürften sich die Maßnahmen aber nicht rechnen.

Unsere Experten: Jan-Hendrik Buhk und Uwe Latacz-Lohmann von der Uni Kiel sowie Torben Tiedemann von der FH Kiel

Mit den Öko-Regelungen (Eco-Schemes) will die Politik die Landwirtschaft auf Kurs Richtung mehr Nachhaltigkeit schicken. Für die Maßnahmen sind ab 2023 im Rahmen der Reform der Gemeinsamen ­Agrarpolitik (GAP) rund 1 Mrd. € pro Jahr reserviert. Ob das Vorhaben gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob unter dem Strich etwas im Portemonnaie der Landwirte übrig bleibt. Unsere Experten zeigen, welche Maßnahmen zu welchen Betriebstypen passen.

Dazu haben wir für drei Betriebe nachgerechnet, ob sich die Teilnahme lohnt.

Wir haben die Betriebe bewusst so ausgewählt, dass ihnen die Teilnahme an den Öko-Regelungen unterschiedlich leicht fällt.

Ein intensiv wirtschaftender Milchviehbetrieb aus Bayern und ein großer Ackerbaubetrieb aus Mecklenburg-Vorpommern mit enger Fruchtfolge stellen die beiden Betriebe dar, die weit von dem entfernt sind, was die Öko-Regelungen eigentlich fördern sollen. Ein Gemischtbetrieb aus dem niedersächsischen Wendland hat demgegenüber günstigere Ausgangsbedingungen für die Teilnahme an den Öko-Regelungen.

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SPEZIALISIERTER ACKERBAU

Prämien unwirtschaftlich

Die neuen GAP-Anforderungen (Konditionalität) schreiben Landwirten vor, 4 % ihrer Ackerfläche stillzulegen. Da­zu muss der Beispielbetrieb zusätzlich zu seinen 20 ha Landschaftselementen noch 20 ha Ackerland stilllegen. Nachdem er die Konditionalität erfüllt, kann er über eine freiwillige Aufstockung der Stilllegung im Rahmen der Öko-Re­gelungen nachdenken.

Um zu entscheiden, ob es sich lohnt, ein weiteres Prozent der 1.000 ha Ackerland (also 10 ha) stillzulegen, muss man der Prämie (1.300 €/ha) den entgangenen Deckungsbeitrag und die Kosten für das Mulchen gegenüberstellen. Aus ökonomischer Sicht würde der Landwirt die schwächste Frucht einschränken. Das wäre in diesem Fall die Wintergerste, für die ein Deckungsbeitrag von 979 €/ha unterstellt wird. Für das Mulchen der Grünbrache fallen 30 €/ha an.

Im Saldo bleibt ein Gewinn von 291 €/ha (1.300 €/ha - 979 €/ha - 30 €/ha). Das zweite Prozent der Brutto-Ackerfläche in Grünbrache umzuwandeln rechnet sich nicht. Hierfür gibt es nur noch eine Prämie von 500 €/ha.

Blühfläche für 150 €/ha

Wer seine Stilllegung mit einer Blühmischung begrünt, bekommt dafür 150 €/ha. Das gilt allerdings nur für die zusätzliche Stilllegung im Sinne der Öko-Regelungen. Die Brache im Sinne der Konditionalität müssen Landwirte nach der Ernte der Vorkultur der Selbstbegrünung überlassen.

Setzt man die Kosten für die Etablierung einer einjährigen Blühfläche mit 110 €/ha an, so ergibt sich ein Mehrgewinn von 40 €/ha Blühfläche, bei 10 ha also 400 € insgesamt. Sät man eine zweijährige Blühmischung, fällt die Bilanz besser aus: Dann liegen die Etablierungskosten aufs Jahr gerechnet bei nur 85 €/ha und der jährliche Gewinn 65 €/ha, also 650 € bei 10 ha .

Weite Rotation lohnt nicht

Bei der Öko-Regelung zur fünfgliedrigen Fruchtfolge müssen auf mindestens 10 % der Ackerfläche Leguminosen ­stehen, Getreide auf maximal 66 %. Keine der fünf Früchte darf weniger als 10 % und mehr als 30 % der Netto-Ackerfläche ausmachen. Dafür gibt es 30 €/ha Netto-Ackerfläche abzüglich Stilllegung.

Mit seiner Standard-Fruchtfolge Raps – Weizen – Gerste ist der ­Betrieb ein ganzes Stück davon entfernt. Als mögliche Früchte kommen für den Mähdruschbetrieb zum Beispiel Ackerbohne und Winterroggen infrage.

Im Beispiel ersetzen die not­wendigen 10 % Ackerbohnen den Winterraps in der Fruchtfolge. Die 14 % Roggen gehen zu Lasten der Wintergerste und des Winterweizens, da der Ackerbauer den Anbau auf 30 % reduzieren muss.

Im Saldo führt die Umstellung zu einem Verlust an Vergleichsdeckungsbeitrag von 56.811 €. Dem Verlust stehen nur 28.800 € Prämien dieser Öko-Regelung gegenüber (30 € pro ha × 960 ha). Die Teilnahme an der Öko-Regelung wäre also ein riesiges Verlustgeschäft. Details und weitere Zahlen zu den von uns unterstellten Deckungsbeiträgen finden Sie im Internet unter HeftPlus.

Nur 3,50 € pro ha

In der Summe kann der Ackerbauer nicht viel an den Öko-Regelungen ­verdienen. Einkommenswirksam sind 2.910 € aus der zusätzlichen Stilllegung und 650 € aus der Anlage einer zweijährigen Blühmischung auf ebendieser Stilllegung. Auf die Gesamtfläche gerechnet sind das keine 4 €/ha. Da sich die „Vielfältigen Kulturen“ in diesem Betrieb nicht rechnen, werden weiterhin keine Sommerungen angebaut. Deshalb kommt eine Teilnahme am Pflanzenschutz-Verzicht für den Ackerbaubetrieb gar nicht infrage.

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MILCHVIEH-FUTTERBAU

Extensivierung schwierig

Dem bayerischen Milchvieh-Futterbaubetrieb stehen mehr Öko-Regelungen zur Verfügung als dem...

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