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topplus Märkte im Ausnahmszustand

DLG-Unternehmertage: Banker und Fleischeinkäufer erklären Folgen des Ukrainekrieges

Nord LB-Chefvolkswirt Lips und Fleischeinkäufer Kowalski von Tegut über ihre Strategien durch die Fahrwasser der aktuellen, turbulenten Märkte.

Lesezeit: 4 Minuten

„Turbulente Zeiten sind Unternehmerzeiten“, hieß es am Dienstag beim Plenum zum Thema Märkte auf den DLG-Unternehmertagen in Würzburg. Nach der Einführung ordnete Christian Lips, Chefvolkswirt der Nord LB, eindrucksvoll den aktuellen Ausnahmezustand auf den globalen Märkten ein.

„Schwarze Schwäne“, d. h. unvorhersehbare Ereignisse treten im Schwarm auf und machen die Prognosen sehr unsicher. Konkret sind dies die Corona-Pandemie, der Krieg, gestörte Lieferketten, Inflation, Energiekrise, geopolitische Wende und ein Zinsanstieg. "Simultane Schocks treffen die Weltwirtschaft und verursachen große Unsicherheit", berichtete der Banker. Hierzu listete er die Ausgangslage und die Annahmen auf:

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  • Die Prognoseunsicherheit bleibt extrem hoch, das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen hängt von kaum prognostizierbaren Entwicklungen ab.
  • Ein schnelles Kriegsende zwischen Russland und der Ukraine ist nicht in Sicht, der Krieg belastet massiv das Sentiment.
  • Umfangreiche Sanktionen implementiert, Russland lässt bei Gasversorgung weiter die Muskeln spielen.
  • Energiepreise dürften für längere Zeit auf deutlich erhöhtem Niveau verharren.
  • Finanzmärkte: Volatilität extrem hoch; zinstreibende Faktoren sollten wieder Oberhand gewinnen, sofern scharfe Rezession vermieden werden kann.
  • Notenbanken steigern Tempo ihres Straffungskurses. KM-Zinsen im Spannungsfeld von Inflationsschub, geldpolitischer Wende und Retessionssorgen.
  • Basis-Szenario: Massive Dämpfung der Konjunktur und deutlich stärkerer Inflationsimpuls.

Laut Lips gibt es einen Angebotsschock, einen so genannten "terms of trade Shock". "Der Handel war extrem expansiv ausgerichtet, nun droht Rezession. Ein Stück weit wird die Globalisierung rückgebaut, zu starke Abhängigkeiten werden abgebaut." Dies bedeutet, dass sich alle Unternehmer – auch die landwirtschaftlichen – auf deutlich geänderte, unsichere Rahmenbedingungen einstellen müssen, die mit einer massiven Dämpfung der Konjunktur mit deutlichen Inflations- und auch Zinssprüngen einhergehen.

Folgende Grafik verdeutlicht, wie massiv und vor allem anders der Ukrainekrieg auf die Märkte wirkt im Gegensatz zu früheren weltpolitischen Ereignissen:

Die nächste Grafik verdeutlicht, wie hoch die Importabhängigkeiten von Russland und der Ukraine waren, die Produktgruppen hat Lips eingefärbt: gelb Eisen, rosa Energie wie Kohle, Gas und grün Nahrungsmittel, Düngemittel, Agrarprodukte.

Diese Grafik zeigt allein durch die Kurve, wie enorm der Inflationsdruck seit Kriegsbeginn gestiegen ist:

Und hier sehen Sie die Bereitschaft, das Leben einzuschränken:

Tegut-Vortrag

Im Weiteren stellte Christian Kowalski, Leiter Einkauf Frischfleisch bei der tegut GmbH & Co. KG in Fulda die Veränderungen des Lebensmittel-Einzelhandels (LEH) im Wandel der Zeit dar.

Er ging insbesondere auf die Veränderungen des Kaufverhaltens in Bezug auf Bioprodukte ein, die, auch von der Corona-Pandemie befeuert, bei tegut… noch 2021 einen Anteil von rund 32 % hatten. Die steigenden Energiekosten machen sich als Teuerung über die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion. Diese führen im Lebensmittelbereich zu gegenüber der Gesamtinflation nochmals deutlich höheren Preissteigerungen.

In der Folge haben aktuell Fleisch und Fleischprodukte beim Verbraucher aus der „Muss“- in die „Genuss“-Kategorie gewechselt und es hat gleichzeitig eine deutliche Preissensibilisierung stattgefunden.

Einzelne Marktteilnehmer reagieren hier mit Preisdruck. Kowalski sieht aber, und konnte das anhand interner Zahlen belegen, größere Chancen darin, vonseiten des LEH auf Produktqualität und partnerschaftliches Miteinander mit den Produzenten zu setzen.

Er forderte sichere politische Rahmenbedingungen, damit die nötigen Investitionen für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre auch tatsächlich getätigt werden.

Diskussion mit Landwirten

Die beiden Vortragenden stellten sich anschließend der Diskussion mit Milchviehhalter Thomas Münch aus Bichishausen und Schweinehalter Siegfried Voltz aus Dettelbach, zwei Tierhaltern aus dem DLG-Netzwerk. Beide Betriebsleiter engagieren sich intensiv im Tierwohlbereich.

Der Betrieb Münch befindet sich aktuell im Tierwohl-Zertifizierungsverfahren, integriert in eine Gesamt-Nachhaltigkeit seitens der abnehmenden Molkerei und merkte an, dass die Milchviehhalter insofern im Vorteil sind, dass man jedes Mehr an Tierwohl oder Kuhkomfort häufig auch relativ schnell zu einem Mehr an Leistung führt.

Der Betrieb Voltz ist quasi mit ihrer Gründung in die ersten Tierwohlprogramme eingestiegen. Voltz kritisierte den Vertreter des LEH dafür, dass die Vertragsangebote zum einen mit Laufzeiten von drei Jahren zu kurz angelegt und außerdem für den Landwirt nicht kostendeckend sind.

Kowalski und Voltz waren sich aber darin einig, dass sowohl LEH als auch die Landwirtschaft in der Pflicht sind, gerade die Kommunikation der Wertigkeit tierischer Lebensmittel gemeinsam anzupacken. Man müsse beim Verbraucher wieder ein Grundvertrauen in die gesamte Landwirtschaft wecken.

Lips brachte zusätzlich nationale Effekte in die Diskussion ein, denn Deutsche sparen eher bei Lebensmitteln, während die Verbraucher in den europäischen Nachbarländern eher bei anderen Verbrauchsgütern wie beispielsweise beim Auto auf den Preis achten.

Zusammenfassend waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, dass die aktuellen Entwicklungen auch die Chance bieten, dass die Wertschöpfungsketten aufgrund wohlüberlegter Unternehmerentscheidungen gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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