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Millionenverlust für Ökobauern

Die Ökofranken eG konnte ihren Lieferanten für drei Erntejahre keine Poolnachzahlungen leisten. Den Bauern fehlen mehrere Millionen Euro und der Vermarkter bangt um seine Zukunft.

Lesezeit: 6 Minuten

Spätestens im November 2020 wurde dem letzten Lieferanten des „Vermarktungszusammenschlusses für ökologisch-regionalen Landbau eG" (kurz: Ökofranken eG) klar, wie es um den bäuerlich geführten Vermarkter von Bioprodukten bestellt ist. Die Genossenschaft mit Sitz im oberfränkischen Welsberg teilte damals ihren Mitgliedern per Rundschreiben mit, dass Vorstand und Aufsichtsrat die endgültigen Poolpreise für 2017 und 2018 auf die erste Abschlagszahlung festgesetzt hatten. 2017 enthalte der endgültige Preis lediglich die dritte vorläufige Nachzahlung von „10 € bzw. 5 € pro t bei Bio bzw. 40 € bei Demeterware". Auch 2019 fehlen wie 2018 die Nachzahlungen komplett.

Dass die Endpreise so spät festgelegt wurden, begründet Ökofranken-Geschäftsführer Andreas Kleist damit, dass der Pool nicht aufgelöst werden könne, solange noch Ware des entsprechenden Erntejahres da sei.

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180 € pro Tonne fehlen

Die Mitgliedsbetriebe der Ökofranken eG, die in diesen Jahren treu ihr Biogetreide an ihre Erzeugergemeinschaft geliefert hatten, traf die Mitteilung wie ein Keulenschlag. Denn die beiden Poolnachzahlungen machen in der Summe 180 € pro t Getreide aus.

Statt des angekündigten „vorläufigen Preises" für Brotweizen von 430 € pro t zahlte der bäuerliche Vermarkter demzufolge nur 250 € pro t aus, statt des vorläufigen Roggenpreises von 310 € pro t nur 130 € pro t (siehe Übersicht). Davon gehen noch die Kosten für Transport, Reinigung und Trocknung weg. Bei den meisten Getreidearten entspricht das nicht einmal mehr dem konventionellen Preisniveau.

Für etliche Mitgliedsbetriebe hat das existenzbedrohende Folgen. Lieferanten berichten gegenüber Südplus, dass sie das Preisdesaster der Ökofranken mittlere bis hohe fünfstellige Beträge koste. Bei einzelnen Betrieben soll sich der Verlust auf 100.000 € summieren.

Die Erzeugergemeinschaft kauft eigenen Angaben zufolge jedes Jahr etwa 5.000 t Biogetreide von ihren Mitgliedern ein. Wegen der fehlenden Nachzahlungen verlieren die liefernden Mitglieder in der Summe somit 900.000 € pro Jahr bzw. 2,7 Mio. € über die drei Jahre hinweg.

Besonders bitter für die Lieferanten ist, dass die Ökofranken eG bereits ausgezahlte Poolnachzahlungen für die Ernten 2017 und 2018 wieder zurückgefordert bzw. mit der Auszahlung neuer Ernten verrechnet hat.

Rückforderungen sollen Bilanzen Retten

Laut Geschäftsführer Kleist war die Poolauflösung Ende 2020 aus wirtschaftlicher Sicht für die Ökofranken unumgänglich. „Durch die Rückzahlungsforderungen ist die Bilanz 2019 ausgeglichen. Die Genossenschaft ist liquide“, bestätigt Aufsichtsrat Wilhelm Treiber. In der Summe sollen die Rückforderungen der Ökofranken eG an ihre Mitglieder mehr als 1 Mio. € betragen.

Das Problem aus Sicht der Genossenschaft: Etliche Lieferanten klagen gegen die Rückforderungen. Zudem gibt es laut Treiber mittlerweile auch Klagen von Mitgliedern, die keine Nachzahlungen erhalten haben, aber die Poolpreisabrechnungen der letzten Jahre nicht akzeptieren.

Das bedeutet: Ob die Genossenschaft weiter existieren wird, hängt jetzt auch von den Gerichten ab, die über die Klagen der Landwirte zu entscheiden haben. Gewinnen die Lieferanten, könnte die Zahlungsfähigkeit des Vermarkters schnell gefährdet sein.

Vertrauen ist Weg

Das Vertrauen vieler Lieferanten in den Pool und in die Ökofranken eG ist nach der letzten Poolauflösung ohnehin bereits weg. Der Vorwurf der Bauern: Mündliche Versprechungen von marktgerechten Preisen, die die Ökofranken eG vielen Lieferanten laut deren Aussage immer wieder gemacht haben soll, seien gebrochen worden.

Geschäftsführung und das Ehrenamt betonen zwar, dass es sich bei den vorläufigen Preisen um Schätzpreise handelt. Aber wenn der Endpreis wie bei der Futtergerste nur noch 36 % des angekündigten Erlöses entspricht, sprengt das den Rahmen. Und wenn die Abweichung nach unten drei Jahre hintereinander so krass ausfällt, sind viele Landwirte mit ihrer Geduld am Ende.

Verwunderlich ist auch, dass die Ökofranken eG ihre Preisankündigungen für die Ökogetreidearten seit 2017 nicht abgesenkt hat, obwohl auch das allgemeine Preisniveau für Ökogetreide zwischen 2017 rückläufig war. „Zum Zeitpunkt der Ankündigung, das heißt vor der Ernte, war aber die Preisentwicklung nicht absehbar“, erläutert der Ökofranken-Vorsitzende Roland Schrenker.

„Andienungspflicht nicht erfüllt"

Darin zeigt sich eines der Grundprobleme der Ökofranken eG. Der Vermarkter hatte offenbar ausreichend Kontrakte mit Verarbeitern, aber viele Mitgliedsbetriebe haben nicht ihre komplette Erntemenge bzw. gar nicht geliefert. „Von den rund 310 Mitgliedern liefern nur rund 200“, bestätigt Geschäftsführer Kleist. Davon seien nur 30 bis 40 sehr aktive Lieferanten.

Andererseits hat die Genossenschaft die Andienungspflicht ihrer Mitglieder bisher auch nicht konsequent eingefordert, wie das zum Beispiel bei der Naturland Marktgesellschaft der Fall ist (siehe Naturland).

Folge: Die Genossenschaft musste am freien Markt immer wieder Ökoware zu deutlich höheren Preisen zukaufen, um ihre Kontrakte zu erfüllen.

Schadensersatz wegen Nichtandienung?

„Dies erklärt etwa 50 % unseres Verlustes der letzten Jahre", sagt Aufsichtsrat Wilhelm Treiber. Die Ökofranken prüfe deshalb, ob sie Schadenersatz gegenüber den Betrieben geltend machen kann, die ihre Andienungspflicht nicht erfüllt haben.

„Bei einem ersten Klageverfahren gegen einen Mitgliedsbetrieb hat das Gericht zugestanden, dass es eine Andienungspflicht gibt", berichtet Vorstandsvorsitzender Roland Schrenker. Allerdings sei die Ökofranken in der Beweispflicht und müsse den konkreten Schaden durch die Nichtandienung nachweisen.

Da dies schwierig ist, gibt es in den Führungsgremien der Ökofranken derzeit Überlegungen, künftig einen pauschalen Ausgleichsbetrag pro Hektar von den Mitgliedsbetrieben einzufordern, die ihrer Andienungspflicht nicht nachkommen. Allerdings müsste darüber die Mitgliederversammlung entscheiden.

Mitglieder fordern Aufklärung

Unabhängig davon vermissen viele Lieferanten eine nachvollziehbare Erklärung, wie die Millionenverluste in den letzten Jahren zustande kamen und wer diese letztlich zu verantworten hat. „Bisher ist die Führung der Ökofranken den Mitgliedern diese Antwort schuldig geblieben, auch auf der Informationsveranstaltung Anfang Juli“, empört sich ein Mitglied gegenüber Südplus.

Geschäftsführer Kleist begründet die Verluste neben der mangelhaften Andienungsbereitschaft der Mitglieder damit, dass ein Abnehmer für Roggen seine Zusagen nicht eingehalten habe und dass die Marktpreise für Ökogetreide zurückgegangen seien.

Doch das reicht den Mitgliedern, die jetzt Zehntausende von Euro verloren haben, als Erklärung nicht. Sie fragen vielmehr, welche Managementfehler gemacht wurden und ob auch Unregelmäßigkeiten zu den Millionenverlusten beigetragen haben.

Um dem nachzugehen, hat die Genossenschaft eine Taskforce aus fünf Mitgliedern eingerichtet. „Die Bilanzen von 2017 bis 2019 sind vom genossenschaftlichen Prüfungsverband testiert, dadurch ist die Vorgehensweise von Vorstand und Aufsichtsrat gedeckt", so Aufsichtsrat und Taskforce-Leiter Wilhelm Treiber. „Aber wir nehmen die Testate noch einmal genau unter die Lupe."

Die Bilanz 2020 wird gerade vom Genossenschaftsverband geprüft. Die Poolendpreise für die Ernte 2020 standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest, sollen aber noch in diesem Herbst beschlossen werden.

Wie geht es weiter?

Während die Mitgliedsbetriebe auf Antworten warten, steht die Führungsmannschaft der Ökofranken vor der Aufgabe, wie sie für die Ernte 2021 die Verträge mit ihren Abnehmern erfüllen kann. „Wir müssen sicherstellen, dass wir ausreichend Ware bekommen und vernünftige Preise bezahlen können", sagt Treiber, der seinen Lieferverpflichtungen nachkommen wird. Gleichzeitig wird er auf marktgerechte Preise und die rigorose Durchsetzung der Satzung bestehen.

„Wir fragen zurzeit bei unseren Mitgliedern ab, wer weiter an uns liefern will und in welcher Form die Abrechnung erfolgen soll", erläutert Roland Schrenker. Die Rückmeldungen stimmen ihn zuversichtlich. Die bisherigen Zusagen decken die laufenden Lieferverpflichtungen.

Mittelfristig wolle die Erzeugergemeinschaft ihren Mitgliedern auch andere Abrechnungssysteme als den Poolpreis anbieten, sagt Schrenker. „Zurzeit brauchen wir das Poolpreissystem aber noch."

Dieser Artikel erschien in der Augustausgabe von top agrar-Südplus.Jetzt testen.

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