Getreidevermarktung

Millionenverlust für Ökobauern

Die Ökofranken eG konnte ihren Lieferanten für drei Erntejahre keine Poolnachzahlungen leisten. Den Bauern fehlen mehrere Millionen Euro und der Vermarkter bangt um seine Zukunft.

Spätestens im November 2020 wurde dem letzten Lieferanten des „Vermarktungszusammenschlusses für ökologisch-regionalen Landbau eG" (kurz: Ökofranken eG) klar, wie es um den bäuerlich geführten Vermarkter von Bioprodukten bestellt ist. Die Genossenschaft mit Sitz im oberfränkischen Welsberg teilte damals ihren Mitgliedern per Rundschreiben mit, dass Vorstand und Aufsichtsrat die endgültigen Poolpreise für 2017 und 2018 auf die erste Abschlagszahlung festgesetzt hatten. 2017 enthalte der endgültige Preis lediglich die dritte vorläufige Nachzahlung von „10 € bzw. 5 € pro t bei Bio bzw. 40 € bei Demeterware". Auch 2019 fehlen wie 2018 die Nachzahlungen komplett.

Dass die Endpreise so spät festgelegt wurden, begründet Ökofranken-Geschäftsführer Andreas Kleist damit, dass der Pool nicht aufgelöst werden könne, solange noch Ware des entsprechenden Erntejahres da sei.

180 € pro Tonne fehlen

Die Mitgliedsbetriebe der Ökofranken eG, die in diesen Jahren treu ihr Biogetreide an ihre Erzeugergemeinschaft geliefert hatten, traf die Mitteilung wie ein Keulenschlag. Denn die beiden Poolnachzahlungen machen in der Summe 180 € pro t Getreide aus.

Statt des angekündigten „vorläufigen Preises" für Brotweizen von 430 € pro t zahlte der bäuerliche Vermarkter demzufolge nur 250 € pro t aus, statt des vorläufigen Roggenpreises von 310 € pro t nur 130 € pro t (siehe Übersicht). Davon gehen noch die Kosten für Transport, Reinigung und Trocknung weg. Bei den meisten Getreidearten entspricht das nicht einmal mehr dem konventionellen Preisniveau.

Für etliche Mitgliedsbetriebe hat das existenzbedrohende Folgen. Lieferanten berichten gegenüber Südplus, dass sie das Preisdesaster der Ökofranken mittlere bis hohe fünfstellige Beträge koste. Bei einzelnen Betrieben soll sich der Verlust auf 100.000 € summieren.

Die Erzeugergemeinschaft kauft eigenen Angaben zufolge jedes Jahr etwa 5.000 t Biogetreide von ihren Mitgliedern ein. Wegen der fehlenden Nachzahlungen verlieren die liefernden Mitglieder in der Summe somit 900.000 € pro Jahr bzw. 2,7 Mio. € über die drei Jahre hinweg.

Besonders bitter für die Lieferanten ist, dass die Ökofranken eG bereits ausgezahlte Poolnachzahlungen für die Ernten 2017 und 2018 wieder zurückgefordert bzw. mit der Auszahlung neuer Ernten verrechnet hat.

Rückforderungen sollen Bilanzen Retten

Laut Geschäftsführer Kleist war die Poolauflösung Ende 2020 aus wirtschaftlicher Sicht für die Ökofranken unumgänglich. „Durch die Rückzahlungsforderungen ist die Bilanz 2019...


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