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Produktions-Stopps: Geht das Preisroulette beim Dünger weiter?

Stickstoffdünger sind weiterhin rekordverdächtig teuer und knapp. Niemand kann absehen, wie lange Erdgas knapp bleibt und wie sich die Preise für Harnstoff, KAS und Co. entwickeln.

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor: Jan Peters, agrarfax.de

Nach extremen Ereignissen folgt oft eine Beruhigung. Anders beim Dünger: Nach den drastischen Verteuerungen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zogen die Preise für Stickstoffdünger Mitte September erneut deutlich an, und Landwirte sahen sich plötzlich mit Rekordforderungen von zeitweise z. B. mehr als 1.000 €/t Harnstoff, Liefer­ausfällen, Kontraktstornierungen und zahlreichen stillgelegten Düngerwerken konfrontiert.

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Immerhin scheint nun seit Anfang Oktober auf dem Düngermarkt eine Phase der zeitweisen Beruhigung angebrochen zu sein.

Preise schwanken kräftig

Zuletzt schwankten die Kurse für die wichtigsten Stickstoff-Dünger stark und gaben zeitweise sogar nach:

  • Während Kalkammonsalpeter (KAS) Mitte September um 871 €/t frei Hof und 882 €/t ab Lager kostete, lagen die Preise Anfang Oktober „nur“ noch bei 832 €/t frei Hof und 843 €/t ab Lager.
  • Für stabilisierten Harnstoff mussten zuletzt ab Lager um 942 €/t und frei Hof 931 €/t bezahlt werden, das waren fast 100 €/t weniger als einen Monat zuvor.
  • Gesunken sind auch die Kurse für Diammonphosphat (DAP). Kostete DAP Mitte September noch 988 €/t frei Hof und 999 €/t ab Lager, mussten Landwirte zuletzt noch 929 €/t frei Hof bzw. 940 €/t ab Lager bezahlen.

Insgesamt sehen Beobachter beim Dünger nach den überhitzten Preisen jetzt eine Konsolidierungsphase.

Gaskrise färbt auf Dünger ab

Die Erdgasversorgung der EU und Deutschland ist essenziell für die Produktion von Harnstoff, KAS und AHL und ist nicht erst seit dem Anschlag auf die Nordstream-Pipelines angespannt. Die Lieferungen aus Russland sind seit dem Kriegsbeginn extrem unsicher geworden und zuletzt komplett versiegt.

Folge: Die Preise für das knappe Gut ziehen immer wieder an. Zudem sind sie in Europa aus unterschiedlichen Gründen deutlich höher als in anderen Ländern. Das hat bei uns und in ganz Europa mittlerweile zu Stilllegungen oder Reduzierungen von Produktionskapazitäten geführt.

Immerhin: Zuletzt waren die Erdgaskurse wieder rückläufig. Das machte sich auch bei den Düngerpreisen bemerkbar. Zudem kündigten einige Werke an, die Stilllegungen zu beenden – andere warnten vor weiter zu hohen Gaspreisen, die die Produktion in der EU unrentabel machten.

Und noch etwas stützt die Düngerpreise: Der steigende weltweite Getreideverbrauch und festere Getreidepreise haben international die Düngernachfrage belebt. Inzwischen ist sie global gesehen höher als die Produktion.

Warenströme verschoben

Notgedrungen hoffen viele Landwirte nun auf die Importe von fertigem Dünger wie AHL oder Harnstoff aus Nordafrika sowie Ammoniak als Rohstoff. Tatsächlich sind außerhalb Europas Produktionsstätten in den vergangenen Jahren neu gebaut oder erweitert worden, um den steigenden Bedarf anderer Abnehmer besser bedienen zu können.

Ein großer Teil des in Deutschland benötigten Stickstoffdüngers wird importiert. Ausländische Produzenten liefern gern nach Deutschland und in die EU: Eine gute Zahlungsmoral und der Euro sind Gründe für den bevorzugten Handel.

Damit ist klar: Dünger wird es in Deutschland und der EU auch zukünftig geben. Darüber sind sich Marktkenner einig. „Das Angebot ist da. Man kann jeden Tag Dünger kaufen“, so ein Marktteilnehmer. Nur: Die Menge, Herkunft, Qualität, Zeitpunkt der Lieferung und vor allem der Preis bleiben in diesen Zeiten unsicher.

Die Verschiebung Richtung Importwaren sorgt allerdings zusätzlich für logistische Herausforderungen: Hafenstandorte wie Antwerpen, Gent, Emden, Hamburg, Lübeck oder Rostock sind bei Schiffsankünften naturgemäß im Vorteil. Standorte fernab der Häfen kämpfen dagegen zeitweise mit Logistikproblemen. So führten niedrige Wasserstände in den deutschen Flüssen bis Mitte September zu Verzögerungen und Verteuerungen beim Transport, was den Düngerpreis zusätzlich erhöhte.

Vorkaufen oder abwarten?

In der aktuell angespannten Lage mit immer wieder anziehenden Kursen ist das Geschäft mit der Landwirtschaft eher zäh. Auch zeitweise günstigere Angebote werden nur verhalten genutzt. Dennoch sind immer wieder besondere Angebote der Industrie am Markt.

Über die Eindeckung der Landwirtschaft für die kommende Düngersaison gibt es unterschiedliche Meinungen. Mindestens 25 % des Bedarfs haben aber offenbar viele Betriebe bereits gedeckt. Andere Markteilnehmer gehen auch von einem eher höheren Anteil von 40 bis 45 % aus.

Häufig haben Betriebsleiter den Verkauf ihrer guten Getreideernte zu hohen Preisen in diesem Jahr mit dem Einkauf von Düngemitteln gekoppelt. Das war aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung. Auch für die anstehenden Düngereinkäufe empfehlen Marktkenner diese Strategie.

Für die Deckung des Bedarfs von Dünger gilt das gleiche wie für den Verkauf von Getreide: Teilmengen kaufen, um letztendlich einen guten Durchschnittspreis zu erzielen und das Risiko bei Menge und Preis splitten. Wer nach der Ernte ein Viertel seines Bedarfs gedeckt hatte, sollte sich spätestens im vierten Quartal wieder mit dieser Thematik beschäftigen.

Fest steht aber auch, dass nicht jeder den Dünger bekommen kann, den er bevorzugt. Kompromissbereitschaft und Flexibilität zu Herkünften und Mengen sind gefragt. Langfristiges Einkaufen ist zudem zu empfehlen. „Just in time“ ist Ware nur sehr schwer zu bekommen.

Jan Peters Tipp: Streuen Sie das Risiko!

Die Preisentwicklung für N-Dünger bleibt sehr unvorhersehbar. Die künftige Preisentwicklung wagt kaum ein Marktkenner vorherzusagen. Die Unwäg­barkeiten sind einfach zu hoch.

Dünger steht weiterhin weltweit zur Verfügung. Das Angebot ist aufgrund der unsicheren Gaslieferungen aus Russland und der gestiegenen ­Logistikkosten allerdings unberechenbarer geworden. Nicht immer ist ein gewünschtes Produkt zu bekommen. ­Flexibilität ist gefragt.

Die erste N-Gabe der kommenden Saison sollten Sie jetzt eingekauft ­haben. Koppeln Sie den Düngereinkauf mit dem Verkauf von Getreide. Und splitten sie den Einkauf in mehrere Teilmengen auf. So streuen Sie das Preisrisiko und erzielen eventuell einen niedrigeren Durchschnittspreis.

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