Erntebilanz 2021

Rukwied spricht von einer enttäuschenden Ernte

Bauernpräsident Rukwied drückt bei seiner Erntebilanz die Enttäuschung vieler Landwirte mit den diesjährigen Erträgen aus. Die höheren Getreide- und Rapspreise könnten das nicht wett machen.

Die Getreide- und Rapsernte fällt deutschlandweit in diesem Jahr nur unterdurchschnittlich aus. Das bestätigte der Deutsche Bauernverband (DBV) am Freitag bei seiner Erntepressekonferenz in Berlin. Danach rechnet der DBV mit einer Getreideernte von 42,4 Mio. t. Das sind 2 % weniger als im Vorjahr und knapp 5 % weniger als im Mittel der Jahre 2015 bis 2020 (44,2 Mio. t).

Schwieriges Erntewetter und zu wenig Sonne zur Kornfüllung

Die noch zu Beginn der Erntesaison im Juni optimistischen Annahmen sind nicht eingetroffen. „Wenn man mit hohen Erwartungen in die Ernte geht, dann ist die Enttäuschung groß“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied in Berlin. Die Gründe für den Einbruch der Ernteergebnisse liegen bei den wechselhaften und nassen Wetterbedingungen während der Haupterntezeit. Hinzu kommt, dass die Getreidekulturen und der Raps zur Kornfüllungszeit von Ende Mai bis Mitte Juni zu wenig Sonne hatten.

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Noch ist die Getreideernte mancherorts gar nicht abgeschlossen. „Die letzten Bauern kämpfen noch mit der unbeständigen Witterung“, sagte Rukwied. Die ständigen Drusch- und Regenpausen hätten zudem die Qualitäten, etwa die Fallzahlen, in Mitleidenschaft gezogen.

Kosten fressen höhere Preise auf

Die unterdurchschnittlichen Ernteergebnisse treffen allerdings auf eine gute Marktlage mit ordentlichen Getreide- und Rapspreisen. „Die Preise kannten in den letzten Wochen nur eine Tendenz, die nach oben“, sagte Rukwied. Der Brotweizen liege Ende August bei 219 €/t im Vergleich zu 160 €/t im Vorjahr. Der Preis für die Futtergerste kletterte auf 193 €/t im Gegensatz zu nur 142 €/t im Vorjahr. Für Braugerste lägen die Erzeugerpreise aktuell bei 240 €/t (2020: 162 €/t). Beim Raps falle die Steigerung mit rund 50 % noch höher aus, inzwischen erlöse die Tonne 543 € und damit fast 200 € mehr als vor 12 Monaten. Das könne auf vielen Betrieben die Einbußen bei der Menge aber nicht wett machen. „Wir können als Landwirte nur teilweise von diesen höheren Preisen profitieren“, sagte Rukwied. Grund seien hohe Energie- und Betriebsmittelkosten, die die höheren Preise „auffressen“. Zudem hätten Landwirte Teile ihrer Ernte zu niedrigeren Konditionen im letzten Herbst und Frühling vorkontrahiert.

Rukwied wies zudem auf einen teilweise hohen Infektionsdruck bei Pilzkrankheiten in den Kulturen dieses Jahr hin. „Ohne Pflanzenschutzmittel hätten wir in diesem Jahr einen Totalausfall gehabt in manchen Kulturen“, sagte er.

Gute Aussichten für Mais, Zuckerrüben, Gemüse und Grünland

Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Gemüse haben hingegen von den Sommerniederschlägen profitiert und stehen im Moment gut da. Auch der Grünlandaufwuchs ist in diesem Jahr gut, resümiert der DBV. „Wir hoffen auf besseres Wetter für die anstehenden Herbstarbeiten“, sagte Rukwied. Derzeit seien viele Felder nur schlecht befahrbar.

Eine unterdruchschnittliche Ernte hatte diese Woche auch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gemeldet. Es hatte für 2021 eine Getreideerntemenge von 42,1 Mio. t festgestellt und damit die Zahl des DBV noch unterschritten. Für Raps hatte das BMEL mit 3,5 Mio. t in etwa das Vorjahresniveau angegeben und liegt damit leicht höher als der DBV. Bundeslandwirtschaftsministern Julia Klöckner hatte im Rahmen der Erntebilanz die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft heraus gestellt und ihre Ackerbaustrategie mit Anpassungsstrategien vorgelegt.

Für die Kulturen legt der DBV folgende Bilanz vor:

  • An Winterweizen wurde im Bundesdurchschnitt ein Ertrag von 7,3 t/ha erzielt, womit der Vorjahresertrag in Höhe von 7,8 t/ha unterboten wird. Auf Basis der aktualisierten Anbaufläche ergibt sich eine Erntemenge von 21,1 Mio. t (Vorjahr: 21,7 Mio. t).
  • Der Ertrag von Wintergerste liegt im Bundesdurchschnitt bei 7,3 t/ha (Vorjahr: 6,7 t/ha). Damit schneidet sie auch besser ab als im 5-jährigen Mittel (6,8 t/ha). In Summe wurden damit 2021 ca. 9,1 Mio. t geerntet, was einer Steigerung von 3,7 % entspricht.
  • Bei Winterroggen entspricht die Erntemenge von rund 3,5 Mio.t in etwa der des Vorjahres. Der Ertrag von knapp 5,7 t/ha liegt mit 2,8 % etwas oberhalb des mehrjährigen Durchschnitts von 5,1 t/ha.
  • Der Rückgang der Fläche des Sommerweizens fällt mit knapp 30 % sehr drastisch aus. Da auch der Ertrag mit 5,1 t/ha geringer ausfiel, beträgt die voraussichtliche Erntemenge nur noch 156.000 Tonnen und damit ganze 34,2 % weniger als im Vorjahr.
  • Nicht so stark, aber doch deutlich, reduzierten die Bauern den Anbau der Sommergerste. Die Erträge erreichen im Bundesmittel zwar wie in der letztjährigen Ernte rund 5,4 t/ha, durch den geringeren Anbauumfang liegt die Erntemenge aber nur bei 1,9 Mio. t (Vorjahr: 1,8 Mio. t).
  • Die Rapsernte fällt mit knapp 3,4 Mio. t etwas niedriger aus als im Vorjahr (3,5 Mio. t) und bleibt deutlich hinter dem mehrjährigen Durchschnitt von 4,1 Mio. t zurück. Die Rapserträge liegen mit 3,3 t/ha leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 in Höhe von 3,4 t/ha. Dabei lag die Rapsfläche dieses Jahr bei 999.500 Hektar, was einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von knapp 5 % entspricht. Das Fünf-Jahresmittel von 1,2 Mio. Hektar wird aber verfehlt. Der DBV erwartet allerdings wegen der guten Preise wieder eine weitere Steigerung der Raps-Anbaufläche.


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