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Schlachtgeflügel: Hähnchen geht fast immer

Hohe Kosten sowie die Aviäre Influenza belasten die Geflügelmäster. Die Nachfrage, vor allem nach Hähnchen, ist aber stetig bis rege. Läuft Geflügel Schwein und Rind den Rang ab?

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Mathias Klahsen, LWK Niedersachsen, Oldenburg

Viele Geflügelmäster fragen sich, wie es mit ihren Betrieben weitergeht. Die Produktionskosten sind – nicht zuletzt als Folge des Angriffs Russlands auf die Ukraine und der extrem gestiegenen Kosten für Futter und Energie (Näheres dazu später) – kräftig gestiegen. Und insgesamt gesehen befindet sich die deutsche Erzeugung von Geflügelfleisch etwas im Sinkflug.

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Die Produktion von Hähnchen, Gänsen, Puten usw. sank im Jahr 2021 gegenüber 2020 um 2,4 % auf unter 1,8 Mio. t Fleisch. Der Selbstversorgungsgrad sank um 0,6 Prozentpunkte auf unter 97 %. Gleichzeitig ging allerdings auch der inländische Konsum zurück. Im Jahr 2021 wurden bei uns ca. 21,9 kg Geflügelfleisch pro Kopf verbraucht. Das waren 0,4 kg weniger als ein Jahr zuvor.

Pute erneut im Minus

Es gab bzw. gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Geflügelarten:

  • „Pute“ befindet sich beispielsweise immer noch im Sinkflug. 2021 wurden mit 5,3 kg rund 0,5 kg weniger Putenfleisch verbraucht als im Vorjahr.
  • Der Pro-Kopf-Verbrauch von Entenfleisch war mit 0,7 kg stabil. Allerdings sank der Selbstversorgungsgrad wegen einer rückläufigen Produktion deutlich um fast 8 % auf unter 44 %.
  • Im Jahr 2021 wurden je Bundesbürger unverändert 0,3 kg Gänsefleisch verbraucht. Der Selbstversorgungsgrad ging auf 17,7 % zurück. Im Jahr 2020 waren es noch gut 19 %.
  • Hähnchen- bzw. Hühnerfleisch legte hingegen in der Beliebtheit zu. Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr 15,6 kg verbraucht (siehe Übers.). Das war ein Plus von 0,1 kg. Der Selbstversorgungsgrad sank auf rund 106 %, gegenüber dem Spitzenjahr 2014 also um rund 26 Prozentpunkte. Und Beobachter bezweifeln, dass der Boden erreicht ist.

Stark gestiegene Kosten

Viele Mäster schauen z. B. mit Sorgen auf die Entwicklung ihrer Produktionskosten. Rund zwei Drittel der Direktkosten werden durch das Futter verursacht. Geflügelhalter werden damit von den historisch hohen Futtermittelpreisen besonders stark getroffen. Aktuell kostet Endmastfutter in Weser-Ems im Durchschnitt etwa 48,50 €/dt. Vor einem Jahr waren es 40,50 €/dt und vor zwei Jahren sogar „nur“ 33,10 €/dt.

Seit Herbst 2021 ist zudem eine Kostensteigerung für Energie zu beobachten. Und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat diese Aufwendungen dann regelrecht explodieren lassen. Vielen Geflügelhaltern wurden die bisherigen Vertragskonditionen durch die Energieversorger nicht verlängert, und somit blieb oder bleibt ihnen häufig nur der Weg in die Grund- bzw. Ersatzversorgung. Der Energiebedarf der Hähnchenmast beträgt ca. 1,5 kWh pro Platz und Jahr. Gemessen an der durchschnittlich gehaltenen Tierzahl kommen dadurch pro Stall erhebliche Kosten für Strom zusammen. Vom Gasverbrauch ganz zu schweigen.

Die Erlöse für Schlachthähnchen und -puten sind ebenfalls gestiegen:

  • Der Preis für Hähnchen bis 2 kg LG liegt im bisherigen Schnitt des Jahres 2022 bei 1,22 €/kg. Das liegt 33 ct/kg über dem Niveau von 2021. Vermutlich wird der Abstand aber auch noch größer, denn aktuell liegt der mittlere Auszahlungspreis bei rund 1,36 €/kg.
  • Am Putenmarkt ist ein Anstieg von 1,29 €/kg im Jahr 2021 auf 1,60 €/kg im Jahr 2022 für Hähne mit 19 kg zu beobachten. Hier liegt der aktuelle Auszahlungspreis bei etwa 1,87 €/kg.
  • Prozentual gesehen sind die Erzeugerpreise für Schlachthähnchen also um 37 % und die für Schlachtputen um ca. 24 % gestiegen. Da auch in anderen Regionen der Welt höhere Preise ausgelobt werden als zuvor, erwarten Beobachter wachsende Produktionsmengen.

Brasilen und China legen zu

Das Landwirtschaftsministerium der USA (USDA) erwartet im kommenden Jahr einen Ausbau der Hühner-/Hähnchenproduktion auf knapp 103 Mio. t. Allerdings ändert sich die Reihenfolge der größten Akteure. Die  USA  bleiben mit großem Vorsprung auf Platz 1, aber Brasilien  verdrängt mit einem Produktionsplus von 3 % China vom zweiten Platz. Die zusätzlichen Mengen Brasiliens werden teils für den wachsenden heimischen Markt benötigt, aber auch die Exporte dürften zunehmen.

Brasilien profitiert von den Problemen der Wettbewerber. Ausbrüche der Aviären Influenza in den USA und Europa, steigende Mastkosten in der EU und kriegsbedingte Produktionsunterbrechungen in der Ukraine schwächen die Konkurrenz. Da Hähnchenfleisch eine nach wie vor preiswerte Proteinquelle darstellt, wird zudem auch wegen inflationärer Kaufkraftverluste eine verstärkte weltweite Nachfrage nach Hähnchenfleisch erwartet. Das USDA erhöhte jüngst seine Exportprognose für Brasilien um 4 % auf 4,8 Mio. t im Jahr 2023. Der gesamte weltweite Export soll auf 14,1 Mio. t steigen, also ebenfalls um 4 % gegenüber 2022.

Der weltweite Hauptimporteur bleibt voraussichtlich auch 2023 Japan mit einem Volumen vom 1,12 Mio. t. China als Land mit dem global gesehen größten Verbrauch wird seine Importe im kommenden Jahr auch wieder steigern, nachdem 2022 ein Lieferembargo gegenüber der USA aufgrund der Aviären Influenza die Einfuhren gedeckelt hat.

Für Deutschland sind Drittlandimporte von Geflügelfleisch eher unbedeutend. Brasilien konnte die Verkäufe an uns zwar steigern, aber mit einem Anteil von 2 % an den Gesamtimporten spielt brasilianisches Geflügel bei uns keine große Rolle. Der Löwenanteil der deutschen Einfuhren stammt aus EU-Ländern. Unsere Hauptlieferanten im Jahr 2021 waren die Niederlande mit einem Anteil von 29 %, Polen mit 28 % und Frankreich mit 9 %.

Ob es dabei bleibt, muss sich aber noch zeigen. Beobachter bezweifeln es. Denn sie erwarten umfangreichere EU-Importe von Hähnchen aus der Ukraine. Hintergrund ist die Entscheidung Brüssels vom Mai 2022, die Importquote für Hähnchen aus der Ukraine für ein Jahr aufzuheben, um die dortige Landwirtschaft zu unterstützen. EU-weit ist die Ukraine damit zum drittgrößten Lieferanten aufgestiegen.

Konventionell profitiert

Verschiebungen erwarten Analysten auch an den Märkten für Biogeflügel. Wie auch bei anderen Agrarerzeugnissen stockt inflationsbedingt der Absatz von hochpreisiger Bioware. Davon ist auch der Bio-Geflügelmarkt betroffen. Anbieter haben mit Absatzproblemen zu kämpfen. Das geht so weit, dass die Aufzucht gedrosselt wird und erhebliche Mengen an Fleisch vorerst eingefroren werden. Etliche Mäster ziehen die Bremse auch an, weil die Futtermittelpreise und somit die Produktionskosten hoch bleiben werden, da die Ukraine kaum Biogetreide liefern dürfte.

Deutsche Verbraucher greifen wieder mehr zum billigeren Sortiment.

Fakt ist: Wegen der hohen Inflation und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust der Konsumenten ist vorerst nicht wieder mit einer Belebung der Nachfrage nach Biogeflügel zu rechnen. Das konventionelle und zumeist etwas günstigere Geflügelsortiment, vor allem Hähnchen, dürfte hingegen in puncto Absatz von der aktuellen Situation profitieren.

Da Hähnchen im Vergleich zu anderen Fleischarten zudem eine preiswerte und ohnehin recht beliebte Proteinquelle darstellen, wird sich die Nachfrage voraussichtlich auch aus diesem Grund in dieses Segment verschieben. Die Chancen für attraktive Erzeugerpreise sind also nicht schlecht.

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