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Wer übernimmt Vion Deutschland?

Vion sucht Käufer für die 11 deutschen Standorte. Die Gerüchteküche brodelt, viele Namen werden genannt. Doch welche Unternehmen kommen wirklich in Frage?

Lesezeit: 5 Minuten

Seit bekannt ist, dass Vion sein gesamtes Deutschlandgeschäft verkaufen will, um sich stärker auf Benelux zu konzentrieren, spekuliert die Branche über mögliche Käufer. Von Vion ist nur zu hören, dass es kein Rosinenpicken geben soll. Stattdessen soll es eher um Pakete gehen, d.h. es gehören immer mehrere Standorte zusammen. Das könnte Käufer abschrecken. Wir haben einen Blick auf die möglichen Kandidaten geworfen.

Tönnies-Gruppe

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Immer wieder fällt der Name Tönnies. Das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück hatte sich bereits bei den letzten Vion-Verkäufen Anfang des Jahres große Teile gesichert: Neben dem Rinderschlachthof Altenburg ging auch der Schinkenhersteller Ahlener Fleischhandel an die Tönnies-Gruppe.

Im Süden der Republik ist Tönnies noch nicht so dominant. Bisher betreibt er nur einen Rinderschlachthof in Kempten, den er 2011 übernommen hat. Vor allem im Rindermarkt könnte er sich weitere Marktanteile sichern. Aber auch die Schweineschlachthöfe sind für den größten deutschen Schlachtunternehmer interessant, zumal Tönnies in Bamberg bereits im Lohn schlachten ließ. Dieser Betrieb hat allerdings mittlerweile geschlossen.

Finanziell könnte sich Tönnies weitere Zukäufe wohl leisten, meinen Branchenkenner. Größtes Hindernis dürfte das Kartellamt sein, das weitere Zukäufe vor allem im Schweinebereich kritisch sehen dürfte. Immerhin hat Tönnies in Deutschland einen Marktanteil von rund 32 %. Bei Rind liegt der Anteil „nur“ bei 12 %.

Müller Fleisch

Auch das Unternehmen Müller Fleisch wird als Übernahmekandidat gehandelt. Zwar hat das Unternehmen bereits zwei Standorte in Bayern:

·       In Bayreuth werden Rinder und Schweine geschlachtet und zerlegt.

·       In Ingolstadt schlachtet Müller nicht, sondern zerlegt Rinder und Schweine.

Beide Standorte liegen nördlich von München. Denkbar ist, dass ein neuer Standort im Osten oder Süden gut ins Portfolio passen würde. Dafür spricht auch, dass Müller Fleisch sehr stark auf Regionalität setzt und dort erfolgreich Regionalprogramme mit dem Lebensmitteleinzelhandel betreibt.

Strategisch könnte es also Sinn machen, die Machbarkeit ist jedoch offen. Einige Marktbeobachter bezweifeln, dass eine so große Investition für den Mittelständler zu stemmen wäre.

Bigard

Der französische Fleischkonzern Bigard ist mit einem Jahresumsatz von ca. 5,5 Mrd. € der größte Rindfleischverarbeiter in Europa. Das Unternehmen betreibt 54 Standorte in Frankreich, darunter 30 Schlachthöfe. 

Bigard hat in den letzten Jahren mehrfach Fleischverarbeiter übernommen, ist aber bisher nur in Frankreich aktiv. Dem Vernehmen nach hat eine Delegation bereits den Rinderschlachthof in Waldkraiburg besichtigt.

OSI Group

Im Gespräch ist auch der Global Player OSI Group, der vor allem als Lieferant der Burger-Patties für McDonalds bekannt ist. Das amerikanische Unternehmen ist in 17 Ländern aktiv und beliefert zahlreiche Kunden in der Lebensmittelindustrie, darunter Fast-Food-Ketten, Einzelhändler und Foodservice-Anbieter.

In Deutschland hat OSI bereits mehrere Standorte, unter anderem in Günzburg, ca. 100 km von Crailsheim entfernt. Bisher ist OSI in Deutschland ein reiner Fleischverarbeiter und nicht in der Schlachtung tätig. In anderen Ländern wie Österreich oder Polen schlachtet der Konzern aber auch.

Für ein stärkeres Engagement auch in der deutschen Schlachtstufe spricht allerdings, dass wichtige Kunden wie McDonald's inzwischen auf die Initiative Tierwohl (ITW) setzen und den Rohstoff stärker regional beziehen wollen. So hat sich McDonald’s Deutschland gemeinsam mit seinen Lieferanten das Ziel gesetzt, bis 2027 im Modul Tierhaltung sogar auf die Haltungsform 3 als neuen Standard umzustellen.

Zuletzt hieß es, der US-Konzern habe sich bereits aus dem Kreis der Interessenten verabschiedet. Doch Branchenkenner warnen vor voreiligen Schlüssen. „Mit OSI muss man immer rechnen“, sagt ein Erzeugervertreter. 

Attenberger-Fleisch

Auch die Attenberger Fleisch GmbH & Co. KG aus München ist als Käufer im Gespräch. Das Unternehmen schlachtete im Jahr 2022 rund 140.000 Rinder und verarbeitet wöchentlich rund 1.000 Tonnen mitten in München. Das Gelände des Münchner Schlachthofs ist begehrt und der Druck auf die Pächter wächst. Der Pachtvertrag mit der Stadt München läuft zwar noch bis 2040, aber mit zusätzlichen Auflagen zur Geruchsbeseitigung oder Zwangsgeldern wegen Abwasserproblemen wurde bereits Mitte 2023 das Ende der Schweineschlachtung „erzwungen“.

Interessanterweise übernahm damals der Vion-Schlachthof in Landshut die Lohnschlachtung für die zuvor in München angelieferten Schweine. Ob die Familie Attenberger vor diesem Hintergrund bereit ist, einen ganz neuen Standort zu betreiben - egal ob Schwein oder Rind – ist offen.

ABP Food Group

Ein weiterer Kandidat soll der irische Schlachthofriese ABP Food Group sein. Das Unternehmen mit Sitz im irischen Ardee ist bereits in Polen und Großbritannien aktiv. Insgesamt soll das Unternehmen rund 1 Mio. Rinder verarbeiten und einen Umsatz von über 4 Mrd. haben. Finanziell wäre eine Übernahme also durchaus machbar, das würde sich dann aber wohl auf die Rinderschlachtbetriebe  beschränken. 

EG Südbayern

Die Erzeugergemeinschaft Südbayern (EG Südbayern) ist im Rennen um zwei Vion-Schweineschlachtbetriebe. Die EG Südbayern hat über 10.000 bäuerliche Mitglieder und ist mit jeweils 49 % an den Vion-Schweineschlachthöfen in Vilshofen und Landshut beteiligt. Die EG hat sogar ein Vorkaufsrecht und wäre an einem Weiterbetrieb stark interessiert. Auf Nachfrage von top agrar bestätigt der EG-Vorstandsvorsitzender Erwin Hochecker die Übernahmeabsichten. „Wir verhandeln derzeit mit Vion darüber, die Schweineschlachtstätten in Landshut und Vilshofen komplett zu übernehmen.“

In den beiden Schlachthöfen Landshut und Vilshofen, an denen die EG Südbayern beteiligt ist, werden derzeit insgesamt nur 30.000 Schweine geschlachtet. Bei Vollauslastung könnten 40.000 Schweine geschlachtet werden.

Laut Hochecker führt die EG Südbayern auch Gespräche über den Rinderschlachthof Waldkraiburg, zu dem sie sehr enge Lieferbeziehungen pflege, seit der Schlachthof Pfarrkirchen im Rahmen einer Strukturbereinigung vom Netz genommen wurde.

Marcher Fleischwerke

Das österreichische Familienunternehmen Marcher Fleischwerke ist die Nummer 2 in unserem Nachbarland. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an zehn Standorten in Österreich und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz von rund 653 Mio. €. Marcher verarbeitet jährlich 160.000 Rinder und 1.000.000 Schweine.

Bisher betreibt das Unternehmen ausschließlich Anlagen in Österreich. Eine Investition in Deutschland würde daher einen Strategiewechsel bedeuten. Andererseits sind die Strukturen und Anforderungen in Bayern durchaus mit denen in Österreich vergleichbar. 

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