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Bamberg schließt kommunalen Schlachthof

Der Bamberger Stadtrat stimmte am Mittwochabend für die Schließung seines kommunalen Schlachthofes. Im westlichen Oberfranken fällt damit der dritte Schlachtbetrieb innerhalb von elf Jahren weg.

Lesezeit: 3 Minuten

Allen Bekundungen der Politik zum Trotz geht das Schlachthofsterben in Bayern weiter. Der Bamberger Stadtrat beschloss am Mittwochabend mit 31 zu 14 Stimmen, den 120 alten kommunalen Betrieb zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens zum 30. Juni 2024, einzustellen. Bis vor Kurzem wurden in Bamberg pro Woche noch 800 bis 1.200 Rinder und 6.000 Schweine geschlachtet, vor allem für die regionale Vermarktung mit dem Qualitätssiegel „Geprüfte Qualität Bayern“ (GQB). Neben Großkunden wie Vion, Almrind und Tönnies ließen auch viele Direktvermarkter aus der Region ihre Tiere in Bamberg schlachten.

Coburg und Kronach bereits geschlossen

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2023 musste der kommunale Schlachthof in Kronach wegen Zahlungsschwierigkeiten schließen. Der Schlachthof in Coburg ist bereits seit 2013 zu.

Vor der gestrigen Entscheidung erläuterten der Wirtschaftsreferent der Stadt Bamberg Stefan Goller und der Geschäftsführer der Schlachthof-Betreiber GmbH Julian Müller die wirtschaftliche Entwicklung des Schlachthofes in den letzten Jahren und beleuchteten mögliche Alternativen.

40.000 € Minus

Weil Almrind, das dem Münchner Schlachtunternehmer Attenberger gehört, seit Jahresbeginn nicht mehr in Bamberg schlachten lasse, fehlen dem Schlachthof seitdem pro Woche 350 Rinder. Der zweite Großkunde bei Rind Vion habe es nicht geschafft diesen Rückgang auszugleichen. Deshalb mache der Betrieb aktuell pro Woche einen Verlust von 40.000 €, den die Stadt mit ihrem Haushalt decken müsse.

Kritik am Management der Schlachthof GmbH

Bei einer Fortführung des Schlachtbetriebes müsse im besten Fall mit einem jährlichen Minus von 1,8 Mio. € gerechnet werden, im schlechtesten Fall mit 4,7 Mio. €. Dabei sei das Risiko, dass noch ein weiterer Großkunde abspringe noch nicht berücksichtigt.

Aus dem Stadtrat kam während der Aussprache deutliche Kritik am Management der Betreiber-GmbH. Der Antrag einiger Stadtratsfraktionen, weiter nach Lösungen zu suchen und die Entscheidung über die Schließung zu vertagen, bekam keine Mehrheit.

Demo gegen Schließung

Im Vorfeld der Stadtratssitzung demonstrierten Tierhalter aus der Region vor dem Tagungsgebäude gegen die Schließung des Schlachthofes.

Der oberfränkische Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes Hermann Greif wies darauf hin, dass die noch verbleibenden Schlachthöfe Hof, Bayreuth und Erlangen nur noch Kapazitäten für 15 bis 25 % der Schlachttiere von Bamberg hätten. Das bedeute, dass die übrigen Tiere nach Südbayern oder in die neuen Bundesländer transportiert werden müssten. Dadurch steigen die Transportzeiten und -kosten und das Tierwohl sinkt. Zudem gingen für Metzger und Direktvermarkter in Franken Schlachtmöglichkeiten verloren.

Schweinehalterin Manuela Weiß, die im nördlichen Landkreis Bamberg mit ihrem Mann einen geschlossenen Betrieb führt und bisher alle Schweine in Bamberg schlachten lässt, sieht die Zukunftsfähigkeit ihres Betriebes durch die Schlachtung gefährdet.

10.000 € höhere Kosten

Schweinemäster Paul Einwich verwies darauf, dass die Verbraucher, die weniger Fleisch essen, auf Regionalität setzen: „Sie kaufen regional beim Landwirt oder Metzger ein und vertrauen auf einen guten Umgang mit den Tieren und eine faire Bezahlung in der Lieferkette. All das können wir nur bieten, wenn wir kurze Wege zum Schlachthof haben.“ Für Einwich bedeutet die Schließung des Schlachthofes Bamberg einen mindestens viermal so langen Transportweg zur nächsten Schlachtstätte und Mehrkosten von über 10.000 € pro Jahr.

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