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Von 0 auf 275 Ziegen: Familie Jans setzt auf Ziegenmilch

Familie Jans hat sich auf dem Figerhof in Kals (Osttirol) ihren Traum erfüllt und einen professionellen Ziegenmilchbetrieb aufgebaut. Zuletzt investierten sie in eine moderne, hofeigene Molkerei.

Lesezeit: 4 Minuten

Als sich Philipp Jans zu seinem 10. Geburtstag eine Ziege kaufte, ahnte er wohl noch nicht, wo er sich 30 Jahre später einmal befinden würde: Heute bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau Renate und seiner Familie den Figerhof in Kals am Großglockner mit 275 Milchziegen. Für dieses Wachstum brauchte es jede Menge Enthusiasmus für seine „Goas“ und ein wenig Schicksal. Denn in den Anfängen der Ziegenmilchproduktion musste Philipp seine 38 Ziegen in seiner Heimatgemeinde Nussdorf-Debant (Osttirol) noch mit der Hand melken und die Milch eigenständig in die Molkerei nach Rotholz fahren. Seine Pläne für einen Stallneubau durchkreuzte schließlich die Kaufmöglichkeit des Figerhofs mit 25 ha Grünland aus dem 35 km entfernten Kals. Und so siedelte der Agraringenieur im Jahr 2008 mit seinen Ziegen auf den neuen Hof auf 1.340 m um.

Gemeinsam mit seiner Frau Renate adaptierte er die Stallungen des Figerhofs und investierte in ein gebrauchtes Melkkarussell mit 36 Plätzen. Der Ziegenbestand wuchs erst auf 100 und schließlich auf über 200 Saanen- und Gemsfarbige Gebirgsziegen an. Doch mit einem Clostridien-Einbruch im Jahr 2011 mussten die jungen Landwirte ­einen herben Rückschlag einstecken. „Wir haben nicht nur auf einen Schlag 100 Ziegen verloren, sondern auch unseren Milchabnehmer“, berichtet Philipp. „Wir waren damals zu unerfahren und hatten kaum tierärztliche Betreuung. Jetzt werden alle Ziegen geimpft und das Problem hat sich erledigt.“

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Management aus Holland

Die Jahresmilchmenge von über 200.000 l konventioneller Ziegen-Heumilch lieferte die Familie dann für einige Jahre an die Berglandmilch. Parallel verkäste Renate einen Teil der Ziegenmilch zu den inzwischen überregional bekannten „Glocknerkugeln“. Das ist Ziegenweichkäse in Kräutern gewälzt und in Sonnenblumenöl eingelegt. Langsam wuchs so der Milchabsatz über die Direktvermarktung auf rund 30.000 l im Jahr.

Philipp knüpfte in dieser Zeit intensive Kontakte zu Ziegenmilchbetrieben nach Holland. Er eignete sich das Besamen an und schaute sich das Management ab. Nur rund ein Drittel seiner Ziegen wird jedes Jahr besamt. „Das sind entweder unsere genetisch besten Tiere, von denen ich unbedingt Nachzucht will, oder Ziegen, die in der Milchleistung abfallen“, erklärt der Ziegenbauer. „Anders als bei Milchkühen, geht die Milchleistung bei Ziegen saisonal bedingt im Winter etwas zurück, steigt aber zum Frühjahr hin wieder an – ohne, dass sie kitzen müssen.“

Alle weiblichen Kitze bleiben als Nachzucht am Hof, ein Teil der männlichen Kitze wird als Fleisch vermarktet. Der Großteil der jungen Ziegenböcke wird zur Zucht an andere Ziegenbetriebe verkauft. Aktuell stehen im Stall von Philipp Jans drei der sechs zuchtwertmäßig besten Ziegen Österreichs.

Große Investition in Molkerei

Inzwischen leben nur noch die weißen Saanen-Ziegen auf dem Figerhof, die Herde ist auf 275 Milchziegen angewachsen. Der Großteil wird auf Tiefstreu in einer großen Halle gehalten, die zusätzlich auch als Maschinenhalle und Heulager dient. „Unser Ziel ist es, den Bestand noch auf gut 300 Ziegen aufzustocken und die Milchleistung von 1.000 Litern pro Tier und Jahr zu halten“ berichtet Philipp. Aktuell liefert der Figerhof rund zwei Drittel seiner Milchmenge an die Erlebnissennerei Zillertal. Der Rest wird in der hofeigenen Molkerei zu Schnitt- und Bergkäse, Weichkäse, Camenbert und Joghurt verarbeitet.

Möglich wurde dieses Sortiment durch eine bedeutende Investition im Jahr 2018: Das Untergeschoss des Stadels wurde zur modernen Molkerei ausgebaut. „Jetzt sind wir top ausgestattet und haben die Möglichkeit, bis zu 500.000 l Milch zu verkäsen. Alles kann per Computer und Handy gesteuert werden“, ist Philipp zufrieden.

Um die rund 650 Tsd. Euro teure Anlage auszulasten, bietet die Familie auch die Milchverarbeitung im Lohn an. „Pro angesaugtem Liter Milch verrechnen wir 65 Cent, egal, welches Produkt wir daraus herstellen sollen.“ So liegt neben den lange gereiften Käselaiben aus Ziegenmilch auch der ein oder andere Käse aus Kuhmilch im Reifelager. In der Molkerei hilft die Schwester von Renate sowie eine festangestellte Mitarbeiterin in der Produktion.

Qualität verbessern

Den Großteil ihrer Produkte vermarktet die Familie Jans an die gehobene Gastronomie, an Hotels und über den Großhandel. „Über die Supermärkte haben wir eine gute Grundauslastung. Wir sind beim M-Preis und bei Spar gelistet“, berichtet Philipp. Doch die Auslastung der Molkerei bereitet ihm aktuell noch Sorgen. „Kurz nach der Inbetriebnahme hat uns die coronabedingte Schließung der Gastronomie und Hotellerie schwer erwischt. Wir wachsen in der Käserei noch zu langsam, aber die Kundenakquise ist sehr arbeitsintensiv.“ Zeit, die dem Landwirt und dreifachen Familienvater aktuell fehlt. Dennoch bereuen Philipp und Renate die Investition nicht. „Wir sind mit dem Betrieb mitgewachsen. Und wenn jemand sagt, ‚das geht nicht‘, reizt es mich ganz besonders“, schmunzelt Philipp. „Jetzt wollen wir nicht mehr größer werden, sondern die Qualität in allen Bereichen verbessern.“

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