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Nässe auf den Feldern Stilllegung 2024 Güllesaison

topplus Prof. Robby Andersson

Für Hühner ist eine korrekte Beleuchtung sehr wichtig

Im Gegensatz zum Menschen haben Hühner ein wahres Super-Sehvermögen. Daher können wir die Lichtverhältnisse im Geflügelstall nur mit geeigneten Messgeräten beurteilen.

Lesezeit: 5 Minuten

Unser Autor: Prof. Robby Andersson, Hochschule Osnabrück, Studienschwerpunkt angewandte Geflügelwissenschaften

Der Sehsinn des Vogels ist dem des Menschen absolut überlegen. Denn im Gegensatz zum Menschen hat das Geflügelauge einige Besonderheiten: Es kann ultraviolettes (UV) Licht wahrnehmen, hat eine höhere Flimmerfusionsfrequenz und eine höhere Hellempfindlichkeit. Was bedeutet das im Detail für die Beleuchtung im Hühnerstall?

Schnell gelesen

Der Sehsinn der Hühner ist dem der Menschen überlegen.

Geflügel kann über einen zusätzlichen Rezeptor UV-Licht wahrnehmen und ­doppelt so viele Lichtreize voneinander unterscheiden wie der Mensch.

Fehlt UV-Licht in Stalllampen, sehen Hühner in „Falschfarben“. Sie erkunden neuartige Gefiederstellen bei Artgenossen, die Gefahr von Federpicken steigt.

Stalllampen benötigten daher einen UVA-Anteil und Flackerfreiheit.

Huhn sieht mehr Farben

„Licht“ bezeichnet elektromagnetische Wellen, die über Lichtrezeptoren auf der Netzhaut wahrgenommen und im Gehirn zu einem Farbeindruck umgewandelt werden. Sogenannte Zapfen sind dabei für das Farbsehen zuständig, Stäbchen für das Schwarz-Weiß-Sehen.

Menschen verfügen über drei verschiedene Zapfen, die am empfindlichsten auf die Farben Rot, Grün und Blau reagieren. Geflügel jedoch verfügt über einen zusätzlichen vierten Zapfentyp, der die Wahrnehmung von UV-A-Licht ermöglicht. Daher wird Geflügel einen Regenbogen am farbreichsten wahrnehmen, hingegen Säugetiere mit zwei Zapfen, wie z. B. Rind und Schwein, in weniger Farben als der Mensch.

Erst wenn alle Zapfen gleichzeitig erregt werden, nehmen Lebewesen weißes Licht wahr. Die meisten Kunstlichtquellen enthalten in der Regel jedoch keinen UV-A-Anteil, sodass für Geflügel eine Grundfarbe zur Wahrnehmung von „weißem“ Licht fehlt.

Wenn der UV-A-Anteil fehlt

Fehlt eine Farbe im Lichtspektrum, wird die Haltungsumwelt von Geflügel in sogenannten „Falschfarben“ wahrgenommen. Ist das Geflügel an UV-Licht z. B. im Auslauf gewöhnt, tritt der Effekt des „Falschfarbensehens“ bei jedem Wechsel zwischen Freiland und Stall auf. Dadurch nimmt Geflügel das Gefieder von Artgenossen in ständig wechselnden Farben wahr. Plötzlich neuartig reflektierende Gefiederstellen werden von Artgenossen erkundet, wodurch unter Umständen Federpicken hervorgerufen werden kann.

Dieses „Falschfarbensehen“ im Stall kann u. a. durch den Einbau von LEDs vermieden werden, die auch UVA- Licht emittieren. Je mehr Wellenlängen im Kunstlichtspektrum enthalten sind, desto eher wird das natürliche Licht nachempfunden.

Zudem hat auch hat jede Geflügelart abhängig vom natürlichen Lebensraum andere Lichtansprüche an ihre Umwelt: Die Pute als ursprünglicher Steppen­bewohner würde vielleicht eher hellere Lichtbereiche wählen als das Huhn, ­das ursprünglich im Dschungel beheimatet ist.

Flackerndes Licht

Eine weitere Besonderheit des Geflügelauges ist die im Vergleich zum menschlichen Auge höhere Flimmerfusionsfrequenz (FFF). Das bedeutet, für Hühner flackert Licht schneller als für Menschen. Wenn die jeweiligen Lichtreize nicht vollständig miteinander verschmelzen, nimmt der Mensch oder das Tier dies als Flimmern wahr.

Die Frequenz von Lichtreizen, bei der diese als kontinuierliches Licht wahrgenommen werden, wird als Flimmerfusionsfrequenz (FFF) bezeichnet, die in der Einheit Hertz (Hz) angegeben wird. Geflügel kann eine FFF in der Größenordnung von 120 Hz und Menschen ca. 60 bis 80 Hz erreichen.

Geflügel kann also ungefähr doppelt so viele Lichtreize voneinander unterscheiden wie der Mensch. Es sind daher pro Minute mehr Lichtreize nötig, damit das Huhn Licht ohne Flimmern sieht. Helligkeit und Reflexion des Lichtes im Raum beeinflussen die individuelle Wahrnehmung zusätzlich. Flackerndes Licht kann beim Geflügel Stress auslösen. Damit erhöht sich die Gefahr von Verhaltensabweichungen wie Federpicken und Kannibalismus.

Fazit: Wir Menschen können die Lichtverhältnisse für Geflügel nie mit unserem eigenen Empfinden, sondern nur mit geeigneten Messgeräten beurteilen. Bei der Lampenauswahl für Geflügel sollte daher unter anderem auf einen UV-A-Anteil und Flackerfreiheit geachtet werden.

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I N T E R V I E W

„Mensch und Huhn sehen die Welt mit unterschiedlichen Augen“

Herr Prof. Andersson, Sie prüfen die Qualität von Leuchtmitteln. Was haben Ihre Untersuchungen zu den verschiedenen Lampentypen ergeben?

Andersson: Nach aktuellem Kenntnisstand bieten LEDs eine gute Alternative zur konventionellen Beleuchtung, da sie teilweise im Kilohertz-Bereich betrieben werden und damit definitiv für Geflügel als flackerfrei einzustufen sind. Derzeit werden Lampen mit einer Mindestfrequenz von 160 Hz empfohlen, welche auch während der Dimmung beibehalten werden sollte. Es ist aber oft so eine Sache, welche Angaben der Hersteller zu einer Beleuchtung macht und dem, was wirklich emittiert wird. Wenn das Licht gedimmt wird, ändern sich Bedingungen extrem. Dann passen die Herstellerangaben häufig nicht mehr für Geflügel.

Worauf sollte der Geflügelhalter beim Einbau von Lampen generell achten?

Andersson: Neben der Flackerfreiheit sollte berücksichtigt werden, dass sich die spektrale Zusammensetzung, also die Lichtfarben, mit zunehmendem Alter der Lampen verändern können. Speziell kann es zur Verringerung des Blauanteils kommen. Diese spektrale Verschiebung ist zu berücksichtigen, wenn defekte Lampen durch Lampen einer neueren Charge ausgetauscht werden. Farbveränderungen können aber auch durch die Einhausungen der Lampen entstehen. Zum Schutz vor Wasser und Schadgasen sind die Lampen eingehaust und diese Einhausungen können gewisse Lichtanteile heraus­filtern. Außerdem zeigt uns die Erfahrung, dass Netzschwankungen dazu führen, dass das Licht ungeplant immer mal wieder ausgeht. Das ist Stress für die Tiere.

Kann der Geflügelhalter die Qualität der Beleuchtung überprüfen?

Andersson: Der Landwirt selbst kann das nicht. Mensch und Huhn sehen die Welt mit unterschiedlichen Augen. Und dafür angebotene preiswerte Messgeräte taugen häufig nicht. Einige Tierärzte haben sich mit guten Messgeräten ausgestattet, um Problemen auf den Grund gehen zu können. Wer wissen will, ob es mit der Beleuchtung im Stall generell stimmt, kann Lichtsensoren oder Lichtlogger aufhängen. Ganz ohne Messgerät kann der Landwirt aber generell prüfen, ob bei gleicher Lichteinstellung von LEDs die gleiche Anzahl an LED-Chips auf der Platine leuchten.

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