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topplus Dating auf dem Land

Landwirte und ihre schwere Suche nach dem richtigen Partner

Bäuerinnen und Bauern fällt es schwerer, eine Partnerin oder einen Partner zu finden – was auf teils fragwürdige Weise als Fernsehformat vermarktet wird, ist auf vielen Höfen Realität.

Lesezeit: 5 Minuten

Zehn Jahre lang war er auf der Suche nach einer Frau – mal aktiv, mal weniger. Er hat es über Dating-Apps versucht, war unterwegs, hat sich bei Freunden und Bekannten nach Single-Frauen umgehört. Und dann hat ihn Amors Pfeil zufällig im Wartezimmer beim Arzt getroffen. Da saß sie, seine zukünftige Frau.

Seit 15 Jahren ist der Landwirt aus Oberösterreich, der namentlich nicht genannt werden möchte, nun mit seiner Frau zusammen, hat zwei gemeinsame Kinder mit ihr und „könnte glücklicher nicht sein“. Doch in seinem Umfeld sieht er häufig Berufskollegen, die bei der Suche nach der Traumfrau scheitern. Manchmal gehen sie das Ganze zu verbissen an, manchmal fungiert der Hof als wahrer Liebestöter, manchmal trauen sich die Landwirte (und auch Landwirtinnen) nicht darüber zu sprechen, wie sehr sie sich eine Partnerin (oder einen Partner) wünschen.

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Schnell gelesen

Es ist schwierig die große Liebe und den Partner fürs Leben zu finden.

Ein Hof und viel Arbeit im Hintergrund schrecken viele Frauen ab. Sie haben heute ganz andere berufliche Chancen und Bedenken sich zu sehr einzu­schränken.

Viele Alleinstehende sehen die Partnersuche zu verbissen. Doch nach jahre­langer Einsamkeit ist es häufig schwer.

Singles sind oft weniger entscheidungsfreudig, was Investitionen angeht.

Das Fernsehformat „Bauer sucht Frau“ stellt sicherlich nicht besonders realistisch dar, wie es auf den Höfen aussieht. Vielmehr hat die Sendung an manchen Stellen dazu beigetragen, dass sich Landwirte für ihre Partnerlosigkeit schämen, nicht darüber sprechen. Auf der anderen Seite spiegelt das Format ein Problem, das durchaus der Realität entspricht: Nicht wenige Bauern und Bäuerinnen haben Probleme, die Richtige/den Richtigen fürs Leben zu finden.

Genau diesen Eindruck hat Verena Lauber von der Agrargemeinschaft Österreich (AGÖ). Sie ist Mitorganisatorin der Single-Party „Anbandeln am Land“, die Ende Juni in Oberösterreich stattfindet. Mit über 300 Anmeldungen männlicher Teilnehmer ist das Event mehrfach überbucht.

Keine Frauen auf dem Land?

Etwa 80 Tickets für Männer wird es für das Event geben. Bei der AGÖ haben sich keine Frauen angemeldet, deshalb wird mit der „Anbandlerei“ in Salzburg zusammen gearbeitet. Die „Anbandlerei“ wurde 2020 von Teresa Hummelbrunner und ihrer Mutter Claudia Hummelbrunner gegründet. Sie organisieren Events wie Speed-Datings und bauen mit ihren Veranstaltungen ein Netzwerk für Singles.

„Unsere Veranstaltungen sind geschützte Orte, dort fühlen sich die Singles unter sich wohl. Bei den Events lernen sie im besten Fall einen Partner kennen, andernfalls vielleicht andere Alleinstehende, mit denen sie etwas unternehmen können.“ Viele Partnersuchende seien frustriert vom Online-Dating und kontaktieren deshalb bewusst die „Anbandlerei“, um den direkten Kontakt zu anderen Alleinstehenden zu finden.

In ihrem Netzwerk werben die beiden Gründerinnen nun aktiv Frauen für „Anbandeln am Land“ an. Es gab Zeiten, da war es schwerer, Männer für solche Veranstaltungen zu finden, erzählt Teresa Hummelbrunner. Inzwischen gebe es weniger Single-Frauen.

Das Problem, das sie sowohl bei den Veranstaltungen als auch in ihren Coachings sehen: Oft sind die Erwartungen sehr hoch. Die Partnersuche wird verbissen gesehen.

Alleine ist alles schwerer

Es verwundert nicht, dass nach langjähriger Suche irgendwann Frustration aufkommt. Denn die Folgen der ungewollten Einsamkeit sind vielseitig: In der Familie steigt der Druck mit jedem Jahr ohne Partner, die eigenen Eltern fangen an zu sticheln, Freunde und Bekannte beginnen zu tuscheln. „Oft ist es so, dass sich die Singles zurückziehen“, sagt Teresa Hummelbrunner. „Wenn im Freundeskreis alle vergeben sind, vielleicht schon Kinder haben, dann fühlt sich derjenige, der alleine ist, in diesem Umfeld nicht mehr wohl.“

Wenn eine Lebenspartnerin am Hof fehlt, dann hat das oft auch Konsequenzen für die Landwirtschaft. Andreas Feichtlbauer ist Geschäftsführer beim Lely Center Enns, einem der Veranstaltungssponsoren von „Anbandeln am Land“. Er erlebt es im alltäglichen Geschäft immer häufiger, dass Landwirte und Hofnachfolger ohne Partnerin in Bezug auf Investitionen weniger entscheidungsfreudig sind. „Entscheidungen werden leichter getroffen, wenn man sich mit jemandem abstimmen kann. Mit Unterstützung und durch den Austausch mit der Partnerin oder dem Partner fallen große Investitionen leichter“, sagt Feichtlbauer.

Er beobachtet aber auch, dass in einigen Fällen – ohne die Perspektive auf eine Frau und eine Familie – gar nicht mehr investiert wird. „Wenn es keine Kinder oder eine nachfolgende Generation am Hof gibt, fehlt die Perspektive. Dann werden keine Investitionen mehr getätigt und Landwirtschaft und Hof laufen langfristig aus.“ Für Andreas Feichtlbauer ist das selbstverständlich. Er zieht den Vergleich mit Alleinlebenden in der Stadt: „Wer niemanden hat, baut auch kein Haus, sondern zieht eher in eine Wohnung.“

Hohe Erwartungen

Doch woran liegt es, dass es gerade Bauern so schwer fällt, eine Partnerin fürs Leben zu finden? Verena Lauber von der AGÖ glaubt, dass die Partnersuche mit fortschreitendem Alter immer schwieriger wird. „Im Dorf wächst man zusammen auf, mit 20 sind die meisten liiert“, sagt sie. „Wer dann noch auf der Suche ist, hat es schwer.“ Hinzu kommt, dass heute viele Frauen eine bessere Ausbildung und ganz andere Chancen haben, als früher.

„Es gibt Vorurteile, Frauen befürchten, dass sie auf den Hof ziehen und mitarbeiten müssen und damit ihre Eigenständigkeit aufgeben“, sagt Teresa Hummelbrunner. „Dabei bieten Höfe großes Potenzial für eigene Betriebszweige und Entwicklungsmöglichkeiten.“ Um Ängste und Vorurteile zu nehmen, seien Gespräche wichtig. Deshalb sollten die Schwierigkeiten der Partnersuche in der Landwirtschaft auch offen thematisiert werden, findet Andreas Feichtlbauer. Es gebe keinen Grund das Thema zu belächeln.

Und Verena Lauber rät den Landwirten, ihre Erwartungen nicht zu hoch zu setzen. „Für viele ist es ein Ausschlusskriterium für eine Beziehung, wenn die Frau Kinder hat“, sagt sie. „Aber ab einem gewissen Alter ist es nun mal so, dass Frauen aus gescheiterten Beziehungen kommen und vielleicht Kinder haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das aber kein Hindernis für eine glückliche Beziehung ist.“

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