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Bodenmischprofi von Gesma: Bearbeiten und Aussäen in einem Arbeitsgang

Die Grundbodenbearbeitung, Saatbettbereitung und − kombiniert mit Sämaschine − den Anbau erledigt der Bodenmischprofi der Firma Gesma GmbH in einer Überfahrt. Was sagen Praktiker zu der Technik?

Lesezeit: 9 Minuten

Gerade im Herbst ist die Zeit für den Getreideanbau immer sehr knapp. Hinzu kommt, dass wir alle drei Nebenerwerbslandwirte sind. Deshalb haben wir nach einer technischen Lösung gesucht, mit der man den Anbau mit einer Überfahrt erledigen kann“, erzählt Albert Götzenberger, der in Stroheim (Bezirk Eferding) einen 21 ha-Betrieb bewirtschaftet.

Wir haben uns beim Hersteller und bei Nutzern der Maschine erkundigt, wie die Technik in der Praxis funktioniert.

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Bearbeitungsgänge einsparen war das Ziel von drei Landwirten aus Oberösterreich. Deshalb entwickelten sie in vierjähriger Tüftelarbeit den Bodenmischprofi.

Das Gerät mit den Hauptbestandteilen Rotor, Untergrundlockerer und Zahn­packerwalze erledigt den Anbau in einer Überfahrt.

Dem Einsatz der Technik sind kaum Grenzen gesetzt. Einzig steinreiche Flächen scheiden für die Bearbeitung aus.

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Gemeinsam mit den befreundeten Roland Edlbauer aus Schlüßlberg (Bezirk Grieskirchen, 50 ha) und Siegfried Strohofer aus Prambachkirchen (Bezirk Eferding, 5 ha) begann der 35-Jährige vor etwa neun Jahren, an einer entsprechenden Technik zu tüfteln.

2018 erste Maschine am Markt

In der Werkstatt von Roland Edlbauer verbrachten die drei Tüftler Stunde um Stunde, um eine Maschine nach ihren Wünschen zu bauen. Schon 2015 hatten die drei die Idee eines horizontalen, mit Werkzeugen bestückten Rotors. „Doch es hat etwa drei Jahre gebraucht, bis wir endlich so weit waren und eine Maschine nach unseren Vorstellungen konzipiert hatten“, erklärt Siegfried Strohofer.

Vor allem die Vorgabe, die Maschine auch nach dem Maisdrusch einzusetzen, verlangte den drei Bastlern viel Erfindergeist ab. „Maisstroh ordentlich zu verarbeiten, zählt schon zu den Königsdisziplinen im Ackerbau“, meint Roland Edlbauer.

2018 war es schließlich so weit, die drei gründeten die Firma Gesma GmbH und präsentierten im gleichen Herbst auf der Rieder Messe ihren ersten Bodenmischprofi (siehe die Übersicht). Herzstück des Gerätes ist ein 90 cm-Rotor, der sich gegen die Fahrtrichtung dreht. Der Rotor mit 36 versetzt angebrachten Schneiden mit 9 cm Breite bearbeitet bei der Arbeitsbreite von 3 m die ganze Fläche.

Der beidseitig von der Zapfwelle angetriebene Rotor hebt die obere Erdschicht bis etwa 17 cm Tiefe nach oben ab. Für schwere Böden und tiefe Bearbeitung gibt es auch schmalere Schare mit 6 cm Breite. Auf den Rotor folgt ein mit Untergrundlockerern bestückter Balken. Hier kann zwischen Spitzscharen und Gänsefußscharen gewählt werden. Der Untergrundlockerer bearbeitet die Bodenschicht von etwa 5 cm unter dem Rotor. Somit beträgt die max. Bearbeitungstiefe etwa 22 cm.

Bessere Wasseraufnahme

„Die Untergrundlockerer durchlüften den Boden und brechen den Schmierhorziont auf“, erläutert Albert Götzenberger deren Aufgabe. Die Untergrundlockerer sind mit Scherschrauben gesichert. Die Tiefenführung wird über die anschließende Zahnpackerwalze geregelt. Gleichzeitig sorgt diese für die notwendige Rückverfestigung. Unterm Strich wird mit dieser Bearbeitung auch die Wasseraufnahmefähigkeit deutlich verbessert.

Dies hat erst kürzlich Edlbauers Sohn Jonas in seiner Abschlussarbeit an der LWBFS Waizenkirchen nachgewiesen. Auf einem sandigen Lehm versickerte das Wasser nach der Bearbeitung mit dem Bodenmischprofi fast viermal schneller als nach dem Grubber und doppelt so schnell wie nach dem Pflug.

Durch verschiedene Maschineneinstellungen kann die Krümelstruktur des Saatbetts zwischen fein und grob variiert werden. Durch seichte Bearbeitung bleiben feine Erntereste an der Oberfläche und bieten einen Erosionsschutz.

Leitbleche und Abweiser

Für einen gleichmäßigen Erdstrom am Hang sorgen die oberhalb des Rotors angebrachten Hangleitbleche. „Zusätzlich greifen auf der gesamten Breite angebrachte Abweiserzinken in den vom Rotor aufgegriffenen Erdfluss ein“, führt Siegfried Strohofer an. „Dabei werden Ernterückstände abgewiesen und in die mittlere Bodenschicht ein­gebracht.“ Auch das anfängliche Problem der am Unterboden anhaftenden Erde und Pflanzenrückstände haben die Tüftler lösen können.

Sie haben hydraulisch nach links und nach rechts bewegliche Reinigungsbleche installiert, die beim Ausheben am Vorgewende eingeschaltet werden. Durch die Bewegung der Bleche fällt anhaftendes Erd- und Pflanzenmaterial zu Boden. Somit kann mit dem Bodenmischprofi selbst bei feuchteren Bedingungen gefahren werden.

Mit Sämaschine kombiniert

In der Regel wird der Bodenmischprofi zusammen mit einer Sämaschine eingesetzt. Das Gerät wird dafür von der Gesma GmbH mit den für die Sämaschine erforderlichen Koppelpunkten ausgestattet. Somit ist jede Sämaschine für das Aufsatteln geeignet. „Es gibt auch Kunden, die Einzelkornsägeräte mit dem Bodenmischprofi koppeln“, so Albert Götzenberger.

Optimal für die Aussaat ist laut Götzenberger eine Lösung mit Front­saattank und Säschiene. Damit habe man eine bessere Gewichtsverteilung. Es gebe auch bereits einen Betrieb, der auf diese Technik setze.

Insgesamt wiegt der Bodenmischprofi in Vollausstattung rund 3 t, zusammen mit einer aufgesattelten Drillmaschine ist man bei über 4 t. „Damit ist die Technik zwar schwer“, räumt Edlbauer ein. „Aber man bearbeitet damit auch 3 m Breite in einem Arbeitsgang.“ Als notwendige Zugleistung für die 3 m-Maschine gibt die Gesma GmbH ab etwa 220 PS an.

Edlbauer selbst zieht auf seinen Flächen die Kombi aus Bodenmischprofi und Pöttinger Vitasem 302 A mit einem Steyr 6240 Absolut CVT. Bei der Kombi mit Sämaschine ist ein Frontgewicht ab 1.000 kg erforderlich. Den Spritverbrauch beziffern die drei Erfinder bei der 3 m-Maschine je nach Geschwindigkeit und Bodenverhältnissen auf 30 bis 60 l/h. Die Flächenleistung liege zwischen 0,8 und 1,2 ha/h.

Technik ist in fast allen Kulturen einsetzbar

Beim Einsatz der Technik gibt es laut den drei Erfindern kaum Grenzen. Sowohl Begrünungen als auch Winterungen und Raps im Herbst wie auch Soja, Mais und Sommergetreide im Frühjahr können damit in einem Arbeitsgang gesät werden. „Am besten wird vor der Bearbeitung Gülle oder Mist ausgebracht. Der Wirtschaftsdünger kann dann mit dem Bodenmischprofi gleichmäßig in den Boden eingemischt werden“, berichtet Siegfried Strohofer. Der Getreideanbau im Herbst in einer Überfahrt im Mulchsaatverfahren erfülle auch die Vorgaben von GLÖZ 5 nach dem neuen GAP 23-Programm und ist dementsprechend förderfähig.

Was sagen die Nutzer?

Inzwischen laufen in Österreich bereits mehr als 15 Bodenmischprofis in der Praxis. Welche Erfahrungen haben die Nutzer bisher mit der Technik gemacht, die laut Gesma GmbH einen Listenpreis von 74.000 € brutto hat. Franz Fuchs aus Bischofstetten im Bezirk Melk setzt den Bodenmischprofi zwar erst seit September dieses Jahres auf seinem 75 ha-Betrieb ein. Doch er hat bereits 170 ha damit bearbeitet.

„Das liegt vor allem daran, dass ich neben meinen auch etliche Flächen von Landwirten aus der Region angebaut habe“, erklärt Fuchs, der auch als Lohnunternehmer tätig ist. „Beim Herbstanbau war es in unserer Region so trocken, dass viele Betriebe große Probleme mit dem extrem harten Boden hatten. Und es hat sich ganz offenbar schnell herumgesprochen, dass ich mit dem Bodenmischprofi den Anbau selbst unter den widrigsten Bedingungen hinbekommen habe.“

Sehr unterschiedliche Böden

Die Bodenverhältnisse in seinem Gebiet bezeichnet Fuchs als besonders schwierig, weil auf geringstem Raum sehr unterschiedliche Böden zu finden sind. Doch für den Bodenmischprofi stellt dies laut Fuchs kein Problem dar. „Die Maschine kommt mit fast allen Verhältnissen zurecht − ob ausgetrocknet und hart oder feucht und weich. Nur auf sehr steinigen Böden kommt sie an ihre Grenzen“, berichtet Fuchs.

Er hat sich den Bodenmischprofi nach Messebesuchen bei Gesma und Internetstudium heuer gekauft, da „mein Pflug und auch die Kreiselegge schon ziemlich fertig waren.“ Somit hätte er die Technik ohnehin ersetzen müssen, und die Entscheidung für die Alternative fiel ihm leichter.

Dennoch ging er bei der Herbstbestellung mit gemischten Gefühlen ans Werk. „Doch schon nach der Bearbeitung der ersten Fläche mit gehäckseltem Silomais war ich ehrlich gesagt begeistert“, meint der Landwirt. „Die auf dieser Fläche ausgebrachte Gerste steht aktuell so gut wie nie zuvor.“ Vor allem in diesem sehr trockenen Herbst habe sich dabei positiv bemerkbar gemacht, dass der Samen direkt in die feuchte Erde gesetzt wird.

Je weniger der Boden bearbeitet ist, desto besser arbeitet die Maschine laut Fuchs. Als Zugmaschine fungiert ein Fendt Vario 936, der mit seinen 360 PS keinerlei Probleme im Umgang mit dem Bodenmischprofi und der angekoppelten Lemken Saphir 9 Drillmaschine hat. Der Vario 936 treibt den Bodenmischprofi mit 800 U/min an.

Viele Regenwürmer gefunden

Der Rotor arbeitet aber mit einer Geschwindigkeit von nur etwa 200 U/min sehr bodenschonend, hat Fuchs festgestellt. Das schone auch die Bodenlebewesen. Fuchs zeigte uns per Spatenprobe, dass sich etliche Regenwürmer im Bearbeitungshorizont tummelten.

Die gleiche Erfahrung hat Markus Maier-Paar gemacht, der seit vier Jahren den Bodenmischprofi mit 2,5 m auf seinem 20 ha-Betrieb in Gleisdorf bei Graz einsetzt: „Der Rotor des Bodenmischprofis arbeitet gegen die Fahrtrichtung mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 bis 200 U/min sehr schonend für Boden und Lebewesen.“

Zudem hebt Maier-Paar die Flexibilität der Maschine hervor. „Ich kann sie bei allen Bodenverhältnissen (außer steinreiche Böden), fast jeder Witterung und selbst bei den stärksten Begrünungsvarianten einsetzen“, erklärt der Landwirt. So hat er heuer bei einem Kollegen eine Fläche mit einer 1,70 m hohen Begrünung problemlos damit bearbeitet. Alle Erntereste oder Begrünungsbestände werden in einem Arbeitsdurchgang in die oberste Erdschicht eingemischt. „Auch bei Ein-arbeitung im grünen Zustand entsteht durch die homogene Mischung in der obersten Bodenschicht keine Fäulnisbildung und die Grünmasse wird umgehend umgewandelt“, meint Maier-Paar.

Den Dieselverbrauch seiner 2,5 m-Maschine beziffert Maier-Paar auf ca. 25 l/h, er benötige durchschnittlich 1,5 h/ha. Zu den Ertragswirkungen des Bodenmischprofis kann Franz Fuchs aktuell noch nichts sagen. Kollege Maier-Paar meint nach den bisherigen vier Jahren und insgesamt rund 300 ha bearbeiteter Fläche: „Die Erträge der mit dem Bodenmischprofi bearbeiteten Flächen lag zumindest nie unter dem Durchschnitt in der Region.“

Wartung und Verschleiß?

Noch zum Wartungsaufwand: Laut Maier-Paar sind zehn Nippel alle 15 Stunden oder einmal täglich zu schmieren. „Die vier Stellen an den Gelenkwellen sind alle 50 Stunden zu schmieren“, ergänzt der Praktiker. „In längeren Zeitabständen ist das Getriebeöl zu wechseln. Die Antriebsketten laufen im Ölbad und sind wartungsfrei. Die Kettenspannung ist alle 50 Stunden zu prüfen.“ Zu beachten ist laut Franz Fuchs auf jeden Fall der Verschleiß der Rotorschare. „Nach 70 bis 80 ha müssen die Schare getauscht werden.“

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