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Tipps zur Bodenbearbeitung nach schwieriger Ernte

Ist Getreide nicht mehr zur Ernte geeignet, stellt sich die Frage nach der richtigen Bearbeitungsstrategie. Doch auch sonst ist die Bearbeitung in diesem nassen Jahr nicht einfach. Wir geben Tipps.

Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Beitrag erschien zuerst beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

"Was machen wir jetzt mit der Fläche?" Diese Frage stellen sich aktuell viele Landwirte. Besonders herausfordernd ist die Bodenbearbeitung, wo Getreide liegen bleiben musste. Aber auch geerntete Flächen sind oft sehr nass und weisen mitunter tiefe Fahrspuren auf. Wir betrachten geerntete und ungeerntete Flächen.

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Drusch war noch möglich

Hier richtet sich die Bodenbearbeitung im Wesentlichen nach der Folgekultur. Ist Raps auf der Fläche vorgesehen, gilt es, den Boden möglichst schnell optimal für die Aussaat vorzubereiten. Ein sehr flacher Bearbeitungsgang zum Anregen der Keimung eignet sich hierfür sehr gut. Da in diesem Jahr viele Samen ausgefallen und/oder vom Mähdrescher aussortiert worden sind, kann man von einem hohen Samenpotenzial ausgehen.

Keinesfalls sollte man im ersten Bearbeitungsschritt zu tief ackern, da zu tief eingearbeitete Samen nicht keimen und feuchter Boden zunächst oberflächlich angekratzt werden sollte, um ein zügiges Abtrocknen in Gang zu setzen.

Flachgrubber mit Gänsefußscharen stellen eine gute Option dar, wenn eine flache Bearbeitung und eine gute Strohnachverteilung angestrebt werden. Zinken tragen Stroh deutlich weiter im Gerät mit als Scheibeneggen es tun und sind somit bei unzureichender Strohverteilung sehr gut geeignet. Auch der Einsatz einer Scheibenegge ist möglich, trägt allerdings weniger zur Strohnachverteilung bei.

Im folgenden Schritt kann man dann mit einem Zinkengerät tiefer arbeiten, um eine ausreichende Lockerung für den empfindlichen Raps zu erreichen.

Bleibt keine Zeit für mehrere Schritte, bleibt die Kombination der Geräte als Scheibeneggen-Grubber-Kombination. Maschinen dieser Art gibt es mittlerweile von einigen Herstellern. Sie mischen und lockern gleichzeitig sehr intensiv, hinterlassen unter Umständen aber nicht das optimale Saatbett.

Auftreibende Gräser können im Raps kostengünstig und effizient behandelt werden, dennoch wird bei der Menge an eingearbeiteten Samen in den Folgejahren immer wieder einiges austreiben, wodurch die Fruchtfolgegestaltung möglicherweise überdacht und angepasst werden muss.

Folgt dem gedroschenen Getreide eine spätere Winterung oder Zwischenfrucht, kann der Boden häufiger bewegt werden. Flach anfangen ist das oberste Ziel. Dabei möglichst leicht diagonal ackern und tiefere Spuren zunächst außer Acht lassen. Diese können zu einem späteren Zeitpunkt – wenn die Gegebenheiten es hergeben – gelockert werden. Ein zweiter Bearbeitungsgang mit einem (Flach-)Grubber oder einer Scheibenegge sollte, wenn möglich, genau im entgegengesetzten Winkel zur ersten Bearbeitungsrichtung erfolgen, sodass ein „X“ entsteht. So erreicht man die beste Verteilung der Erntereste.

Zur Saatbettbereitung muss der Boden oberflächlich ausreichend abgetrocknet sein, sodass man tiefer als 15 cm arbeiten kann. Verdichtungen durch Erntemaschinen oder Pflegemaßnahmen im Frühjahr werden so gelockert.

Sollte eine Tiefenlockerung in Fahrgassen oder beim Vorgewende notwendig sein, muss der Boden zwingend ausreichend abgetrocknet sein. Hier gilt es, nichts zu überstürzen. Andernfalls wird die Verdichtung nur weiter nach unten verlagert – wo sie noch schwerer zu lösen ist.

Ernte war nicht mehr möglich

Sind (Teil-)Flächen von extremem Lagergetreide mit auskeimenden, nicht mehr beerntbaren Pflanzen besetzt, muss man das Material zunächst möglichst effizient zerkleinern.

Messerwalzen sind wegen ihres Eigengewichtes und dem notwendigen Bodengegendruck bei den feuchten Bedingungen wohl nicht geeignet. Sind sie auf dem Betrieb vorhanden, wäre es aber einen Versuch wert.

Mulcher könnten mit den hohen Mengen Organik zurechtkommen. Bei entlang der Fahrgassen liegenden Pflanzen kann es – wie beim Mähdrusch – helfen, in entgegengesetzter Richtung zu arbeiten. Funktioniert das Mulchen nicht, führt an schneidenden Werkzeugen (fast) kein Weg vorbei.

Grubber ziehen das Material lediglich vor sich her, verstopfen und sind daher ungeeignet.

Scheibeneggen haben in der Regel genügend Eigengewicht, um die dichte Matte zu durchdringen und gleichzeitig Boden zu bewegen.

In jedem Fall sollte man versuchen, einen Großteil des riesigen Samenpotenzials zum Keimen anzuregen und Arbeitstiefen von 5 bis 10 cm zu erreichen, um Korn, Stroh und Boden zumindest etwas zu durchmischen. Wird im ersten Bearbeitungsgang bereits zu tief (>10 cm) gearbeitet, verfällt ein enormer Teil der Samen in Keimruhe und wird später immer wieder austreiben.

Mit großen Scheibendurchmessern kann man auch 15 cm oder tiefer arbeiten, sodass das Stroh bei der zweiten Bearbeitung im entgegengesetzten Winkel (X-Form) weiter verteilt und geschnitten wird. Ist das Stroh kurz genug, dass es verstopfungsfrei durch Grubber fließt, ist dieser auch eine Option, weil er die Pflanzenreste durch den Mitnahmeeffekt noch besser verteilt.

Fest steht, dass mehrere Bearbeitungsschritte erforderlich sein werden, um die Menge an Stroh und Korn sauber einzuarbeiten. Das erfordert neben Zeit auch die passende Witterung. Die zeitnahe Aussaat von Winterungen wie Winterraps oder Wintergerste sollten daher gut überlegt sein.

Üblicherweise gilt als Faustregel, pro Tonne Strohertrag 1,5 bis 3 cm tief zu arbeiten. Daher müsste bei Kornerträgen um 8 t/ha und 6,5 t/ha Stroh zwischen 20 und 40 cm tief durchmischt werden – so die Theorie. In der Praxis wird es entscheidend sein, die Organik möglichst gut zu zerkleinern und homogen über den Bearbeitungshorizont zu verteilen. Erst dann kann durch Mikroorganismen eine zügige Zersetzung erfolgen. Das Unterpflügen des zerkleinerten Materials führt zur Mattenbildung und ist unbedingt zu vermeiden.

Direktsaat in liegen gebliebenes Getreide?

Folgt eine Sommerung, muss man den Boden nicht zwangsläufig bearbeiten. Man könnte auch in den liegenden Getreidebestand per Direktsaat eine Zwischenfrucht etablieren, die aber in Konkurrenz mit dem Ausfallgetreide stehen wird. So würde aber ein Großteil des Getreides keimen oder verrotten. Im Winter – wenn möglich bei Frost – bestünde dann die Möglichkeit, die Organik z. B. mit einer Messerwalze zu bearbeiten. Da 2024 voraussichtlich kein Glyphosat mehr zur Verfügung steht, ist diese Methode allerdings risikoreich.

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