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Insekteneiweiß als Futtermittel? Das sagen Landwirte und Praktiker ​

Der Einsatz von Insekten als Futtermittel für Schweine, Geflügel oder Fische ist für viele Landwirte interessant. Dennoch sind einige Fragen offen, u. a. in Sachen Ökonomie oder Recht.

Lesezeit: 4 Minuten

Nicht nur Fischzüchter, sondern auch Geflügel- und Schweinehalter interessieren sich zunehmend für die Insektenproduktion als Futtermittel. Doch dabei sind bislang noch einige Fragen offen, etwa welche Auswirkungen die Fütterung hat und welchen Mehrwert der Einsatz von Insekten, auch ökonomisch, bietet. Über diese und weitere Fragen wurde bei der „InnoTour“ vom bayrischen Landwirtschaftsministerium (STMELF) auf dem Fischzuchtbetrieb von Alfred Stier diskutiert, der eine Insektenzuchtanlage betreibt. Neben Landwirten waren u. a. Maschinenhersteller, Start-ups, Forscher, Verbände, Veterinärämter, Landrat und Berater zum fachlichen Austausch vor Ort.

Regionale Proteinquelle und Reststoffverwerter

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Entscheidende Vorteile von Insekten waren aus Sicht der Teilnehmer die regionale Reststoffverwertung und die natürliche Eiweißquelle als mögliches Substitut für Soja. Insbesondere die steigenden Rohstoffpreise und Verknappung gängiger Futtermittel infolge des Ukrainekriegs tragen dazu bei, dass Alternativen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Durch den Einsatz von Reststoffen und Abfällen als Futter für Insekten und durch meist kurze Transportwege sei der Nachhaltigkeitsaspekt gegeben. Würden diese Faktoren beworben, sind aus Sicht der Teilnehmer möglicherweise höhere Erlöse beim Endprodukt zu generieren. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz sei beim Einsatz von Insekten als Futtermittel eher gegeben als beim Einsatz als direktes Lebensmittel.

Insekten als Beschäftigungsmaterial?

Diskutiert wurde auch der mögliche Einsatz von lebend verfütterten Insektenmaden als natürliches „Beschäftigungsmaterial“ für Schwein und Geflügel, um Schwanzbeißen bzw. Federpicken vorzubeugen. Inwiefern Insekten als Beschäftigungsmaterial tatsächlich in der Praxis einsetzbar wären, wurde jedoch kontrovers diskutiert, unter anderem aufgrund des Hygieneaspektes, sollten sich die Maden im Stall verpuppen.

Hürden und Grenzen

  • Kontrovers diskutiert wurde das genaue Einsparpotential an Importfuttermitteln durch die Substitution von Eiweißfutter auf Insektenbasis – dies müsse künftig noch genauer erforscht und beziffert werden.
  • Darüber hinaus sei der Tierschutz mit zu integrieren beim Halten von Insekten sowie Töten und Füttern der Endprodukte.
  • Das Futtermittelrecht war aus Sicht einiger Teilnehmer unklar (Was darf verfüttert werden, insbesondere bei Reststoffen, Fäkalien, Güllereststoffen, Abfällen aus Nahrungsmittelproduktion, Fischrestprotein, Fütterung nicht über Artgrenzen)
  • Die Qualität des Futters aus Maden sollte standardisiert sein hinsichtlich Inhaltsstoffen (Energie, Rohprotein, Rohfett, Spurenelemente, keine Anreicherung von Schadstoffen) und Sicherheit bzw. Verfügbarkeit
  • Gefordert wurde außerdem Sicherheit in der Wertschöpfungskette hinsichtlich Zulieferung/Abnahme, Verfügbarkeit, Qualität, da der Markt für das Endprodukt begrenzt sei.

Wie tauglich als Futtermittel?

Ein dem Bedarf der jeweiligen Tierart entsprechendes Aminosäurenprofil gilt als Voraussetzung für eine erfolgreiche Verfütterung, insbesondere im Bereich der Fischfütterung. In welchem Umfang die Insekten jedoch das derzeit eingesetzte Sojaschrot in der Schweine- und Geflügelfütterung ersetzen können, müsse künftig wissenschaftlich untersucht werden. Die Teilnehmer forderten in diesem Kontext „harte Fakten“. Man müsse dabei etwa die physiologischen Grenzen in der Fütterung bestimmter Tierarten beachten, da z. B. die Broilermast nicht ausschließlich mit Insekten möglich sei.

Neben der entsprechenden Nährstoffkonzentration müsse die Wirtschaftlichkeit beim Einsatz des Insektenproteins gegeben sein. Denn nur wenn es einen ausreichenden Mehrwert, auch ökonomisch gibt, wird die Innovation eine breitere Anwendung in der Praxis finden.

„Zudem muss die Fütterung in bestehende Systeme integrierbar sein. Dies bedeutet auch, dass für eine erfolgreiche Verbreitung zunächst die Art und Weise der Verfütterung, d.h. lebend, getrocknet, als Pulver etc., geklärt werden muss.

Darüber hinaus müsse die Anzahl der für die Insektenzucht zugelassenen Futtermittel künftig erweitert werden.

Insekten brauchen gutes Marketing

Ganz im Sinne von „Tue Gutes und sprich darüber“ sollte den Teilnehmern zufolge ein Marketingkonzept angegangen werden, damit die Innovation erfolgreich verbreitet werden könne. Es müsse Aufmerksamkeit erzeugt und der Verbraucher aufgeklärt werden.

Eine trans-/interdisziplinäre Kommunikation zwischen Praxisbetrieben, Forschung, Wirtschaft, Verbrauchern und Verwaltung ist aus Sicht der Anwesenden notwendig. Die Schaffung und Etablierung einer Koordinierungsstelle seitens des Staates könne zu einem erfolgreichen Gelingen beitragen. Auch eine verstärkte Bildung in der Aus-und Fortbildung bei dem Thema Nutzinsekten sei sinnvoll.

Förderprogramm und politischer Wille gefordert

Um die Innovation erfolgreich voranzutreiben und die Landwirte finanziell zu unterstützen, wurde der Aspekt der Auferlegung eines entsprechenden Förderprogrammes angesprochen.

Finanzielle Nachteile, die durch den Einsatz von Insektenprotein als Beitrag zu einer nachhaltigen Produktion entstehen, sollten den Landwirten ausgeglichen werden.

Finanzielle Nachteile, die durch den Einsatz von Insektenprotein als Beitrag zu einer nachhaltigen Produktion entstehen, sollten den Landwirten ausgeglichen werden.

Ebenso müsse die Innovation für eine erfolgreiche Verbreitung nicht nur lokal vorangetrieben, sondern auch an Brüssel herangetragen werden und als Begriff in die Farm to Fork-Strategie integriert werden. Politische Lobbyarbeit auf Landes-, Bundes-, und EU-Ebene erforderlich, um für geeignete rechtliche Rahmenbedingungen zu sorgen, werde nach Ansicht einiger Teilnehmer mühsam sein.

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