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topplus Fleisch aus dem Bioreaktor

Wie steht es um die Akzeptanz von In-vitro-Fleisch?

In Singapur sind Chicken Nuggets aus dem Labor bereits zugelassen. Ob auch Verbraucher aus Deutschland In-vitro-Fleisch verzehren würden, ist strittig. Einige Studien suchen nach Antworten.

Lesezeit: 5 Minuten

Zahlreiche Unternehmen arbeiten derzeit daran, Fleisch aus dem Labor, sogenanntes In-vitro-Fleisch (IVF) zu erzeugen (mehr zum Herstellungsprozess hier). Während in Singapur Geflügelprodukte aus dem Bioreaktor seit Ende 2020 zugelassen sind, ist der Verzehr von zellbasiertem Fleisch hierzulande noch Zukunftsmusik. Ob und inwieweit In-vitro-Fleisch in Deutschland überhaupt eine Chance hätte, ist unklar. Die Akzeptanz hängt neben technischen und rechtlichen Fragen nicht zuletzt von der Akzeptanz der Konsumenten ab. Einige Studien haben die Verbraucherakzeptanz bereits unter die Lupe genommen und kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Verbraucher sehen mögliche Vorteile, aber auch Risiken

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Im Rahmen des Projektes „Visionen von In-vitro-Fleisch“, welches am Karlsruher Institut für Technologie durchgeführt wurde, gab es 2016 eine qualitative Erhebung zu der Akzeptanz von IVF. Die Erhebung war aufgeteilt in zwei Schritte: eine Gruppendiskussion zweier Fokusgruppen und eine sogenannte „Bürger-Jury“. Die Gruppendiskussionen zeigten, dass viele Teilnehmer zunächst viele potentielle Risiken und Gefahren wahrnahmen, wie zum Beispiel das Quälen der Tiere durch eine regelmäßige Entnahme von Stammzellen. Eine weitere Gefahr sahen die Teilnehmer in einem möglichen Anstieg des Fleischkonsums. Ebenfalls empfanden laut Studie viele Teilnehmer IVF auf den ersten Blick als unnatürlich, würden es jedoch probieren, sofern keine Tiere für die Entnahme der Stammzellen leiden müssten. Einige Teilnehmer sahen allerdings auch positive Eigenschaften in IVF, etwa eine potenzielle Verbesserung der Tierhaltung oder die Schonung der Umwelt.

Im zweiten Teil der Erhebung debattierte die „BürgerJury“, bestehend aus elf Verbrauchern zwischen 18 und 25 Jahren sowie drei Experten (Befürworter und Gegner von IVF). Die Diskutanten kamen unter anderem zu dem Ergebnis, dass pflanzliche Lebensmittel eine bessere Alternative zur Lösung der durch die Tierhaltung entstehenden Probleme wären. IVF wäre allerdings auch die deutlich realistischere Alternative. Laut Studie sahen die Teilnehmer besonders positive Effekte für die Umwelt und Ressourcen. Als negative Aspekte wurden die möglicherweise gesundheitsschädlichen Auswirkungen von IVF sowie der Einfluss auf den Umgang der Menschen mit der Ernährung genannt. Außerdem befürchteten die Teilnehmer, dass einige Menschen in den Entwicklungsländern ihre Existenzgrundlage durch IVF verlieren könnten.

Mehrheit wäre grundsätzlich zum Probieren bereit

Eine andere Studie der Biologiedidaktik der Universität Osnabrück aus dem Jahr 2022 mit rund 500 Männern und Frauen im Alter ab 18 Jahren aus Deutschland zeigte, dass bisher nur gut ein Drittel der Befragten überhaupt schon von „In-vitro-Fleisch“ gehört hat. Mit Blick auf die Akzeptanz zeigte sich Folgendes: „65 % der Befragten gaben nach einer Beschreibung eines In-vitro-Burgers an, sie würden ihn probieren, 50 % könnten sich vorstellen, ihn zu kaufen. 47 % stimmten sogar zu, dass sie einen solchen Burger häufiger anstelle herkömmlichen Fleischs nutzen wollen würden“, fassen die Forscher die Ergebnisse zusammen.

Angst und Ekel seien aber wesentliche Faktoren, die die Akzeptanz beeinflussen, vor allem bei Erwachsenen. Mehr Bildungs- und Informationskampagnen könnten den Forschern zufolge ein erster Schritt sein, um mehr Akzeptanz zu schaffen. Doch auch die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Markteinführung sind eine Hürde.

Zuvor hatten die Probanden folgende Information erhalten: „Es ist jetzt möglich, Fleisch im Labor herzustellen. Wissenschaftler nennen dieses Fleisch auch „kultiviertes Fleisch“. Die Produktion von „Kulturfleisch“ benötigt wenig Platz und das Leiden der Tiere wird vermieden. Daher hat sein Verzehr Vorteile für die Umwelt und im Hinblick auf eine nachhaltige Ernährung.“ Diese Beschreibung sei an andere wissenschaftliche Arbeiten angelehnt.

Akzeptanzraten variieren

Die Akzeptanzraten variieren jedoch meist stark von Studie zu Studie, was u. a. in den unterschiedlichen Stichproben, Studiendesigns und Bezeichnungen von IVF begründet liegt. So wurde in einer Studie von Bekker et al. aus dem Jahr 2016 beobachtet, dass positive oder negative Informationen über IVF die explizite Einstellung in Richtung der Informationen veränderten. Auch demografische Merkmale spielen eine entscheidende Rolle.

Auch die Begrifflichkeiten könnten in dem Kontext eine Rolle spielen. Das Good Food Institute – eine NGO, die sich für pflanzliche und zellbasierte Lebensmittel einsetzt – ist der Frage, welcher Begriff sich für In-vitro-Fleisch am besten eignet, nachgegangen. Man fand heraus, dass Verbraucher „sauberes Fleisch“ wesentlich wahrscheinlicher attraktiv finden als andere Namen, einschließlich „kultiviertes Fleisch“ und „Zellkulturfleisch“.

Internationale Studien

Eine Studie über die Verbraucherakzeptanz aus den Jahren 2018-2020 der University of Bath (UK), der 26 andere empirische Studien zugrunde liegen, ergab, dass die meisten Verbraucher kultiviertes Fleisch probieren würden, es aber nicht unbedingt dauerhaft als Ersatz für herkömmliches Fleisch verwenden würden.

Die meisten Studien zeigten, dass eine Mehrheit der Verbraucher kultiviertes Fleisch zumindest probieren würde, und "beträchtliche Teile" gaben an, dass sie es regelmäßig oder als Ersatz für herkömmliches Fleisch essen würden. Eine Reihe von Studien unterstützt die Ansicht, dass in Amerika, Europa und Asien Verbrauchermärkte für kultiviertes Fleisch existieren. Die Forschungsarbeit nennt jedoch u. a. folgende Akzeptanzhindernisse bei Verbrauchern: Unnatürlichkeit, Sicherheitsbedenken, Ernährungsbedenken/gesundheitliche Aspekte, Vertrauen, Ekel, ethische Bedenken. Den Autoren zufolge werden die Faktoren Preis und Geschmack im Wesentlichen entscheidend über die Konkurrenzfähigkeit von In-vitro-Fleisch sein.

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