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Online: Fleisch aus der Box

Fleisch im Abo nach Hause geliefert bekommen – direkt vom Erzeuger, handwerklich geschlachtet in der Region – das ist das Konzept von zwei Landwirtsfamilien aus Freckenhorst in NRW.

Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der HOFdirekt, dem Magazin für landwirtschaftliche Direktvermarkter.

Eigentlich hatte Julian Siemann nichts mit Landwirtschaft am Hut. Erst über seine Frau Lea, die von einem Milchviehbetrieb in Freckenhorst im Kreis Warendorf stammt, änderte sich das. „Vorher kannte ich nur die Verbrauchersicht“, sagt der gebürtige Thüringer, „ich habe mir aber, wie viele Menschen in der Stadt, regional erzeugtes Fleisch gewünscht.“ Genau solches wie es Leas Vater Heiner Siemann früher einmal im Jahr für den Eigenbedarf schlachten ließ.

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Heute, gut ein Jahr nach der Betriebsübergabe, hat Lea Siemann auf Färsenaufzucht und Mast umgestellt. Ein Großteil der Fläche ist verpachtet. Heiner Siemann unterstützt weiter bei der Versorgung der Tiere sowie der Bewirtschaftung der verbliebenen 5 ha. Als Julian Siemann auf den Hof zog, reifte seine Idee eines Onlineshops für Fleisch heran – gerne in Kooperation mit anderen Landwirten. In der Familie Gronewäller, die 5 km entfernt ihren Betrieb hat, fand er Ver­bündete. Sie gründeten „MyMeatBox“ als Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

Automat als Testballon

Frederike und Michael Gronewäller begannen vor sechs Jahren, Rohmilch, Eier sowie Schweine- und Rindfleisch über Automaten ab Hof zu verkaufen. Das Fleisch war zunächst nur nach vorheriger Anmeldung, vom Schwein im Viertel oder vom Rind im Achtel erhältlich. „Unser Betrieb liegt verkehrsgünstig an einer Verbindungsstraße“, beschreibt die Mittdreißigerin ihren Wettbewerbsvorteil. Der nahe gelegene Fahrradweg sorgt insbesondere am Wochenende für Kundschaft.

Unser Betrieb liegt verkehrsgünstig an einer Verbindungsstraße." - Frederike Gronewäller

Die Automaten waren ein erster Testballon, den die Sozialpädagogin und ihr Mann starteten: „Die Umsätze haben uns Mut gemacht, in einen Verkaufsraum zu investieren, den wir aktuell samstags und künftig öfter öffnen wollen.“

Kundenstruktur verändern sich

Im Umgang mit den Kunden auf dem Hof sind Gronewällers Profis. Doch seit Eröffnung des Onlineshops beobachten sie Veränderungen. „Es kommen neue Kunden auf den Hof, die teils wenig erfahren in der rich­tigen Zubereitung einzelner Teilstücke sind“, sagt das Ehepaar Gronewäller, das ohne die Idee von Julian Siemann nie den Schritt zur Onlinevermarktung gewagt hätte. Julian Siemann war beruflich in der IT-Branche tätig. „Ich komme aus der Welt der ‚neuen Kunden‘“, lacht der 36-Jährige, der sich um die Technik des Onlineshops kümmert.

Anfang Dezember 2021 ging der Shop online. Der Plan des Quartetts, bereits das Weihnachtsgeschäft über das Internet und den Versand bedienen zu können, gelang nur mäßig. „Die Kunden kamen lieber direkt zu uns auf den Hof“, beobachtete Frederike Gronewäller und ergänzt: „darunter aber eben auch viele neue Kunden – manche von weiter weg.“

Mit Box und Abo fürs ganze Tier

Im Onlineshop verkaufen sie, wie der ­Name „MyMeatBox“ sagt, Fleischpakete. „So wollen wir sicherstellen, dass nicht nur die Edelteile, sondern auch weniger beliebte Teilstücke ihren Absatz finden“, erklärt Julian Siemann. Der Kunde hat die Möglichkeit, ein Abo abzuschließen. Dann erhält er im Monats- oder Zwei-Monats-Rhythmus Fleisch – mit Rabatt. Im Gegenzug erhöht sich für das Team von „MyMeatBox“ die Planungssicherheit. Das Angebot des Start-Ups umfasst Fleisch vom Weiderind, Strohschwein und Freilandhähnchen. „Die Hühner kommen von einem Berufskollegen“, erklärt Landwirt Michael Gronewäller. Das übrige Fleisch stammt von Tieren der Familien Gronewäller und Siemann. In zwei Schlachthöfen in Milte, ebenfalls im Kreis Warendorf, werden die Tiere dann geschlachtet und zerlegt.

„Wir verkaufen und verschicken unser Fleisch ausschließlich tiefgekühlt“, erläutert Julian Siemann, der diesen Prozessschritt übernimmt. Damit die Kühlkette lückenlos bleibt, gibt er Kühlakkus und Trockeneis in den mit Papier isolierten Karton. Die Logistik übernimmt DHL. „Derzeit versenden wir mittwochs und das Paket kommt tags darauf beim Kunden an“, so Siemann.

Die Kühlakkus sind wiederverwendbar. „Wer sie zurückschickt, erhält eine Gutschrift für den nächsten Einkauf“, erklärt Lea Siemann, die sich berufsbedingt aus dem Tagesgeschäft raushält. In der Gründungsphase half sie jedoch, als „Blick von außen“, die Zielgruppen zu definieren und die Idee auszu­arbeiten.

30 Boxen statt Vollzeitjob

Den Verkauf der ersten 30 Boxen im Dezember wertet Julian Siemann als positiven Auftakt für das junge Unternehmen. „Um künftig davon leben zu können, müssen wir diese Zahl aber mindestens wöchentlich erreichen“, rechnet der studierte Betriebswirt vor. Zu Jahresbeginn hat er seinen Job gekündigt, um sich fortan dem Shop zu widmen und um sich in die landwirtschaftlichen Abläufe einzuarbeiten.

Influencer im Visier

Die Kommunikationsstrategie für My­MeatBox unterscheidet sich nahezu vollständig von der bis­herigen der Familie Gronewäller. „Wir haben immer Wert auf den direkten Kontakt mit unseren Kunden gelegt“, sagt Frederike Gronewäller, „hatten natürlich unsere Homepage, waren aber nicht auf facebook oder insta aktiv.“ Doch mit dem Onlineshop änderte sich die Zielgruppe, hin zu jungen Familien aus größeren Städten, die sich bewusst mit ihrer Ernährung und der Herkunft ihrer Lebensmittel auseinandersetzen.

Wenn wir die jungen Familien in großen Städten erreichen wollen, dann müssen wir genau da präsent sein, wo sie sich auch bewegen: in den sozialen Medien.“- Julian Siemann.

Julian Siemann ergänzt: „Aktuell führe ich viele Gespräche mit Foodbloggern, Berufskollegen und Gastronomen.“ Seine Vision: Digitale Werbebotschafter mit Produkten versorgen, die sie dann öffentlichkeitswirksam im Internet in Szene setzen. „Wenn wir die jungen Familien in großen Städten erreichen wollen, dann müssen wir genau da präsent sein, wo sie sich auch bewegen: in den sozialen Medien“, erklärt Julian Siemann.

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