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topplus Wollte Müller nur die Marke?

Mitarbeiter wollen Landliebe-Standort Heilbronn retten

Betriebsrat und Gewerkschaft des Heilbronner Landliebe-Werks wollen zur Rettung des Standorts einen Käufer finden oder den Müller-Konzern davon überzeugen, die Molkerei doch nicht zu schließen.

Lesezeit: 4 Minuten

Die Unternehmensgruppe Theo Müller will bekanntlich die beiden baden-württembergischen Molkereistandorte Heilbronn und Schefflenz bis Sommer 2026 schrittweise stillgelegen. Die Firma begründet das mit Kostendruck und Investitionsbedarf sowie die derzeitig herausfordernde Marktsituation. Insbesondere das Joghurtwerk in Heilbronn habe sich zudem ein enormer Investitionsbedarf aufgestaut, heißt es.

Müller hatte Landliebe erst im April 2023 von Friesland Campina übernommen. Nachdem das Kölner Werk geschlossen wurde, dachten die Mitarbeiter, die anderen Standorte seien sicher.

Schließung ein Schock

Betriebsrat und Gewerkschaft wollen die nun angekündigte Schließung so nicht hinnehmen und trafen sich am Dienstag im Heilbronner Landliebe-Werk. Die Arbeitnehmer wollen das Werk retten und einen potenziellen Käufer suchen. Auch alternative Konzepte haben sie entwickelt.

Frank Meckes von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hatte sich laut SWR nach einem ersten Gespräch mit Müller-Verantwortlichen Anfang April allerdings sehr ernüchtert gezeigt. Am 18. April sei jetzt ein weiteres Treffen in Frankfurt am Main geplant, sagte der Gewerkschafter dem SWR. Meckes fordert, dass Müller die Vorschläge der Arbeitnehmervertreter ernsthaft prüft und analysiert. Er wolle keine reine "Alibi-Veranstaltung“. Aktuell gebe es noch keinen Interessenten für den Heilbronner Standort, so der NGG-Vertreter.

Die plötzliche und kurzfristige Ankündigung ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten.

Intensiv befassen sich die Arbeitnehmervertreter gerade auch mit Alternativkonzepten zur Schließung. Konkret geht es etwa um neue Produkte, die in Heilbronn produziert werden könnten. Es gebe vor Ort auch ein großes Kühllager, welches für Dienstleistungen genutzt werden könne.

Der örtliche Betriebsrat hat zudem einen Wirtschaftsprüfer und Anwälte beauftragt, die das Zahlenwerk des Standorts genau prüfen würden. Beim Termin in Frankfurt würden erste Zahlen präsentiert, so Meckes.

Wollte Müller nur die Markenrechte?

Die Arbeitnehmervertreter erheben weiter den Vorwurf, dem Molkereikonzern sei es gar nicht um den Standort Heilbronn gegangen. Müller habe sich nur die Marke Landliebe sichern und seine Marktmacht ausbauen wollen.

„Uns drängt sich immer stärker der Verdacht auf, dass der Müller-Konzern die Marke Landliebe offensichtlich nur gekauft hat, um Konkurrenz loszuwerden und seine Marktposition noch stärker auszubauen“, schreibt die Gewerkschaft.

Im Internet läuft aktuell auch noch eine Petition der NGG mit dem Aufruf "Landliebe muss bleiben!". 4.422 Menschen haben diese bis jetzt unterzeichnet. 5.000 Unterschriften sind nötig, um sie an den baden-württembergischen Landtag weitergeben zu können.

Vorbild Knorr-Rettung?

„Statt die traditionsreichen Werke in Heilbronn und Schefflenz aufzugeben, fordern wir Müller auf, Investitionen in Produktionstechnologien und Infrastruktur zu tätigen und damit das Potential der Standorte in Heilbronn und Schefflenz zu nutzen und auszubauen“, heißt es im Begleittext zur Petition.

Die Initiatoren verweisen auf die Rettung des Unilever Standortes in Heilbronn. Dies sei ein Beispiel, für erfolgreichen Widerstand gegen Schließungspläne eines Großkonzerns. Gemeinsam mit dem Betriebsrat von Knorr Heilbronn konnte die Gewerkschaft NGG damals den Mutterkonzern Unilever mit einem Alternativkonzept und neuen Tarifverträgen überzeugen, das Werk nicht zu schließen. Stattdessen wurde vereinbart, Investitionen in Anlagen und Prozesse zu tätigen, Perspektiven für Beschäftigte herzustellen und das Bekenntnis die Fabrik als europäische Grundlastfabrik auszubauen. Damit verbunden war eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2030.

„Daraus lässt sich erkennen, wenn der Wille eines Unternehmens existiert, können Entscheidungen zurückgenommen und zugunsten von Zukunftsaussichten geändert werden“, so die NGG.

Fachkräfte gehen jetzt auf Jobsuche

Die Produktion in den Landliebe-Werken ist allerdings komplex. Man braucht teils hoch spezialisiertes Personal, um solche Produktionsanlagen zu betreiben, sagte Friedemann Vogt, der Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken in Schrozberg (Kreis Schwäbisch Hall), schon im Januar dem SWR. Bei ihm seien schon Anrufe aus Heilbronn eingegangen, weil sich Leute bewerben möchten. In der Branche herrscht Fachkräftemangel. "Wir haben in ganz verschiedenen Bereichen offene Stellen", so Vogt.

Manfred Grab von der Arbeitsagentur Heilbronn sieht für viele Betroffene bei Landliebe gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nicht nur in den Molkereibetrieben in Schwäbisch Hall, Crailsheim oder Schrozberg (beide Kreis Schwäbisch Hall). Wichtig sei, dass sich die Menschen rechtzeitig bei der Agentur meldeten, nicht erst, wenn die Kündigung da ist. So könnten auch schon parallel Weiterqualifizierungen gefördert werden.

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