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Besamung: Machen oder machen lassen?

Eigenbestandsbesamung oder Servicetechniker: Für beide Modelle gibt es Vor- und Nachteile. Wir haben nachgefragt, welche Voraussetzungen gelten und für wen sich welches Verfahren eignet.

Lesezeit: 6 Minuten

top agrar-Praktikant Noah Voß hat mit verschiedenen Experten zum Thema Besamung gesprochen und die Vor- und Nachteile der Eigenbestandsbesamung heraus gearbeitet.

Voraussetzung für die Milchproduktion ist eine regelmäßige Trächtigkeit der Kühe. Ob verlängerte Zwischenkalbezeit oder nicht: Jeder Güsttag, in dem Jungrinder oder Kühe ungeplant nicht tragend sind, kostet Geld. Laut dem Tierarzt Dr. Joachim Lübbo Kleen variieren diese Kosten von Betrieb zu Betrieb. Im Schnitt liegen sie bei rund 2,50 €/Tag.

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Umso wichtiger ist es, die Besamung genau zu planen. Auf Betrieben, die künstlich besamen, übernehmen das häufig der Techniker des Zuchtverbandes oder der Hoftierarzt. Immer mehr Landwirte lassen sich aber auch zum Eigenbestandsbesamer (EBB) ausbilden. Zumindest berichten die Zuchtverbände über regelmäßig ausgebuchte Lehrgänge. Was sind die Gründe für die Ausbildung?

Der Lehrgang

„Die meisten Landwirte, die einen EBB-Lehrgang absolvieren, wollen sich persönlich weiterentwickeln, unabhängiger, flexibler im Stall reagieren können und Kosten sparen“, schildert Dr. ­Joachim Lübbo Kleen. Er ist selbst Ausbilder am Gut Hohen ­Luckow in Mecklenburg-Vorpommern. Er erklärt: „Wenn Landwirte ihre Tiere selbst besamen wollen, müssen sie zunächst einen Lehrgang absolvieren.“ Diesen bieten fast alle Zuchtunternehmen und Besamungsstationen, aber auch Landwirtschaftskammern, bzw. Lehr- und Versuchsbetriebe an. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen befassen sich während des Kurses mit

  • dem rechtlichen Rahmen,
  • der Anatomie der Kuh,
  • dem Umgang mit Samenportionen,
  • sowie dem Ablauf der Besamung in Theorie und Praxis.

Am Ende müssen angehende Eigenbestandsbesamer eine Prüfung absolvieren, um die Qualifikation zu erreichen. „Hat er diese in der Tasche, darf er allerdings ausschließlich eigene Tiere, bzw. Kühe des Betriebes vom Arbeitgeber besamen“, erklärt Joachim Lübbo Kleen.

Der Lehrgang zum Eigenbestandsbesamer dauert in der Regel fünf Tage. „Trotz praktischer Übungen fehlt jedoch die Routine, die sich erst nach einer größeren Anzahl von selbst durchgeführten Besamungen einstellt. Das dauert unterschiedlich lange“, sagt der Tierarzt. Anfänger sollten deshalb bei der ersten Trächtigkeitsuntersuchung (TU) keine großen Erfolge erwarten.

Die Konzeptionsrate, also der prozentuale Anteil tragender Kühe von den besamten Kühen, liegt laut Dr. Joachim Lübbo Kleen im Durchschnitt bei 35 %. Bei Anfängern sinkt die Rate oft auf 15 bis 20 %. Deshalb empfiehlt er EBB-Anfängern, die Verantwortung für den Besamungserfolg in den ersten drei Monaten mit dem Tierarzt oder Besamungstechniker zu teilen. „Sie erkennen frühzeitig Fehler bevor sie zur Gewohnheit werden“, sagt er.

Dr. Ulrich Janowitz ist Leiter der Besamungsstation der Rinder Union West (RUW) in Borken und kennt typische Anfängerfehler: „Um die Cervix gut ertasten zu können, sollten Anfänger den Darm gründlich ausräumen. Das wird häufig vernachlässigt.“

Vier bis zwölf Stunden nach der Hauptbrunst ist der optimale Besamungszeitpunkt. „EBB sind oft unsicher, wann dieser Zeitpunkt erreicht ist“, weiß Dr. Ulrich Janowitz aus der Praxis. Anfängern schlägt er deshalb vor, zweimal innerhalb eines Tages zu besamen. „Das erhöht die Sicherheit auf eine Trächtigkeit“, erklärt er. Allerdings steigen dadurch auch die Spermakosten. Er rät daher genau zu kalku­lieren, ob sich der Aufwand von beispielsweise 3,5 Spermaportionen pro Trächtigkeit rechnet, wenn ein Techniker nur 1,5 benötigt.

Zeitmanagement: Besamungen gehen vor

Nicht nur der Zeitpunkt ist wichtig. EBB müssen sich auch Zeit nehmen, um Kühe tragend zu bekommen. Denn bei einer nicht fachgerechten Besamung entstehen Kosten: Zum einen ist die Spermaportion verschwendet. „Bei sehr guten Bullen, kann das Kosten im dreistelligen Bereich verursachen“, verdeutlicht Dr. Ulrich Janowitz. Zum anderen steigt ggf. die Zwischenkalbezeit über den Zielbereich des Landwirtes, was sich wiederum auf das Management auswirken kann.

Wenn Betriebe selbst besamen, ist in der Regel nur eine Person dafür verantwortlich. Die Besamung sollte aber auch in Arbeitsspitzen Priorität haben. „Im Krankheitsfall oder bei Problemen ist es sinnvoll, wenn sich EBB vom Techniker unterstützen lassen. Solche Kooperation klappen immer häufiger sehr gut“, sagt Dr. Ulrich Janowitz. Gegenüber dem EBB bringt der Besamungstechniker die tägliche Arbeitsroutine und viel Erfahrungen mit. Anders als der Lehrgang zum EBB umfasst diese Ausbildung vier Wochen. „Dabei spielt die Praxis eine wichtige Rolle“, betont Christian Büttel. Er organisiert sowohl EBB- als auch Technikerlehrgänge beim Besamungsverein Neustadt a. d. Aisch (Bayern).

An der Technikerausbildung darf jeder teilnehmen, der das 18. Lebensjahr vollendet und eine Ausbildung oder ein Studium mit Tierhaltungsthemen abgeschlossen hat. Qualifiziert sind auch Personen, die ein sechsmonatiges Praktikum in einer Besamungsstation oder eine vierjährige Berufserfahrung auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit zusätzlichem Kurzlehrgang zum EBB in der Tasche haben.

„Zusätzlich zu den Kenntnissen, die der EBB erlangt, erhalten die Techniker eine viel intensivere Ausbildung im Bereich Zucht- und Fruchtbarkeitsberatung und werden auch in den Themenbereichen Kundengewinnung und -betreuung geschult“, erklärt Christian Büttel.

Dr. Ulrich Janowitz hebt den Vorteil der Zusammenarbeit mit einem Besamungstechniker hervor: „Der Landwirt profitiert von einem breiteren Dienstleistungsangebot“, betont er. Techniker können z. B. auch Trächtigkeits- und Fruchtbarkeitsuntersuchungen durchführen, wenn sie entsprechende Weiterbildungen absolviert haben.

Der richtige Zeitpunkt

Doch die Arbeit mit dem Techniker kann auch Nachteile haben: Ist eine Kuh brünstig, muss sich der Tierhalter an die Termine bzw. Fahrtroute des Besamungstechnikers oder Tierarztes halten und ggf. warten. Wenn beispielsweise abends beim Stallrundgang eine Kuh brünstig ist, kann der Techniker sie erst am nächsten Morgen besamen. So könnte der optimale Zeitpunkt zur Besamung verstreichen. Dr. Ulrich Janowitz erklärt dazu: „Wenn der Techniker jeden Tag um die gleiche Uhrzeit kommt, ist es absolut ausreichend einmal am Tag zu besamen.“

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Kühe je nach betrieblichen Gegebenheiten für längere Zeit fixiert sind. Wenn der Techniker alleine in den Stall geht, dürfen außerdem keine anderen Rinder frei herum laufen. Das gilt seit April 2021 laut einer Regelung der Berufsgenossenschaft für alle Personen, die im Stall arbeiten (siehe top agrar 1/2022).

Neben dem Unfallrisiko birgt ein Besamungstechniker immer auch das Risiko Krankheiten einzuschleppen wenn er von Betrieb zu Betrieb fährt. Milchviehhalter sollten deshalb betriebseigene Stiefel und Kleidung bereit stellen.

Wofür also entscheiden: Selbst besamen oder doch einen Profi kommen lassen? Ein direkter Vergleich der Kosten von Besamungsservice und EBB ist schwierig, denn jedes Zuchtunternehmen rechnet den Service unterschiedlich ab. In den meisten Fällen werden Anfahrtskosten berechnet und Aufschläge für die Arbeit am Wochenende bzw. Feiertagen verlangt. Der Spermapreis ist teilweise entkoppelt von den Dienstleistungen oder wird in einem Gesamtpreis einkalkuliert.

Eine Kostenfrage?

Während ein EBB keine Anfahrtskosten zahlen muss, fallen zusätzlich zu den Spermakosten hauptsächlich einmalige Gebühren für Lehrgang und Equipment an. Laut Dr. Ulrich Janowitz beläuft sich die Summe auf rund 1.200 € (500 € Lehrgang, 250 € Auftaugerät, 450 € Stickstoffbehälter, 50 € Besamungsutensilien).

Neben der Kostenfrage ist vor allem entscheidend, welches System einen höheren Besamungserfolg erzielt. Christian Büttel vom Besamungsverein Neustadt a. d. Aisch ist überzeugt: „Landwirte, die mit unserem Service zufrieden sind, überlegen selten in die EBB zu wechseln.“

Schlussendlich muss das Besamungssystem zu den betriebsindividuellen Abläufen passen. Tierarzt Dr. Joachim Lübbo Kleen betont: „Um als Eigenbestandsbesamer erfolgreich zu sein, braucht es Lernbereitschaft, Ruhe und Verständnis für das Tier.“

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