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topplus Reportage

Bessere Eutergesundheit, mehr Milch und mehr Zeit durch optimierten Melkstand

Mehr Freizeit und bessere Lebensbedingungen für ihre Kühe versprachen sich Stefan und Sonja Welte von einer Melkstandoptimierung. Auch Eutergesundheit und Milchleistung haben profitiert.

Lesezeit: 5 Minuten

Als Josef und Stefan Welte im Jahr 2001 ihren Laufstall von 40 auf 76 Plätze für die melkenden Kühe erweiterten, blieb der Melkstand unverändert. In dem Doppel-4er-Fischgrätenmelkstand dauerte das Melken je 2 bis 2,5 Stunden. Die Familie steckte in der Arbeitsfalle. Die veraltete Technik und das zunehmend hektische Melken wirkten sich auf Milchleistung und Zellzahl aus. Hinzu kam, dass auch die Maße des 38 Jahre alten Melkstandes ohne automatische Abnahme nicht mehr zu der Größe der Kühe passten. Knapp ein Viertel der Herde ließ sich daher nur auf einer Seite des Melkstandes melken. „Wir mussten dringend etwas verändern. Auch vor dem Hintergrund, dass uns irgendwann nicht mehr so viele Arbeitskräfte für die Stallarbeit zur Verfügung stehen könnten“, erinnert sich Sonja Welte.

Für Melkstand entschieden

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Das Ehepaar begann schließlich mit der Planung. „Unser Ziel war, dass im Notfall auch eine Person alleine die tägliche Arbeit erledigen kann. Dafür darf die Melkzeit nicht zu lange dauern“, erklärt Stefan Welte. Zuvor hatte der Betrieb deshalb bereits in einen automatischen Spaltenschieber und einen automatischen Futterschieber investiert.

Sie ließen sich von mehreren Melktechnikherstellern beraten und hatten die Möglichkeit, bei einem Berufskollegen mitzumelken. „Das kann ich jedem empfehlen, der auf der Suche nach der richtigen Technik ist“, so der Landwirt. Schließlich entschieden sie sich 2018 für den Umbau zu einem Doppel-7er Steile Fischgräte der Firma GEA. Der Umstieg auf Melkroboter kam für die Familie nicht infrage, denn ein Roboter wäre für die aktuelle Herdengröße nicht ausreichend. Außerdem befürchteten sie, aufgrund der schmalen Laufgänge im Bereich des 1980er-Stalles, häufig nachtreiben zu müssen. Die technische Ausstattung wollten sie im Zuge des Umbaus auf den neuesten Stand bringen: Neben einer Tiererkennung und Milchmengenmessung investierten sie in das System Cow Scout, das die Aktivität der Tiere erfasst.

Umbau gut vorbereitet

Sonja Welte kamen in der Umbauphase ihre Erfahrung als Bauzeichnerin in einem Architekturbüro für Stallplanung zugute. „Der Umbau des Melkstands im laufenden Betrieb ist wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt Sonja Welte. Alle Schritte müssen gut ineinandergreifen. Deshalb wählten sie den Zeitraum für die intensive Bauphase so, dass von den 88 Braun- und Fleckviehkühen viele trockenstanden. Auch über einen Weidemelkstand hatte die Familie nachgedacht. Doch sie befürchteten, dass die Kühe zu lange brauchen, um sich daran zu gewöhnen.

Standflächen breiter

Auf der (in Richtung Austrieb blickend) linken Seite des Melkstandes setzten sie vor der intensiven Umbauphase einen Überzug ein, der einen störenden Unterzug ersetzte. Dann wurde die Außenwand geöffnet, sodass nur noch eine 98 cm hohe Mauer stehenblieb. Über der Mauer wurde eine Längstraverse montiert, um darauf drei Quertraversen aufzulegen, an denen später das Melkstandgerüst befestigt werden sollte.

Die intensive Umbauphase lief danach über drei Wochen. Ziel war, auf beiden Seiten des Melkstandes eine breitere Standfläche zu schaffen, damit sieben statt vorher vier Kühe in einer steilen Fischgräte stehen können: Während die Arbeiten auf der linken Seite liefen, konnte das Ehepaar über vier Tage alle Kühe ausschließlich an den vier Plätzen der anderen Seite melken. „Wir haben morgens sehr früh angefangen, damit die Handwerker und Melktechniker gleich um 8 Uhr mit ihrer Arbeit starten konnten“, erinnert sich Sonja Welte.

Sie fliesten die Wände, installierten die neue Melktechnik sowie die Elektrik. Das neue Standgerüst zur Melkgrube konnten sie noch etwas weiter nach innen setzen. Erst als alles installiert war, entfernten sie das alte Standgerüst und montierten die gekürzten Frontbügel für sieben Kühe. So entstand ausreichend Platz, damit die Kühe in der Position steile Fischgräte stehen können. Dabei strecken sie ihren Kopf jetzt über die Außenwand.

Melkgrube verkleinert

Danach ging es auf der rechten Seite des Melkstandes weiter: Dort ließ sich die Standfläche der rechten Melkstandseite um 50 cm in Richtung Melkgrube hinein vergrößern. Hier hatten die Landwirte Glück, dass die Melkgrube vorher sehr breit war, sodass auch nach dem Umbau noch eine Breite von 1,8 m blieb. Das bedeutete aber auch, dass Milch- und Vakuumleitungen entfernt und anschließend neu verlegt werden mussten.

Wegen der breiteren Standfläche mussten die Handwerker die Eingänge und Treppen an den Frontseiten verlegen. Außerdem bauten sie für den Eingang der Kühe an der linken Melkstandseite das Tor eines 30°-Fischgrätenmelkstandes ein.

Durch den Umbau ist der Gang, über den die Kühe den Melkstand verlassen, schmaler geworden. „Das ist nicht ganz optimal“, sagt Sonja Welte, „aber man muss beim Umbau auch Kompromisse eingehen.“ Die Familie ist dankbar, dass ihr kompetente und zuverlässige Handwerker beim Melkstandumbau beiseite standen.

Gesündere Kühe ohne Neubau

Der Umbau kostete den Betrieb insgesamt ca. 140.000 €. Doch die Investition zahlte sich schnell aus, so Stefan Welte: „Wir konnten den Personaleinsatz fürs Melken halbieren und die Melkzeit deutlich reduzieren.“ Jetzt braucht eine Person inklusive Reinigungsarbeiten 1,5 Std. Eine weitere Person treibt Kühe zum Melkstand und erledigt die Stallarbeiten. Zufrieden sind sie auch mit der neuen Aufstellung der Kühe in steiler Fischgräte. „Da wir jetzt näher am Euter stehen, ist das Ansetzen einfacher und die Körperhaltung angenehmer als vorher.“

Auch die Tiergesundheit verbesserte sich: Der Zellgehalt in der Milch sank inzwischen auf etwa 100.000/ml. Vermutlich spielte hier vorher die veraltete Technik ohne Abnahmeautomatik und der Stress für Tier und Mensch beim Melken eine Rolle. Die neue Melktechnik, die Aktivitätserfassung und der zusätzliche Platz im Melkstand hatten auch einen positiven Einfluss auf die Tiergesundheit insgesamt. Inzwischen sind 33 % der Herde mind. in der fünften Laktation und die durchschnittliche Lebensleistung stieg um 3.000 kg. Das Ehepaar ist sich sicher: Der Umbau war ein Gewinn für Mensch und Tier.

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