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Melken: Das hilft beim Anlernen von Färsen

Färsen, die freiwillig und entspannt zum Melken gehen – das ist das Ziel nach dem ersten Anlernen. Tipps dafür geben Beraterin Ulrike Stibbe und zwei Praktiker.

Lesezeit: 4 Minuten

"Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Dies gilt auch für Färsen beim ersten Melken“, sagt Ulrike Stibbe, Milchviehspezialberaterin bei der Agrarberatung KoeslingAnderson. Sie ist überzeugt: Wenn Jungkühe beim ersten Melken positive Erfahrungen machen, wirkt das lange nach. Dann laufen sie freiwillig zum Melkstand oder -roboter.

Zwei Reportagen zum Thema "Färsen anlernen" finden Sie hier:

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Verständnis fürs Tier

Doch für das erste Anlernen fehlt häufig Zeit. Milchviehherden wachsen und Arbeitskräfte müssen immer mehr Tiere betreuen. Besonders Fachfremde sind im Umgang mit Rindern weniger erfahren. Dabei sind für die Milchproduktion ruhige Tiere ohne Angst vor dem Menschen wichtig. Hinzu kommt: Wenn Rinder in Panik geraten, können sie sich oder den Menschen verletzen.

Wie also lässt sich der erste Kontakt von Färsen mit der unbekannten Melktechnik in einer ungewohnten Umgebung gestalten? Ulrike Stibbe gibt Tierhalterinnen und Tierhaltern Tipps:

  • Extreme Lichtübergänge vermeiden: Kühe sind sensible Fluchttiere, die über ein 330° Sichtfeld verfügen. Jedoch ist ihre Sehschärfe und die Möglichkeit Kontraste zu erkennen, schlecht ausgeprägt: Ihre Augen brauchen etwa fünfmal länger als die des Menschen, um sich an Helligkeitsunterschiede anzupassen. Daher benötigen Kühe mehr Zeit, um einen Schatten, ein Loch im Boden oder eine Stufe zu unterscheiden. Extrem helle bzw. dunkle Bereiche sind zu vermeiden.
  • Lärm vermeiden: Der Geruchs- und Hörsinn von Rindern ist sehr gut ausgeprägt. Kühe können die Angst ihrer Herdengefährten riechen und Geräusche in einem hohen Frequenzbereich hören, die der Mensch nicht erfassen kann. Das Hören ist für Kühe wichtiger als das Sehen. Alle störenden Geräusche sollten vermieden werden.
  • In Kleingruppen: Rinder sind Herdentiere. Es ist sinnvoll, eine Färse nicht alleine, sondern mit zwei oder drei anderen Kühen zu bewegen. Gitter, die einen Gang auf den Robotereingang hin bilden, können beim Zutrieb zum Roboter helfen. Trittsichere Bodenverhältnisse vermeiden Unsicherheit.
  • Treibwege mit System: Rinder sind neugierig, wenn man ihnen Zeit gibt sich zu orientieren. Treibwege und Tore sollten sie automatisch leiten. Statt langer, gerader Treibwege nutzen Rinder gerne Wege, die um die Kurve führen. Sie haben das Gefühl, wieder dort anzukommen, woher sie gekommen sind. Geschlossene Seitenwände sind sinnvoll, um Ablenkungen zu vermeiden.
  • Zügig Ansetzen: Vor allem bei automatische Melksystemen sind Färsen mit hohem und geschwollenem Euter eine Herausforderung. Daher ist es wichtig, die Tiere gut vorzubereiten (bspw. Euterhaare entfernen).
  • Bekanntes Lockfutter: Es kann sinnvoll sein, die Färsen schon vor der Kalbung mit dem meist pelletierten Kraftfutter vom Melkroboter vertraut zu machen. So ist das Futtermittel bekannt und positiv verknüpft.

Von Kälberalter an

Färsen vor dem Kalben in die Milchviehherde zu integrieren, kann bei der Eingewöhnung helfen. Häufiges Umgruppieren ist aber nicht zu empfehlen.

Der Futterwechsel, die veränderten Haltungsbedingungen und Rangordnungskämpfe in der Herde sind Stressfaktoren für die tragende Färse."
Ulrike Stibbe

Genauso wie Hitzestress könnten diese Stressoren das Immunsystem der Tiere negativ beeinflussen. Dies kann den Vorteil, den Stall oder Melkplatz kennenzulernen, aufwiegen.

Betriebe machen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Färsen: Während die Färsen bei einigen längere Zeit Hilfe brauchen, beklagen andere, dass die Färsen zu häufig den Roboter besuchen. Eine Ursache könnte laut Ulrike Stibbe die Aufzucht sein. Studien zeigen, dass die ersten drei Lebenswochen eines Kalbes entscheidend sind, um das Tier an die Berührungen des Menschen zu gewöhnen. Auch die Erfahrungen in der weiteren Aufzucht spielen eine Rolle. Kühe haben ein sehr gutes Gedächtnis.

Die wichtigste Info für das Tier ist die Körpersprache des Menschen. Wer mit den Armen herumfuchtelt oder laut ruft, schafft kein Vertrauen. Eine ruhige und souverän agierende Person sollte langsam, aber sicher den Druck auf das Tier verstärken. Reagiert das Tier, nehme ich den Druck wieder zurück. „Low Stress Stockmanship“ heißt diese Methode. Schulungen zu diesem Thema können einen Beitrag zu Arbeitssicherheit und Tiergesundheit leisten.

Ulrike Stibbe betont: „Wenn Kühe den Menschen einschätzen und ihm vertrauen können, erleichtert es das erste Melken und so jede weitere Melkzeit.“

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