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topplus Viel Komfort, hohe Leistungen

Ruhe-Agrar mästet 1.600 Bullen für Haltungsform 3

Die Ruhe-Unternehmensgruppe setzt bei der Bullenmast auf viel Komfort und hohe Leistungen.​ Das Fleisch vermarktet der Betrieb zum Teil über eine eigene Fleischmanufaktur.

Lesezeit: 6 Minuten

Die Luft ist rein – das ist Fakt im Bullenstall der Agrarvereinigung in Darchau (Niedersachsen), die zur Ruhe-Unternehmensgruppe gehört. Von den insgesamt 1.600 Fleckvieh-Bullen in sechs Ställen ist wenig zu riechen. Und auch sonst machen sich die Tiere kaum bemerkbar. Sie liegen entspannt in ihren Buchten. Von lautem Bölken keine Spur.

„Wir wollen den Tieren viel Komfort bieten und später eine gute Fleischqualität erreichen“ sagt Laura Pelters, die das standortübergreifende Tiermanagement der Ruhe-Unternehmensgruppe übernimmt. Seit 2021 vermarktet der landwirtschaftliche Betrieb das Fleisch der Bullen in Haltungsform 3. Zwei Mitarbeiter betreuen die Tiere.

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Vier Quadratmeter pro Bulle

Noch vor sechs Jahren gab es an dem Standort rund 400 Milchkühe inklusive Nachzucht. Der Mangel an Arbeitskräften und die damaligen schlechten Milchpreise durch den Quotenwegfall waren die Hauptgründe dafür, die Kühe abzuschaffen.

„Wir befinden uns in der Elbmarschregion. Der Standort mit hohem Grünlandanteil eignet sich gut für Rinder“, sagt Nando Pamperin, der den Standort in Darchau leitet. Von den 400 ha Grünland sind 120 ha extensives Deichvorland. Durch Hochwasser kann es mit Dioxin belastet sein und darf deshalb nicht in die Nahrungskette gelangen. Der Aufwuchs ist also ungeeignet für Nutztiere, deren Fleisch vermarktet wird und geht deshalb in die Biogasanlage.

„Um die drei Milchviehställe von 1973 zu erhalten und auch das Grünland zu verwerten, haben wir uns 2016 entschieden, die Ställe für Bullen umzubauen“, so der Betriebsleiter. Nur die Außenhülle und der Güllekanal sind geblieben, ansonsten haben sie den Stall komplett entkernt und den ehemaligen Melkstand abgerissen.

Der Stall besteht aus vier Buchtenreihen und zwei Futtertischen. Jede Bullengruppe hat zwei Nippeltränken und eine Schalentränke zur Verfügung. 2019 kamen noch drei weitere Offenfrontställe dazu – natürlich mit viel Komfort. Ursprünglich hatte jeder Bulle 3,5 m² Platz.

Seitdem die Agrarvereinigung Fleisch für Haltungsform 3 liefert, hat jedes Tier 4 m² Platz. „Der Zuschlag rentiert sich auch, wenn wir jetzt ein Tier pro Bucht weniger halten“, so Pelters. In den Altgebäuden befinden sich nun 230 Bullen pro Stall bzw. fünf je Bucht. In den Neubauten sind es 300 Tiere pro Stall bzw. sechs je Bucht.

Alle Ställe sind mit Vollspalten und Gummiauflage ausgestattet. Unter den Spalten befindet sich ein 30 cm tiefer Güllekanal. Ein Unterflurschieber schiebt diesen dreimal täglich in den Mittelkanal ab. Dieser verbindet jeweils drei Ställe miteinander und führt direkt in die betriebseigene Biogasanlage. Auf beiden Seiten befindet sich jeweils ein Rührwerk.

Das System funktioniert automatisch mit einer Zeitschaltuhr. Damit die Gülle pumpfähig bleibt, wird das Wasser von den Dachflächen und aus dem Hofablauf automatisch hinzudosiert. Die Menge bestimmt ein Sensor. „Mit dem System sind die Emissionen sehr gering. Das Gesamtkonzept hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit einer um 25 % höheren CO2-Einsparung im Vergleich zu niedersächsischen Betrieben zertifiziert“, sagt Pelters.

Alle Fresser aus einem Stall

Die Mast ist im Vergleich zu anderen Betrieben kürzer. Die Mastdauer liegt bei durchschnittlich zwölf Monaten mit Tagszunahmen von 1.500 bis . 550 g.

Eingestallt werden die Fresser mit 200 bis 220 kg. Alle Tiere stammen von dem Betrieb Kühling aus Lüsche in Niedersachsen (top agrar berichtete).

Dieser kauft die Kälber aus Bayern zu und mästet sie 120 Tage. Am Ende der Fresseraufzucht bekommen die Tiere eine angepasste Ration, um die Futterumstellung zu erleichtern.

Um die Entwicklung der Tiere erfassen zu können, wiegt der Betrieb monatlich eine Bullengruppe pro Stall. Diese Tiere gelten dann für den gesamten Mastdurchgang als Referenz für die täglichen Zunahmen. Danach richtet sich auch die Futterration.

Aktuell setzt sich die Ration für Tiere mit 450 kg Lebendgewicht wie folgt zusammen: 73 % Maissilage, 14 % Grassilage, 6 % Rapsschrot, 4 % Körnermais, 2 % Roggenschrot und Mineralfutter. Das Mischen, Verteilen und Anschieben des Futters übernehmen insgesamt fünf Fütterungsroboter der Firma Wasserbauer.

Zwei Roboter fahren in den alten und drei Roboter in den neuen Ställen. Die Komponenten laden sie an zwei Stationen. Dort gibt es jeweils zwei Bunker für Mais, einen für Gras und ein Sacksilo für Mineralfutter. Die Kraftfuttersilos stehen etwas weiter entfernt, damit die anliefernden Lkw nicht auf die Hofstelle fahren müssen. Von den Silos führen Schnecken direkt in die Futterstationen.

Roboter füttern mehrmals

Die Fresser starten mit etwa 12 kg Frischmasse pro Tier und Tag und steigern sich während der Mast auf 24 kg. Ein Berater hat die Ration berechnet. Ein selbst geschriebenes Programm passt wöchentlich die Ration an. Die Fütterungsroboter wissen, wie viele Tiere sich pro Bucht befinden und verteilen das Futter dementsprechend.

Viermal täglich fahren sie durch die Ställe. Jeder Roboter fasst 2,3 m³, was etwa 750 kg pro Fahrt entspricht. Betriebsleiter Nando Pamperin versucht, dass so wenig Restfutter wie möglich im Trog anfällt. „Manchmal haben die Bullen kein Futter mehr vorliegen. Das ist ok, solange die Tiere ruhig sind.“

Am Ende der Mastperiode haben die Tiere ein Lebendgewicht von etwa 750 bis 770 kg. Das entspricht einem Schlachtgewicht von 430 bis 450 kg.

Eigene Fleischmanufaktur

Den Großteil der Bullen aus Darchau holt ein Viehhändler ab und bringt sie zum Schlachthof. Etwa 80 Tiere pro Jahr verarbeitet die Rosiener Fleischmanufaktur im 8 km entfernten Nebenort, die auch zur Unternehmensgruppe zählt.

Das Werk produziert seit 2021 Fertiggerichte im Glas, befindet sich aber noch im Aufbau. Zu den Kunden gehören Restaurants, Lebensmitteleinzelhändler und Verbraucher aus der Region. Etwa 30 Lebensmitteleinzelhändler haben die Produkte im Portfolio. Dazu gehören unter anderem Gulasch, Königsberger Klopse und Bolognese vom Rind und Wild. Neuerdings beliefert die Manufaktur auch das Vielanker Brauhaus, welches 25 km von dem Standort in Darchau entfernt ist.

Das Ziel der Fleischmanufaktur: qualitativ hochwertiges Rindfleisch selbst zu verarbeiten – vom Filet bis zum Gulasch.

Die Ruhe-Unternehmensgruppe ist ein familiengeführtes landwirtschaftliches Unternehmen mit Hauptsitz in Lüsche (Niedersachsen). Es gibt fünf weitere Standorte in Darchau, Picher (Mecklenburg-Vorpommern), Beenz, Parmen und Vehlow (Brandenburg).

Die Betriebsschwerpunkte liegen im Ackerbau, der Bullenmast und in der Erzeugung von nachhaltiger Energie wie Strom und Wärme aus einer Biogasanlage bzw. einem Blockheizkraftwerk. Mehr Informationen finden Sie unter www.ruhe-agrar.de

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