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BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

Einfangaktion gescheitert

Tierhalter verweigert Kooperation: Entlaufene Galloway-Rinder weiter in Gleichen unterwegs​

In der Gemeinde Gleichen sind seit Wochen Galloway-Rinder frei unterwegs. Die Schäden auf den Feldern und im Wald steigen auf über 15.000 €, der Halter weigert sich.

Lesezeit: 4 Minuten

Nicht zum ersten Mal sind die Galloway-Rinder eines Tierhalters aus der Gemeinde Gleichen im Landkreis Göttingen außerhalb ihrer Weide unterwegs. Wegen schlecht gewarteter Zäune waren sie schon oft auf den Nachbarflächen, im Getreide, Mais und Wald unterwegs.

Dass sie nun aber schon seit einigen Wochen auf fremdem Grund umherstreifen und massive Schäden von inzwischen über 15.000 € verursacht haben, beschäftigt derzeit intensiv Behörden, Polizei, Feuerwehr, Landwirte und Jäger.

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Was ist passiert?

Die Tiere gehören Medienberichten zufolge einem Mann, der offenbar mit der Rinderhaltung überfordert ist und sich wenig kümmert. Wie viele Rinder der Landwirt genau besitzt, weiß laut der Zeitung HNA niemand so genau: Der Betrieb führt kein Tierbestandsregister und die Rinder haben keine Ohrmarken!

Ein Amtstierarzt hatte dann 2022 bei Kontrollen festgestellt, dass die Tiere nicht genügend Wasser und Futter bekamen. Einige Rinder seien ausgebrochen, um sich selbst Futter zu suchen. Dabei sei es auch zu einem Verkehrsunfall gekommen. Zudem wurden mehrfach verendete und nicht ordnungsgemäß entsorgte Tierkadaver gefunden, heißt in einem Gerichtsbeschluss. Der Halter sei uneinsichtig, verharmlose die vorliegenden Verstöße und zweifle im Gegenzug den Sachverstand von fachkundigen Personen an.

Im September 2022 erhielt er daher die behördliche Anordnung, seinen Rinderbestand wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz auf 38 Tiere zu reduzieren, was er verweigert. Der Landwirt hatte nach Informationen des NDR dann mehrfach Fristverlängerungen erhalten. Im Juni sei der Landkreis schließlich selbst tätig geworden und hatte laut Kreisumweltdezernat 12 Galloways mitgenommen und auf einem anderen Betrieb untergebracht.

Mit einem Widerspruch gegen den Landkreis ist der Beschuldigte bereits vor dem Verwaltungsgericht Göttingen und dem Oberverwaltungsgericht gescheitert. Beide Gerichte teilen die Sicht der Behörde, dass der Landwirt überfordert sei.

Was sagt der Tierhalter?

Der betreffende Landwirt weigert sich weiterhin, seine Galloways einzufangen und wirft dem Landkreis vor, "total planlos" vorzugehen, berichtet der NDR. Der Kreis habe die Rinder beim ersten Einfangversuch im Juni verschreckt, deswegen seien sie abgehauen, argumentiert er.

Das sieht das Kreisumweltdezernat anders. Die Tiere seien nicht aus Schreck entlaufen, sondern weil es keine Zäune gegeben habe. Auch auf anderen Weiden seien die Zäune defekt.

Was treiben die Rinder seitdem?

Laut der HNA sind die Tiere nun schon seit gut zwei Monaten unterwegs und verwildern offenbar zunehmend. Außerdem seien sie generell scheu und misstrauisch.

Die Tiere sind in drei Bereichen der Gemeinde unterwegs. Dort waren am Samstag Sperrgebiete eingerichtet worden, die inzwischen wieder aufgehoben sind. Allerdings weisen in den Bereichen weiterhin Schilder auf mögliche Gefahren durch die Weidetiere hin. Außerdem gilt in einigen Abschnitten eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h für Fahrzeuge.

Warnung: Spaziergänger und Radfahrer sollen den Rindern auf keinen Fall zu nahe kommen, sie streicheln oder einfangen, warnt der Kreis.

Da die Rinder nun auch Mais, Rüben, Gras und Luzerne fressen, sind 13 Landwirten der Gegend inzwischen Schäden von über 15.000 € entstanden – Tendenz steigend, berichtet der Bauernverband.

Was unternehmen die Behörden?

Mithilfe von Polizei, Freiwilligen Feuerwehren, Landwirten, Jägern und berittenen Helfern hatte der Landkreis am Wochenende versucht, die Rinder einzufangen, berichtet der NDR weiter. Das sei erfolglos geblieben, so dass nun beraten wird, was man noch machen kann. Behörden und Bauernverband sind sich einig, dass der Besitzer am besten mit ihnen zusammenarbeiten müsste. Dieser verweigert jedoch jegliche Kooperation, heißt es. Die Einfangaktion interessiert ihn nicht.

Fest steht: Auf Halter könnten hohe Kosten zukommen. Er soll rund 5.000 € für das Gerichtsverfahren tragen. Zwei Landwirte überlegen auch, wegen der Ernteschäden durch die entlaufenen Galloways zu klagen, erfuhr der Landvolkkreisverband. Und der Landkreis Göttingen will dem Halter die Kosten für die Einfangaktionen in Rechnung stellen.

Ein komplettes Haltungsverbot ist Medienberichten zufolge für den Besitzer hingegen juristisch nur schwer durchsetzbar, weil dafür Tierschutzbelange entscheidend sind. Außerdem lebt der Halter von der Viehwirtschaft und ein Haltungsverbot würde für ihn damit praktisch auch ein Berufsverbot bedeuten. Deshalb habe die Kreisverwaltung eine Reduzierung des Viehbestandes auf 38 Tiere gerichtlich durchgesetzt. Und sie betont nochmals, dass der Mann Halter ist und damit für seine Tiere verantwortlich bleibt. Er habe sich um seine Rinder zu kümmern.

Welche Kosten für den Landkreis bislang aufgelaufen sind, konnte die Verwaltung noch nicht sagen. Laut HNA werden sie aber an den Verantwortlichen weitergegeben.

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