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So setzen Milchviehhalter ihre Gewinne möglichst sinnvoll ein

Vielen Milcherzeugern steht aktuell mehr Geld für Investitionen zur Verfügung. Unser Autor plädiert dafür, dieses in Mitarbeiter und in arbeitssparende Technik der Innenwirtschaft zu investieren.

Lesezeit: 7 Minuten

Unser Autor: Dieter Hanselmann, ­Milchviehspezial­beratung VFR-GmbH, Neustadt a. d. Aisch

Das Wirtschaftsjahr 2022/23 unterscheidet sich für Milchviehbetriebe wegen der höheren Milchpreise grundlegend von den Jahren davor. Die Kosten stiegen zwar um 11 bis 15 ct/kg Milch, aber der Umsatz mit Milch und Fleisch wog dies mehr als auf.

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Entsprechend wird der Gewinn im Jahr 2022/2023, aber auch die Steuerlast der Jahre 2022 und 2023, deutlich steigen. Planen Sie dies ein und parken Sie eine Jahressteuerlast als einjähriges Festgeld mit mindestens 2 % Zins.

Die Herausforderung besteht nun darin, diese Gewinne dort einzusetzen, wo der Schuh am meisten drückt. Hauptknackpunkt in den Milchviehbetrieben ist die hohe Arbeitsbelastung. Viele Familienarbeitskräfte sind 12 bis 14 Stunden und sieben Tage die Woche im Dauereinsatz. Das macht unzufrieden und schadet der Gesundheit. Es geht also darum, steuersparend so zu investieren, dass Sie mehr freie Zeiten für sich und ihre Familie schaffen.

In Außenbetrieb investieren?

Investitionen in Technik für die Außenwirtschaft sind schnell getätigt: Sie tauschen Schlepper, Güllefass oder sonstige Technik gegen neue Maschinen und sparen dabei Steuern. Die positiven Effekte auf die Arbeitszeit und -qualität beschränken sich im spezialisierten Milchviehbetrieb jedoch nur auf 20 bis 40 Tage im Jahr.

Ein Milchviehbetrieb mit 130 ha würde derzeit bei Ersatz aller Maschinen allein im Außenbetrieb 1,15 Mio. € binden. Nur um dafür die Abschreibung zu erwirtschaften, müsste er 38 Kühe zusätzlich halten.

Arbeitskraft zukaufen

Sinnvoller wäre es, jetzt Arbeitskräfte in Form von Melkhilfen, Teilzeit- oder Vollzeitkräften einzustellen. Grenzen Sie ein, wie Ihr Bedarf an Arbeitskräften ist und entscheiden Sie, was zu Ihnen passt, bzw. was Sie nicht wollen. In vielen Betrieben bringen z. B. zwei bis drei Angestellte im Minijob oder Teilzeit mehr als eine Voll-Ak, die heute oft schnell in die Industrie abwandert.

Teilzeitkräfte sind meist sehr motiviert und haben als Ausgleich zu ihrem Hauptberuf Freude am „erfüllenden Arbeiten“ mit Tieren. Zudem ist es Zeit über Partnerschaften in Form von Beteiligungen nachzudenken, da etwa 30 % der Milchviehhalter keine Lösungen für die Weiterführung des Betriebes durch die nächste Generation haben.

Grenzen Sie ein, wie viele Stallzeiten Sie vergeben möchten. Ein moderner Milchviehhalter sollte zwei- bis viermal pro Woche abends melken lassen und selbst ab 17.00 Uhr Zeit für Büro und Privates haben. Zudem ist es für alle Arbeitskräfte auf dem Hof von Vorteil, wenn um 18.30 Uhr Feierabend ist.

Mehr Technik im Innenbetrieb

Da das Melken in der Regel 40 bis 60 % der Arbeit an der Kuh bindet, verspricht eine Optimierung der Melktechnik die höchste Arbeitszeiteinsparung. Die Melkdauer wird in vielen Betrieben häufig nicht kritisch hinterfragt, weil das Melken erledigt werden muss.

Melkzeiten von ca. 1,5 h mit Reinigen sind Ziel Nummer eins, damit man um 18.30 Uhr Feierabend bzw. freie Zeiten zum Regenerieren hat. Ziel Nummer zwei ist, dass sich der Zeitaufwand für das Melken inklusive Reinigung zwischen 12 und 18 h je Kuh und Jahr bewegt. Liegt der Aufwand höher, sollte überlegt werden, in einen größeren Melkstand oder mehr Roboter zu investieren.

Lässt sich z. B. in einem 100 Kuh-Betrieb die benötigte Melkzeit von 27 h je Kuh und Jahr durch eine leistungsfähigere Melktechnik auf 17 h je Kuh und Jahr drücken, spart das 1.000 Stunden pro Jahr bzw. 2,7 h pro Tag ein. Solch eine Zeitersparnis ist mit keinem Gerät der Außenwirtschaft zu erreichen.

Um Zeit beim Melken zu sparen, kann man den bisherigen Melkstand vergrößern, ein neues Melkzentrum errichten oder auf ein automatisches Melksystem umsteigen.

Ob Mitarbeiter oder Technik besser passen, hängt von der Arbeitsweise und der Persönlichkeit des Betriebsleiters ab. Denn nicht jeder hat die Fähigkeit, Fremdarbeitskräfte zu führen. Dann wäre eine Arbeitszeiteinsparung durch Technik die bessere Variante.

Melkstand oder Roboter

Allerdings setzt auch die Beschäftigung von Melkhilfen, festen Mitarbeitern oder Familienmitgliedern generell eine gute Technikausstattung und einen attraktiven Melkbereich voraus, damit diese auch Freude am Melken haben.

Wenn Sie neu in Melktechnik investieren wollen, haben Sie die Wahl zwischen Roboter oder Melkstand.

Beim Roboter ist zu beachten, dass die Automatisierung eine Umstellung des gesamten Managements erfordert, womit sich nicht jeder Betrieb identifizieren kann. Wie zeitintensiv das automatische Melken ist, lässt sich im Voraus nur schwer einschätzen. Das hängt z. B. davon ab, wie gut sich die Kühe an das neue System gewöhnen und wie fehleranfällig die Technik ist. Andererseits bringt der Melkroboter Flexibilität und körperliche Entlastung, was die Lebensqualität sehr verbessern kann.

Trotzdem sollten Sie für die Betreuung des Roboters nicht unter 12 h pro Kuh und Jahr ansetzen. Dies entspricht bei maximal 60 Melkenden pro Box 720 h im Jahr und somit 2,0 h je Tag. Roboter mit geringerer Auslastung bringen mehr Zeitersparnis und Flexibilität. Zudem kostet der zweite Roboter im Paket etwa 45.000 € weniger und verlängert die Nutzungsdauer durch die geringere Auslastung. Weniger als 50 Melkende an einer Box sollten daher das Ziel sein.

Melkstände sind aktuell nicht populär. Wer aber in 1 bis 1,5 h je Stallzeit bzw. unter 11 bis 15 h/Kuh und Jahr melkt, toppt den Roboter wesentlich, da der Arbeitstag planbar ist. Bei guter Melkroutine kann ein Melker in einem Gruppenmelkstand etwa 14 Melkzeuge bedienen. Damit können zwei Melker rund 110 Kühe je Stunde melken.

Zwei Futterrationen reichen

Nach dem Melken nimmt das Füttern die meiste Arbeit in der Milchproduktion in Anspruch. Das geschieht meist zwischen Frühstück und Mittagessen und kann 2 bis 3 h dauern. In Stoßzeiten wie der Ernte wundert man sich dann, dass der Tag kein Ende hat.

Der Hauptansatz hierfür ist, in Betrieben unter 200 Kühen täglich nur eine Ration für die melkenden Kühe und die Kälber mit einem Alter von bis zu sieben Monaten zu mischen. So groß muss das Volumen des Mischbehälters sein. Eine weitere Ration ist für die Rinder zuzubereiten. Trockensteher und Transitkühe können oft mit einem Verschnitt beider Rationen oder Stroh und Heu gefüttert werden.

Physiologisch und ökonomisch ist bei den Melkenden eine Differenzierung von Alt- und Frischmelkern wichtig. Dies kann einfach durch die Transponder-, Roboter-, Melkstandgabe von Kraftfutter gelöst werden. Alternativ wertet man die Ration für die Melkenden nach der Fütterung von Teilgruppen im Mischwagen auf oder ab.

Wegen der Arbeitsqualität und des Zeitbedarfs kommen vor allem Selbstfahrer infrage. In größeren Betrieben gewinnen Rad- und Teleskoplader mit gezogener Technik wegen ihrer Robustheit und Schlagkraft an Bedeutung. Automatische Fütterungssysteme werden künftig boomen, da viele Betriebe arbeitswirtschaftlich am Limit sind. Vieles ist aber teuer und noch nicht ausgereift bzw. zu wenig robust für große Betriebe.

Automatische Futteranschieber sind fast schon Standard und sparen viel Zeit. Leider kosten sie oft über 30.000 € und man braucht trotzdem noch einen Hoflader. Mit dem Lader oder Hofschlepper können Sie nicht nur Futter anschieben, sondern es auch verteilen, zu anderen Gruppen schieben, den Trog ausräumen und Kinder und Mitarbeiter für die Arbeit im Stall begeistern.

Tränkeautomat lohnt sich

Auch Kälberställe bieten viel Verbesserungspotenzial für Zeit und Arbeitsqualität. In größeren Betrieben über 70 Kühe ist ein Tränkeautomat zusätzlich zum Kälbertaxi oft sinnvoll. Der Automat braucht kaum Betreuung und hat technisch optimale Möglichkeiten für die Gruppenhaltung, das Füttern und Abtränken. Er spart morgens und abends jeweils 20 Minuten Zeit.

Modulställe, mit beheizten Böden, herausnehmbaren Trennwänden sind eine hervorragende Alternative zu Iglus im Freien, die viel Platz brauchen und wenig Arbeitsqualität bieten.

In gut geführten Kuhställen bringen Seilschieber auf Spalten ein hervorragendes Ergebnis und sind robuster als Abschieberoboter, die ebenfalls viel Handarbeit einsparen. Wie sich die Liegeboxen am besten einstreuen lassen, muss nach Menge und Material entschieden werden. Am besten eignen sich Lader mit Einstreugerät oder Verteilwagen.

In Roboterbetrieben sind stationäre Einstreugeräte mit Abwurf sinnvoll, um die Abläufe in der Herde nicht zu stören. Einen Selektionsbereich mit Fangfressgitter auf Spalten und Gummimatten, zum Behandeln, Besamen, Aussortieren und Abholen von Kühen sollte jeder Milchviehbetrieb haben, weil er Arbeitszeit und Stress reduziert.

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