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Wolfsberater tritt zurück

Wolf greift gleiche Schafherde im Kreis Cuxhaven erneut an

Schäfer aus dem Kreis Cuxhaven in Niedersachsen erlebte zweiten Wolfsangriff in kurzer Zeit. Wildkamera zeigt eindeutig einen Wolf. Wolfsberater im Nachbarkreis Rotenburg erklärt Rücktritt.

Lesezeit: 6 Minuten

Am Sonnabend waren wieder ein oder mehrere Wölfe in der Herde von Schäfer Falk Fuchs in Neuhaus im niedersächsischen Cuxhaven. Obwohl der Landwirt seine Schafe seit dem ersten Angriff vor zwei Wochen jede Nacht zum Schutz vor dem Wolf in einen Pferch sperrt, wurden wieder Tiere gerissen. Die Aufnahmen auf der Wildkamera zeigen, wie ein Wolf über das Feld läuft.

Wildkamera angebracht

„Die Wildkamera haben wir nach dem ersten Angriff an einem Baum angebracht“, berichtet der Landwirt. „Sonnabendmorgen gegen 4.15 Uhr bekam ich dann die Mitteilung, dass ein Wolf gesichtet wurde“, berichtet Falk Fuchs. Als er kurze Zeit später bei der Schafherde ankam, lag ein Teil der Einzäunung auf dem Boden. Die Tiere waren aus dem Pferch ausgebrochen. „Ich vermute, dass der Wolf über das Gitter gesprungen ist, und die Schafe in Panik aufs Feld gerannt sind“, sagt der Schäfer.

Wärmebildkamera dabei

Für seinen nächtlichen Einsatz hatte er eine Wärmebildkamera dabei. „So konnte ich in der Dunkelheit sehen, wo die Schafe laufen und ob der Wolf vielleicht noch in der Nähe ist“, erläutert der Landwirt und berichtet weiter: „Der Wolf war aber nicht zu sehen.“

Die ausgebrochenen Schafe liefen weit verteilt kreuz und quer auf dem Feld, das sich in der Nähe des Buswendeplatzes im Ort befindet. Drei Schafe waren tot und fünf weitere verletzt.

Hoffentlich Schutz vor dem Wolf

Mithilfe der Familie hat der Landwirt die Tiere nach Hause in den Stall getrieben. Die Schafe werden nun nachts in den Stall gesperrt. „Damit sie hoffentlich ein wenig Schutz vor dem Wolf haben“, sagt der Landwirt besorgt. Für ihn ist es der zweite Angriff in kurzer Zeit.

Zweiter Angriff in Kürze

Bereits vor knapp zwei Wochen wurde seine Herde an derselben Stelle angegriffen. Von den 93 Schafen wurden sieben getötet, sechs verletzt und zwei sind verschollen. Beide Angriffe hat der zuständige Wolfsberater dokumentiert. Auf top agrar-Anfrage hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in beiden Fällen den Wolf als Verursacher bestätigt.

Ob ein und derselbe Wolf die zwei Angriffe in Folge sowie für einen weiteren Angriff in etwa 7 km Entfernung auf ein Rind verursachte, werden die DNA-Untersuchungen zeigen müssen.

Zurzeit läuft eine top agrar-Anfrage beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Wolfsberater tritt zurück

Seit knapp zehn Jahren ist der Wolf im Cuxland ansässig. Waren es anfangs vereinzelte Übergriffe, nehmen die Tierrisse und Wolfssichtungen im gesamten Elbe-Weser-Dreieck in jüngster Vergangenheit stark zu.

„Die Wolfspopulation wird eine Dimension erreichen, in der es keine einfache Handhabe mehr geben wird. Weidetierhalter werden nach und nach weniger werden. Die einmal verschwunden sind, kehren nicht mehr zurück. Wölfe sind anpassungsfähig und passen sich jeder Lebenssituation an.“ Das erklärt der ehemalige Wolfsberater Christian Katt, der für das Gebiet Rotenburg zuständig war. Am Sonnabend trat er nach fünfjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Wolfsberater zurück. Seine persönliche Stellungnahme liegt top agrar exklusiv vor. Katt übt darin scharfe Kritik an der Bundesregierung: „Deutschland kann einfach den Wolf nicht händeln.“

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Die gesamte Stellungnahme im Wortlaut:

Rücktritt vom Ehrenamt des Wolfsberaters

"Meine Tätigkeit als Ehrenamtlicher Wolfsberater habe ich niedergelegt. Das Ehrenamt habe ich seit 2018 ausgeübt.

Mein Ehrenamt habe ich angetreten, um die Wildart Wolf bei der Entwicklung zu begleiten, den Nutztierhaltern mit Rat zur Seite zu stehen und den Jägern bei der Umsetzung des Monitorings zu unterstützen. Alles Neue benötigt seine Zeit. Aber irgendwann muss eine Regierung auch Farbe bekennen und den Menschen und auch Haus- und Nutztieren in einer reinen Kulturlandschaft Rückhalt geben. Im Landkreis Stade spielen sich Szenarien ab, wie vor Jahren in Cuxhaven. Hat denn daraus keiner gelernt?

Die Bundesregierung hat in meinen 5,5 Jahren Ehrenamt als Wolfsberater rückblickend nichts Nachhaltiges beim Wolfsmanagement erreicht. Deutschland kann einfach den Wolf nicht händeln. Der neue Vorschlag von Ministerin Steffi Lemke entbehrt der Praxistauglichkeit. Kein berufstätiger Jäger wird am „Tatort Weide“ Wache schieben. Es ist bekannt, wenn der Wolf zurückkehrt, dann nachts. Und dann brauchen Jäger auch noch den Mondschein, um etwas zu sehen. Die 1.000 m grenzen es zudem weiter ein. Alles Einschränkungen, die eine Umsetzung nahezu unmöglich machen. Alles also reine Hinhaltetaktik, in der Hoffnung der Wähler ist dann befriedigt?

Den Wolfsfanatikern geht es doch lange nicht mehr um den Wolf. Es geht dabei um die Ablehnung der Jagd an sich. Der Wolf bietet nun eine Handhabe, die es vorher nicht gab. Warum setzen sich diese Gruppen denn nicht so intensiv für das schutzbedürftige Rebhuhn ein? Hat es nicht die notwendige Stellschraube? Olaf Lies hat auf einer Podiumsdiskussion einmal gesagt, wir müssen uns von den extremen Pro- oder Contra-Meinungen distanzieren und uns um die Mitte kümmern. Dem kann ich nur zustimmen!

Wir wissen doch alle, dass eine Bejagung der Wölfe unumgänglich sein wird. Es wird nur mühselig und zeitzehrend über den Zeitpunkt diskutiert. Die Bundesregierung weigert sich den günstigen Erhaltungszustand festzustellen und versteckt sich dabei hinter einer fehlenden flächendeckenden Ausbreitung. Diese Handhabung ist wie ein Schiff, was einseitig beladen wird - es kippt um. Die Notwendigkeit der flächendeckenden Ausbreitung ist nicht unumstritten, andere Juristen sehen diese Notwendigkeit als nicht gegeben an. Es scheint eine Auslegung unserer Regierung zu sein.

Es geht meiner Meinung nach nur wie bei allen anderen Wildarten, nur über eine Jungtierbejagung. Hierbei kann kein Elterntier geschossen werden und die Entwicklung wird eingedämmt. Zudem kann dann beurteilt werden, ob die Wölfe unter der Jagd scheuer werden. Hiermit muss zeitnah begonnen werden, gern auch zum Anfang mit Abschussquoten. Alles andere ist ein zahnloser Tiger. Hier gilt e die rechtliche Umsetzung anzupassen, alles andere ist sinnfrei und auch nicht praxistauglich.

Die Wolfspopulation wird eine Dimension erreichen, in der es keine einfache Handhabe mehr geben wird. Weidetierhalter werden nach und nach weniger werden. Die einmal verschwunden sind, kehren nicht mehr zurück. Wölfe sind anpassungsfähig und passen sich jeder Lebenssituation an. Wenn Sie die Nahrung beim Wild nicht finden, werden Sie andere Wege nehmen, um sich zu ernähren. Wer will den schon freiwillig am Hungertod sterben?

Diesen unkontrollierten Weg der Bunderegierung kann ich mit meinem Ehrenamt nicht weiter stützen, denn er ist meines Erachtens unverantwortlich.

Das Wolfsmonitoring (insbes. des Gnarrenburgers Wolfsrudels) werde ich jedoch weiterhin durchführen und die Landesjägerschaft und Jägerschaft hierbei unverändert unterstützen.

Christian Katt"

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