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Niedersachsen

Wolf reißt zwei Rinder und greift Pferde an

Die Wölfe im Kreis Cuxhaven haben wieder zugeschlagen: Die Bilder sind schwer erträglich - bei lebendigem Leib wurden Rinder angefressen. Wir sprachen mit den betroffenen Landwirten und Experten.

Lesezeit: 4 Minuten

Erst vor zwei Wochen wurde im niedersächsischen Kreis Cuxhaven ein Rind gerissen und bis auf die Knochen aufgefressen. Wie die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen vermutet, handelt es sich um einen Wolfsangriff. Am vergangenem Wochenende kam es dann zu zwei weiteren Angriffen auf Rinder und davor auf Pferde.

Tragende Färse lag angefressen im Graben

Der erste Fall ereignete sich im südlichen Teil des Landkreises Cuxhaven. In Driftsethe bei Hagen wurde in der Nacht zu Sonnabend eine tragende Färse gerissen. Wie die LWK Niedersachsen bestätigt, ist der Schadensverursacher ein Wolf.

Milchviehhalter Henrik Böttjer und sein Helfer machten am Sonnabendmorgen ihren Kontrollgang zu den vier Rindern, die auf einer Weide, etwa 1 km von der Autobahn A27 entfernt, liefen. „Schon von Weiten sahen wir, dass da was nicht stimmt. Da waren nur drei Färsen“, berichtet der Landwirt gegenüber top agrar.

Die vierte Färse fanden er und sein Helfer im Graben vor. „Sie war von hinten angefressen, der linke Schinken war rausgerissen“, beschreibt der Landwirt den schrecklichen Anblick und ergänzt: „Den finanzielle Schaden eines Wolfsrisses bekommen wir ersetzt, aber der emotionale Schaden bleibt“. Er vermutet ganz stark, dass das Tier bei lebendigem Leibe von Wölfen angefressen wurde. „Die Vorstellung, welche Schmerzen unser Rind aushalten musste, ist für uns schwer zu ertragen“, sagt er.

Auch seine anderen drei Rinder haben Verletzungen, die tierärztlich behandelt werden mussten und die der Landwirt nun weiter mit Blauspray versorgt. „Die Bisswunden heilen, aber so ein Angriff macht was mit den Tieren“, berichtet Böttjer. Schlimm ist für ihn, dass die sonst zahmen Tiere, die das Betriebsleiterpaar mit der Hand aufgezogen hat, völlig verstört sind. „Die ließen sich erst gar nicht einfangen und in den Stall bringen. Und wirken auch jetzt noch verstört.“

Der Landwirt ist wütend und entsetzt zugleich. Er plädiert dafür, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Er mahnt, dass seitens der Politik etwas passieren muss, damit nicht womöglich noch Menschen durch den Wolf zu Schaden kommen.

Spuren im Boden und Kehlbiss deuten auf Wolf

Der zweite Angriff ist in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag (4. auf 5. November 2023) im nördlichen Teil des Kreises passiert. In Wingst wurde ein weibliches Jungtier gerissen. Wie der Landwirt auf Anfrage von top agrar berichtet, wurde das zehn Monate alte und 300 kg schwere Tier von hinten bis knapp zu Hälfte angefressen.

„Die Spuren im Boden, der Kehlbiss und die Rissmuster sprechen 100 % für einen Wolfsangriff, meinte der zuständige Herdenschutzberater zu mir“, berichtet der Landwirt. Eine Sprecherin der LWK Niedersachsen hat inzwischen gegenüber top agrar bestätigt, dass es sich um einen Wolfsangriff gehandelt hat.

Insgesamt grasten 15 Rinder auf der Weide, die sich direkt am Hof befindet. Die Tiere blieben soweit unversehrt, aber „standen nach dem Angriff völlig apathisch in der Ecke“, beschreibt auch dieser Tierhalter das Verhalten seiner Tiere. Außerdem liefen noch trockene Kühe und hochtragenden Färsen auf den Flächen am Hof.

Der Landwirt hat inzwischen alle Tiere in den Stall gebracht. Das mulmige Gefühl bleibt. Was ihm Angst und große Sorge bereitet ist, ob die Wölfe wiederkommen und dann auch in die Ställe gehen und die Kälber in den Kälberiglus reißen: „Ich mache mir große Sorgen, wie in Zukunft die Tierhaltung im Winter stattfinden soll!“

Wolfsangriffe auf Pferde

Auch bestätigt die LWK Niedersachen Angriffe auf Pferde in der Region. Ebenfalls in Wingst soll es am 25. Oktober 2023 einen Vorfall mit zwei Pferden gegeben haben, wo die Kammer von einem Wolf als Verursacher ausgeht. Ein anderer Falls soll Ende September rund 20 km Luftlinie von Wingst entfernt - in der Gemarkung Balje – passiert sein. Hier wurde nach Angaben einer Kammer-Sprecherin ein Pferd nach einem Wolfsangriff so schwer verletzt, dass der Besitzer es einschläfern lassen musste.

Ein weiteres Pferd wurde ebenfalls verletzt. Es soll keine äußeren Verletzungen gehabt haben, lief aber nach Angaben der Kammer unrund. Es bestehe der Verdacht auf einen Schaden im Rückenbereich, welchen sich das Pferd auf der Flucht zugezogen haben könnte.

Aktuelle Zahlen der Landesjägerschaft

Im Kreis Cuxhaven wurde ein Wolfspaar sowie ein bestätigtes und ein unbestätigtes Rudel nachgewiesen. Im Kreis Stade gibt es ein bestätigtes Rudel.

Die Zahl der Nutztierschäden im Cuxland beziffert die Landesjägerschaft, die das Monitoring seit dem Jahr 2008 aufzeichnet, bis jetzt auf 179 Übergriffe mit 417 tote und 162 verletzten Tiere, weitere 48 Tiere sind verschollen. Im Stader Landkreis sind es 23 Übergriffe, 130 tote, 54 verletzte und zwei verschollene Tiere.

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