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Cuxhaven

Wölfe fressen Rind fast komplett auf

Erneut wurde im Wolfsgebiet Cuxhaven in Niedersachsen ein Rind gerissen. Das 350 kg schwere Jungtier wurde fast komplett aufgefressen – vermutlich von Wölfen.

Lesezeit: 3 Minuten

Wie jeden Tag machte Landwirt Uwe Schriefer aus Ihlienworth vergangene Woche am späten Donnerstagnachmittag, kurz vor dem Melken, seinen täglichen Kontrollgang zu den Jungtieren. Die Weide liegt knapp 300 m vom Hof entfernt.

Als der Landwirt dort ankam, ahnte er schon nichts Gutes. Dann sah er es: Eines der 21 Rinder lag tot in Weide. „Der Unterbauch des Tieres war aufgerissen und die Gedärme hingen raus“, beschreibt der Rinderhalter den Anblick des zirka 350 kg schweren, gerissenen Tieres.

Sofort versuchte er, bei der Wolfshotline der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der Landwirte ihre Nutztierrisse melden können, anzurufen. Normalerweise ist die Hotline rund um die Uhr besetzt bzw. wird der Anrufer weitergeleitet. Doch an diesem späten Nachmittag klappte es aus irgendwelchen technischen Gründen nicht. Trotz mehrerer Anrufversuche übers Handy und das Festnetz war niemand zu erreichen. Erst am nächsten Morgen konnte der Landwirt den Riss melden.

Das gerissene Tier ließ er über Nacht auf der Weide liegen. „Wir wollten keine Spuren verwischen und erst abwarten, was der Rissbegutachter sagt“, erläutert Ehefrau Antje Schriefer. Die restlichen Tiere hatten das Betriebsleiterehepaar noch am Abend von dem toten Tier separiert und auf eine andere Weide in die Nähe des Hauses gebracht.

Als Uwe Schriefer, sein Sohn Jan und der zuständige Herdenschutzberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am nächsten Morgen zur Weide kamen, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. „Von dem gerissenen Jungtier war nur noch das Gerippe übrig. Die Wirbelsäule war mehrmals gebrochen und das Rind lag etwa 20 m von der Rissstelle entfernt“, berichtet Uwe Schriefer. Er vermutet, dass „es mehrere Wölfe, womöglich ein Rudel, waren, die an dem Tier gefressen haben“.

Von einem Wolfsübergriff geht auch die LWK Niedersachsen aus. Die Spuren vor Ort sprechen dafür, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit und bestätigt, dass das Rind zu einem großen Teil aufgefressen war. Das Verfahren der Rissbegutachtung ist noch nicht abgeschlossen. Der Herdenschutzberater hat mehrere DNA-Proben gesichert. Ob an dem Übergriff auf das Rind ein oder mehrere Wölfe beteiligt gewesen sein könnten, dazu äußerte sich die Kammer nicht.

Ratlosigkeit bei den Tierhaltern an der Küste

Im Landkreis Cuxhaven gibt es nach offiziellen Angaben der Landesjägerschaft Niedersachsen aktuell ein Wolfspaar sowie ein bestätigtes und ein unbestätigtes Rudel. Ein Rudel besteht aus zwei Elterntieren sowie dem Nachwuchs aus zwei Jahrgängen.

Im Jahr 2013 wurden im Kreisgebiet die ersten Wölfe gesichtet, 2014 wurde der erste Riss an einem Nutztier dokumentiert. Vereinzelt kam es immer wieder zu Angriffen von Wölfen auf Rinder und Schafe. In letzter Zeit berichtet die lokale Presse allerdings verstärkt, nahezu wöchentlich, über Begegnungen mit dem Wolf oder Rissen an Nutztieren im Cuxland und an den Grenzen zu den Nachbarkreisen Stade, Osterholz und Rotenburg.

Die Ratlosigkeit der Tierhalter wächst. Sie fragen sich, wie eine artgerechte Weidehaltung zukünftig noch machbar sein soll – und zwar ohne die Landschaft zu verdrahten.

Wie bei den meisten Milchviehhaltern in der Region gibt es auch auf dem Familienbetrieb von Uwe und Antje Schriefer keine wolfssichere Einzäunung, die den aktuellen Förderrichtlinien entspricht. Dies hat für das Betriebsleiterehepaar einfach finanzielle, zeitliche und praktikable Gründe: „Es ist kaum möglich, die Zäune über das ganze Jahr aufzubauen, zu kontrollieren und in Ordnung zu halten.“

Schriefers haben die restlichen Rinder aus der Herde sowie ihren kompletten Viehbestand inzwischen zum Schutz vor Wolfsangriffen aufgestallt. Mit Blick in Richtung Politik hoffen sie, dass endlich was passiert. „Sonst ist bald Ende mit der Weidetierhaltung“, kommentiert Antje Schriefer.

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