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Beringmeier: „In der Nutztierhaltung kommen wir an einer Neuausrichtung nicht vorbei“

DBV-Veredlungspräsident Hubertus Beringmeier geht fest davon aus, dass der Wunsch der Verbraucher und Verbraucherinnen nach mehr Tierwohl trotz Krise bestehen bleibt.

Lesezeit: 4 Minuten

Der Umbau der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl stockt. Am 19. Oktober diskutiert top agrar im Rahmen der Diskussionsreihe "Landwirtschaft im Dialog" darüber unter anderem mit Bundesagrarminister Cem Özdemir und DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier. Dieser stellt sich vorab einigen Fragen von top agrar. Die Anmeldung und weitere Infos finden Sie auf www.seminare.lv.de. Die Diskussion wird zudem ab 19:00 Uhr live über den top agrar-YouTube-­Kanal www.youtube.com/topagrar übertragen.

Herr Beringmeier, alle wollen mehr Tierwohl, aber die Umsetzung klappt nicht. Wo hakt es aus Ihrer Sicht besonders?

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Beringmeier: Das Problem ist, dass wir zwar gute Konzepte erarbeitet und in der Schublade liegen haben, sie aber nicht herausholen bzw. umsetzen. Beispiel Borchert-Kommission: Die Fachleute haben ein Konzept vorgelegt, wie der Umbau der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl funktionieren kann. Demnach brauchen wir neben einer Haltungskennzeichnung endlich ein solides Finanzierungs- und Förderkonzept. Darüber hinaus muss die Politik schnellstens Erleichterungen im Bau- und Genehmigungsrecht durchsetzen. Nur dann werden umstellungswillige Landwirte in die Lage versetzt, ihre Betriebe hin zu mehr Tierwohl zu entwickeln.

Darüber hinaus braucht es ein klares Signal der Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn höhere Tierwohlstandards können nur wir als Gesellschaft finanzieren. Mit Sorge sehe ich in diesem Zusammenhang, dass Fleisch aus höheren Haltungsstufen mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs und gestiegener Lebenshaltungskosten immer häufiger liegen bleibt.

Wir müssen die guten Tierwohlkonzepte endlich aus der Schublade ziehen und umsetzen“ - Beringmeier

Die Borchert-Kommission hat die Reißleine gezogen und lässt die Arbeit wegen der ungeklärten Finanzierungsfrage vorerst ruhen. Welche Folgen hat das?

Beringmeier: Zunächst einmal ist es ein positives Signal der Bundesregierung, dass sie der Borchert-Kommission ein neues Mandat erteilt hat. Wir haben als Bauernverband mit Nachdruck darauf gedrängt. Doch die Ergebnisse der Borchert-Kommission sehen ein Gesamtkonzept zum Umbau der Tierhaltung vor, welche unweigerlich mit einem Finanzierungskonzept verbunden ist. Daher ist es umso dringender, dass die Finanzierungsfrage zügig geklärt wird und die Kommission schnell wieder ihre Arbeit aufnehmen kann.

Was wir nicht mehr haben, ist Zeit. Denn je länger wir über höhere Tierwohlstandards diskutieren, dafür aber keine wirtschaftliche Basis schaffen, desto mehr landwirtschaftliche Familienbetriebe verlieren wir. Viele Bauern haben das Vertrauen in die Politik mittlerweile verloren. Vielen fehlt schlichtweg die Perspektive für die Weiterentwicklung ihres Betriebes in mehr Tierwohl.

Der Wunsch der Gesellschaft nach mehr Tierwohl bleibt trotz Krise“ - Beringmeier

Viele Jahre Tierwohldebatte: Mancher Landwirt stellt in einschlägigen Chats und Diskussionsforen inzwischen die Frage, ob es nicht besser wäre, so weiter zu produzieren wie bisher. Wie stehen Sie dazu?

Beringmeier: Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen steigenden Lebenshaltungskosten zeigen, wie sensibel Verbraucherinnen und Verbraucher im Einkaufsverhalten reagieren. Aktuell wird eher auf QS-Ware zurückgegriffen und ITW-Ware sowie andere höhere Haltungsstufen bleiben im Regal liegen. Welchem Landwirt will man es da Übel nehmen, wenn er lieber zu einem ‚Weiter so.‘ in der Schweinehaltung tendiert.

Dennoch gehe ich fest davon aus, dass der gesellschaftliche und politische Wunsch zu mehr Tierwohl trotz der aktuellen Krise bestehen bleibt. Diesen Trend müssen wir Landwirte akzeptieren und unsere Betriebe dementsprechend ausrichten. Wir kommen in der Nutztierhaltung an einer Neuausrichtung nicht vorbei!

Die Wirtschaft hat mit den vier Haltungsformstufen ein leicht verständliches Siegel-Konzept etabliert. Die Bundesregierung hat hingegen mit dem Entwurf des Tierhaltungskennzeichen-Gesetzes Schiffbruch erlitten. Brauchen wir überhaupt ein staatliches Kennzeichen und wenn ja, warum?

Beringmeier: Die Haltungsform-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels ordnet verschiedene Siegel in vier Stufen ein und das Konzept ist bei Verbraucherinnen und Verbrauchern mittlerweile etabliert. Viele Kunden haben dadurch eine bessere Orientierung beim Fleischeinkauf. Letztendlich ist so ein bewussterer Einkauf möglich.

Ein großes Manko ist aus unserer Sicht jedoch, dass die Sauenhaltung und Ferkelaufzucht in dieser Systematik fehlen. Bei der Initiative Tierwohl, die sich in Haltungsform 2 einordnet, ist das anders. Sie honoriert auch für Sauenhalter und Ferkelaufzüchter Tierwohlmaßnahmen und berücksichtigt damit den kompletten Lebenszyklus des Schweins.

Genau diese Berücksichtigung der Sauenhalter fordere ich auch bei der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung. Leider sieht der Entwurf der staatlichen Haltungskennzeichnung keine Einbeziehung der vorgelagerten Stufe vor, sodass dieser Kennzeichnungsentwurf aus unserer Sicht bislang keinen Mehrwert gegenüber der Haltungsform-Kennzeichnung des LEH bringt.

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