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PRRS-Viren können andere Infektionen "triggern"

Infektionen mit dem PRRS-Virus können zu Fruchtbarkeitsstörungen und Atemwegsinfekten führen. Bei komplexen Atemwegserkrankungen ist PRRSV häufig der entscheidend Auslöser.

Lesezeit: 4 Minuten

Seit den frühen 1990er-Jahren verbreitete sich das PRRS-Virus (Porcines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom) rasch über ganz Nord- und Südamerika, Asien und Europa. Neben Fruchtbarkeitsstörungen mit teilweise seuchenhaftem Verlauf ist das Virus vor allem am komplizierten Verlauf komplexer Atemwegserkrankungen beteiligt.

In Deutschland sind je nach Region 50 bis 100 % aller Schweinehaltungen PRRS-positiv. PRRS-Ausbrüche können je nach Verlauf und Konsequenzen Schäden von 50 bis 250 € pro Sau und Jahr verursachen.

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Schnell gelesen

  • Das PRRS-Virus kann Fruchtbarkeitsstörungen verursachen, ist oft aber auch an komplexen Atemwegsinfekten beteiligt.

  • Infektionen mit PRRSV können entweder direkt per realtime PCR oder indirekt über Antikörper nachgewiesen werden.

  • Schwer erkrankte Schweine behandelt man zunächst mit entzündungshemmenden und fiebersenkenden Medikamenten.

  • Vorbeugend können die Schweine geimpft werden. Die Variabilität des Erregers erschwert jedoch mitunter den Impferfolg.

  • Das Ziel sind Bestände mit „stabiler ­Infektion“, in denen regelmäßig gegen das PRRS-Virus geimpft wird.

Infektionen mit PRRSV (PRRS-Virus) können alle Produktions- und Altersstufen betreffen. Bei Sauen treten neben seuchenhaftem Spätabort auch Frühgeburten oder tot- bzw. lebensschwach geborene Ferkel auf. Parallel steigt die Saugferkelsterblichkeit an.

„Naive“ Herden sind besonders gefährdet

Atemwegsinfektionen durch PRRSV äußern sich in Form einer Lungenentzündung (Pneumonie), Fieber, Appetitlosigkeit, Bindehautentzündung und vermindertem Wachstums bzw. Kümmern. Die größte Bedrohung besteht für naive Herden, die bisher noch nie Kontakt mit dem Virus hatten.

Eine herausragende Rolle spielt PRRS als „Trigger“ bei komplexen Atemwegserkrankungen. In Kombination mit anderen Viren wie Influenza oder PCV 2 sowie bakteriellen Erregern wie Mykoplasmen, Glaesserella parasuis, Pasteurellen oder APP kann PRRSV verlustreiche Atemwegsinfektionen in der Ferkelaufzucht und in der Mast verursachen.

Zahlreiche Subtypen bekannt

Genetisch unterscheidet man zwei verschiedene Stämme mit zahlreichen Subtypen: PRRS-1, früher als EU-Stamm bezeichnet, und PRRS-2, der ursprünglich aus den USA stammt. Der in Spanien als „Rosalia-Variante“ grassierende PRRS-Typ basiert auf dem EU-Stamm.

In den Schweinebeständen treten häufig mehrere Subtypen nebeneinander auf. Das kann Impfmaßnahmen deutlich erschweren. Besonders gefürchtet ist die Entwicklung hochpathogener Stämme, die das Immunsystem manipulieren und zu schwersten Krankheitssymptomen führen können.

Nachweis per Antikörper oder PCR

Infektionen mit dem PRRS-Virus können direkt (Erregernachweis mit real-time PCR) oder indirekt (per Antikörper) nachgewiesen werden. Für den Erregernachweis eignen sich Blutserum, Lungengewebe, Mandeln (Tonsillen), Lymphknoten, Speichel, Sperma, Thymusgewebe und Lungenspülflüssigkeit ab dem zweiten Tag der Infektion.

Allerdings können verschiedene Faktoren den Erregernachweis erschweren. Bei älteren Tieren ist das Virus z. B. im Serum eventuell schon ein bis zwei Wochen nach der Infektion nicht mehr nachweisbar. Und bei der Untersuchung von Saugferkeln ist zu beachten, dass nicht alle Ferkel eines Wurfes infiziert sein müssen. Tatsächlich kann auch die sehr sensitive realtime PCR wegen der genetischen Variabilität des Erregers zu falsch negativen Ergebnissen führen. Aus diesem Grund müssen die Methoden permanent überprüft oder auch kombiniert werden.

Bei der Untersuchung auf Antikörper ist zu beachten, dass man Impfantikörper bislang nicht von Antikörpern nach einer Feldinfektion unterscheiden kann.

Behandlung akut erkrankter Tiere

Da es sich bei PRRS um eine Virusinfektion handelt, lässt sie sich nicht antibiotisch behandeln. Die Sofortmaßnahmen richten sich daher bei schweren Atemwegsinfektionen auf eine Linderung der Symptome mit fiebersenkenden und entzündungshemmenden Präparaten.

Bakterielle Sekundärinfektionen müssen unter Berücksichtigung eines Resistenztests antibiotisch behandelt werden. Begleitend haben sich Schleimlöser bewährt sowie eine Erhöhung der Vitaminversorgung zur Unterstützung des Immunsystems.

Den besten Schutz genießen Schweine mit einem intakten Immunsystem, die unter strengen Vorgaben zur äußeren und inneren (Tierfluss) Biosicherheit gehalten werden.

Ziel: Betriebe mit "stabiler Infektion"

Betriebe mit dem Status „PRRS-unverdächtig“ bleiben wegen des hohen Aufwandes vermutlich die Ausnahme. Ziel sind eher Bestände mit „stabiler Infektion“, in denen regelmäßig gegen PRRSV geimpft wird, die einem geringen Infektionsdruck ausgesetzt sind und in denen sich über längere Zeit ein Gleichgewicht zwischen den krankmachenden Eigenschaften des Erregers und den Abwehrkräften der Schweine eingestellt hat. Welche Maßnahmen den Bestand PRRS-stabilisieren bzw. instabilisieren, zeigt die Übersicht.

Es stehen verschiedene Lebendimpfstoffe für Sauen und Ferkel sowie ein Totimpfstoff für Sauen zur Verfügung. Lebendimpfstoffe imitieren eine Feldinfektion mit abgeschwächtem Erreger und regen das Immunsystem vielseitig an. Grundlage der Lebendvakzine sind Impfviren des EU- oder des US-Stamms.

Wie gut wirken die verfügbaren Impfstoffe?

Heute weiß man, dass eine hohe Ähnlichkeit von Feldvirus und Impfstoff  leider kein Garant für den Impferfolg ist. Die Variabilität des Virus, sein Einfluss auf das Immunsystem und die komplexe Erreger-Wirt-Beziehung erschweren das Thema Impfschutz.

Die Impfung erfolgt entweder bestandsorientiert einheitlich im Abstand von drei Monaten oder reproduktionsorientiert nach dem Konzept 6/60, also am 6. und 60. Tag der Trächtigkeit.

Ihre Meinung ist gefragt!

PRRS ist nach wie vor ein großes Problem. Lassen sich die Bestände durch Hygienemaßnahmen und regelmäßiges Impfen stabilisieren? Schreiben Sie uns gern an anna.huettenschmidt@topagrar.com. Wir behalten uns vor, Einsendungen gekürzt zu veröffentlichen.

 

 

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