Landwirtschaft im Dialog

Tönnies unterstützt Empfehlungen der Borchert-Kommission

Anlässlich der digitalen Veranstaltung "Mehr Tierwohl in den Ställen und bessere Arbeitsbedingungen an den Schlachthöfen", die top agrar am 5. Mai durchführt, sprachen wir mit Clemens Tönnies.

Mehr Tierwohl in den Ställen und bessere Arbeitsbedingungen an den Schlachthöfen: Was leistet der Markt und wo braucht es den Staat? Darüber diskutiert top agrar am 5. Mai im Rahmen des Formats „Landwirtschaft im Dialog“ per Livestream. Wir sprachen vorab mit dem Inhaber von Tönnies Lebensmittel, Clemens Tönnies.

Verfolgen Sie die Veranstaltung live und kostenlos auf unserem YouTube-Kanal unter www.youtube.com/topagrar

Die Corona-Pandemie hält die gesamte Fleischbranche weiter in Atem. Wie sieht die aktuelle Situation in den Schlachthöfen aus? An welchen Stellen haben Sie Ihr Risikomanagement weiter verbessern können?

Tönnies: Wir haben in der Fleischbranche im vergangenen Sommer das erlebt, was Deutschland in diesem Corona-Winter durchleben musste. Die Ansteckungsgefahr durch Aerosole war bis zu dem Unfall in unserem Werk im Frühjahr 2020 überhaupt nicht bekannt. Nur mit wissenschaftlicher Unterstützung, einem tollen Team in unserem Haus und einem ausgeklügelten Sofortprogramm haben wir das Risiko in kürzester Zeit minimiert. Das zeigen die Ergebnisse in unserem Testzentrum. Zentral war dabei ein konsequentes Hygienekonzept und Investitionen in neue Filtersysteme, wie sie in OP-Sälen in Krankenhäusern eingebaut sind. Heute sind wir, wie Wissenschaftler hervorheben, Vorbilder im Corona-Management und deutsche, wie internationale Experten aus Unternehmen und Wissenschaft profitieren von unseren Erfahrungen.

Die Arbeitsbedingungen der Schlachthofmitarbeiter werden nicht nur wegen der vielen positiven Coronafälle kritisiert. Welche Verbesserungen für die Mitarbeiter haben Sie in Ihrem Unternehmen in den letzten Monaten umgesetzt?

Tönnies: Fakt ist: Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass Arbeitsbedingungen und die private Wohnsituation unserer Mitarbeiter nicht die Ursache für den Corona-Ausbruch bei uns waren. Gleichwohl wurde durch die kontroverse Debatte in der Öffentlichkeit der Boden für die Gesetzesänderung geebnet. Wir haben die Abschaffung der Werkverträge für alle Unternehmen lange vor dem Corona-Ausbruch im Sozialministerium vorgeschlagen. Schließlich entspricht das unserer Nachhaltigkeitsstrategie t30. Wichtig war, dass das Verbot aus Wettbewerbsgründen für alle gilt. Über 6.000 Direkteinstellungen und über 3.800 eigene Wohnplätze für die Mitarbeiter sind nur zwei Zahlen die andeuten, was innerhalb weniger Monate umgesetzt wurde. Aktuell laufen die Gespräche mit der Gewerkschaft für einen allgemeinverbindlichen Branchentarifvertrag. Wir haben diesen Branchentarifvertrag selbst vorgeschlagen.

Die gesamte Wertschöpfungskette Fleisch soll tiergerechter werden. Wo sehen Sie Ansatzpunkte in der Schlachtung und Verarbeitung?

Tönnies: Grundsätzlich müssen wir als gesamte Lebensmittelkette daran arbeiten, die Akzeptanz der Verbraucher für unsere Produkte zu stärken. Mit der Initiative Tierwohl haben wir vor einigen Jahren den ersten großen Schritt gemacht. Jetzt kommen wir an den nächsten Meilenstein, indem wir das gesamte Grundsortiment auf ITW 2-Stufe heben. Unsere Chance als gesamte Lebensmittelerzeugung liegt darin, dass wir gute Produkte made in Germany herstellen. Die hervorragende Arbeit unserer Landwirte und die Produktqualität der Erzeuger müssen wir zu einer neuen Wertschätzung heben.

Tönnies schlachtet an wenigen großen Standorten. Gleichzeitig spielt das Thema Regionalität eine immer größere Rolle. Welche Chancen sehen Sie, die Schlachthöfe dezentraler aufzustellen? An welchen Stellen erhoffen Sie sich dabei Unterstützung vom Staat?

Tönnies: Wir schlachten regional dort wo die Tiere gehalten werden. In Ostwestfalen, im Emsland, in Norddeutschland genauso wie im Allgäu. Mit unseren Standorten sind wir in den Kernbereichen der Nutztierhaltung in Deutschland. Gleichzeitig bringen wir die Top Qualität bei hoher Effizienz mit, von der die Landwirte profitieren und so ihre Tiere vermarkten können. Von der Bundesregierung erhoffen wir uns mehr Schwung bei der Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission. Hier wurde ein guter Kompromiss entwickelt, der landwirtschaftlichen Erzeugern und der gesamten Branche eine Zukunftsperspektive aufzeigt. Zukunft geht nur miteinander.

Das genaue Programm und welche Referenten noch bei der digitalen Veranstaltung teilnehmen, lesen Sie hier:


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