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Wenn die Influenza im Bestand zirkuliert

In größeren Sauenbetrieben setzt sich das Influenzavirus häufig fest und springt pingpongartig zwischen den Altersgruppen hin und her. Wichtig: Infektionsketten unterbrechen.

Lesezeit: 6 Minuten

Wir müssen uns dringend unterhalten. Etliche Ferkel der letzten Partie, die ich von dir bekommen haben, schniefen ganz fürchterlich und wollen nicht fressen“, beklagte sich letzten Herbst ein Mäster bei Ferkelerzeuger Peter Beer (Name geändert). Der 40-Jährige bewirtschaftet in der Nähe von Osnabrück einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 320 Sauen und eigener Aufzucht. Alle Ferkel verkauft er an drei feste Mäster, mit denen er bereits seit Jahren kooperiert.

Das war nicht der erste Hinweis da-rauf, dass sich im Bestand von Peter Beer offensichtlich ein Tiergesundheitsproblem anbahnte. Zwei Tage zuvor hatte der Landwirt morgens eine tote Jungsau aus dem Eingliederungsstall ziehen müssen. Beer nahm sofort Kontakt mit seinem Tierarzt, Dr. Jakob Aundrup von der Tierarztpraxis Ralf Bischoff in Melle, auf. Um die Todesursache abzuklären, hatte der Tierarzt das Tier zur Sektion mitgenommen.

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Schniefende Ferkel

„Doch noch bevor das Sektionsergebnis vorlag, fingen im Flatdeckstall eine Woche nach dem Absetzen plötzlich einige Ferkel an zu schniefen und zu husten“, erinnert sich Beer. Bereits zwei Tage später litten etliche unter eitrigem Nasenausfluss und verweigerten die Futteraufnahme. Als Sofortmaßnahme behandelte der Tierarzt die betroffenen Ferkel mit einem Antibiotikum und einem Entzündungshemmer.

Am gleichen Tag kam der Sektionsbefund von der verendeten Jungsau. „Das Tier war an einer akuten Lungenentzündung gestorben. Bei der Untersuchung im Labor wurde eine Influenza-Infektion mit einer extrem hohen Viruslast nachgewiesen.

Doch wie konnte das sein? Die zugekauften Jungsauen erhielten im Eingliederungsstall eine Influenza-Grundimmunisierung. Und auch die Altsauen wurden im Rahmen der routinemä­ßigen Bestandsimpfung (Parvovirose, Rotlauf, Leptospirose und PRRS) alle vier Monate mit „Respiporc FLU 3“ gegen Influenza geimpft.

Hatte sich in Beers Bestand ein neuer Influenzavirustyp eingeschlichen, gegen den der bisher verwendete Impfstoff nicht mehr wirkte? Oder gab es irgendwo Impflücken?

Für einen Influenzavirusnachweis war es zu spät, da sich auf die virale Infektion bereits bakterielle Sekundärerreger aufgesattelt hatten. „Influenzaviren lassen sich sowieso nur in den ­ersten 48 Stunden nach der Infektion per Nasentupfer nachweisen“, gibt Dr. Aundrup zu bedenken.

Deshalb warteten Peter Beer und der Hoftierarzt die nächste Abferkelgruppe ab. Als bei dieser Gruppe wieder einige Ferkel kurz nach dem Absetzen zu schniefen begannen, bestimmte Dr. Aundrup bei ihnen die Körpertemperatur. Einige wiesen mit 40 °C hohes Fieber auf.

Akut kranke Tiere beproben

„Eine stark erhöhte Körpertemperatur bedeutet, dass sich die Tiere gerade in der akuten Infektionsphase befinden, in der sie verstärkt Erreger ausscheiden. Deshalb sollte man für den Influenzanachweis in jedem Fall die akut erkrankten, fiebernden Tiere beproben“, erläutert der Tierarzt. Aufgrund der Erregerdynamik im Bestand sollten aber auch unauffällige Tiere aus anderen Altersgruppen beprobt werden.

Peter Beer verfügt über zwei Aufzuchtställe. In den ersten Stall kommen die Ferkel direkt nach dem Absetzen. Etwa drei Wochen später werden sie dann in den Aufzuchtstall II umgestallt. Um einen Überblick zu bekommen, welche Influenzavirustypen im Bestand Probleme bereiten, entnahm der Tierarzt pro Stall bzw. pro Altersgruppe bei jeweils fünf Ferkeln Nasentupferproben und fasste jeweils fünf Tupfer zu einer Poolprobe zusammen.

„Im Idealfall hätten wir auch im Abferkelstall fünf Saugferkel beprobt. Da alle Ferkel bereits abgesetzt wurden, gab es hier jedoch nichts zu beproben“, so Dr. Aundrup.

Da Influenzaviren nur begrenzte Zeit lebensfähig bzw. nachweisbar sind, verpackte der Tierarzt die Tupfer in speziellen Röhrchen (Virokult-Medium) und verschickte sie zusammen mit einem Coolpad zum Untersuchungslabor. Inzwischen gibt es für den Influenzanachweis aber auch spezielle Probesets (DNA/RNA Shield), die den Erreger besser stabilisieren und daher nicht mehr gekühlt werden müssen.

Die PCR-Untersuchung (Polymerase-Ketten-Reaktion) ergab, dass sich die gerade abgesetzten, klinisch auffälligen Ferkel aus Aufzuchtstall  I eindeutig mit dem Influenzastamm H1avN1 infiziert hatten. Und das, obwohl die Sauen gegen diesen Virustyp regelmäßig geimpft wurden und ihre Ferkel über die Biestmilch schützen.

Bei den Ferkeln aus Aufzuchtstall  II, die ohnehin keine akuten Atemwegsprobleme zeigten, fiel der Influenzanachweis dagegen negativ aus.

Pingpongartige Verbreitung

„Das Problem beobachten wir häufiger, vor allem in Betrieben mit vielen Altersgruppen. Denn der Schutz durch die maternalen Antikörper hält nur etwa fünf Wochen“, so Dr. Aundrup. Ungeimpfte Aufzuchtferkel, Mastschweine oder Jungsauen stellen hier häufig ein Erregerreservoir dar. Dadurch springt das Influenzavirus immer wieder pingpongartig durch den Bestand und infiziert „naive“ Tiere, die bisher noch keinen Kontakt mit dem Virus hatten.

So lässt sich auch der plötzliche Tod der Jungsau erklären. Denn die zugekauften Remonten stammen aus einem Betrieb in Ostdeutschland, der in einer eher vieharmen Region liegt, wo die Tiere bisher nicht zwingend Kontakt mit dem Influenzavirus hatten. Offensichtlich bot die Impfung während der Eingliederungsphase keinen ausreichenden Schutz. Und auch die Bestandsimpfung der Sauen schien lückenhaft.

Um alle Sauen auf ein einheitliches Influenza-Impflevel zu bringen, wurde deshalb der gesamte Sauenbestand noch einmal grundimmunisiert. Das heißt, im Abstand von drei Wochen wurden alle Sauen zweimal geimpft. Anschließend erfolgt eine Influenza-­Bestandsimpfung alle vier Monate.

Die Impfung wird mit Respiporc FLU3 durchgeführt, denn das Vakzin bietet einen guten Schutz gegen den H1avN1-Virustyp. „Wäre im Labor ein anderer Virustyp nachgewiesen worden, den der kommerzielle Impfstoff nicht abdeckt und für den er auch keine ausreichende Kreuzprotektivität bietet, hätten wir einen bestandspezifischen Impfstoff in Auftrag gegeben“, erläutert Dr. Aundrup.

Auch die Eingliederungsimpfung der Jungsauen wurde noch einmal angepasst. Direkt nach ihrer Ankunft und dann nach drei Wochen werden seitdem alle Jungsauen grundimmunisiert. In Absprache mit den Mästern werden im Betrieb Beer zudem auch die Ferkel gegen Influenza geimpft – zumindest vo-rübergehend, bis sich die Sauenherde wieder stabilisiert hat. Alle Ferkel werden grundimmunisiert, sodass sie zum Absetzen vollständig geimpft sind. Die Mäster beteiligen sich hier anteilig an den Impfkosten.

Die Impfung zeigte Wirkung: Alle seitdem abgesetzten Ferkelgruppen wiesen keine klinischen Symptome mehr auf. Und auch die Rückmeldung der Mäster war positiv.

Infektketten unterbrechen

„Allein durch Impfen bekommt man die Influenza jedoch nicht in den Griff. Denn sie kann nur die klinischen Symptome lindern, die Viruslast in der Lunge vermindern und die Virusausscheidung reduzieren. Eine Infektion verhindern kann sie nicht. Deshalb muss man parallel versuchen, über entsprechende Managementmaßnahmen die Infektionsketten zu unterbrechen“, stellt Dr. Aundrup klar.

Dazu gehört z. B., dass im Abferkelstall sowie im Aufzuchtstall I und II jeweils separate, farblich gekennzeichnete Treibebretter, Paddel, Schaufeln und Besen benutzt werden. Außerdem werden in den drei Bereichen unterschiedliche Stiefel und Overalls genutzt. Injektionsnadeln und Kastrationsklingen sollten zudem nach jedem Wurf gewechselt und desinfiziert werden.

Auch beim Ferkelversetzen sollte man mit Augenmaß vorgehen. „Natürlich muss man das ein oder andere Ferkel versetzen, wenn z. B. eine Sau unter Milchmangel leidet oder der Wurf zu groß ist. Aber alle Ferkel mischen, nur um am Ende homogene Partien zu erhalten, sollte man tunlichst unterlassen“, rät der Tierarzt. Denn mit jedem Versetzen können auch Keime verschleppt werden.

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