Tierschutz

Mobile Schlachteinheit bekommt Tierschutzpreis

Neben vier anderen Preisträgern erhält die Projektgruppe „IG Schlachtung mit Achtung“ den mit 7.500 € dotierten Preis vom Land Baden-Württemberg.

„Der Tierschutzgedanke ist fest in unserer Gesellschaft verankert und genießt in Baden-Württemberg einen hohen Stellenwert. Mit dem Tierschutzpreis zeichnen wir engagierte Bürger des Landes aus, die sich vorbildlich und nachhaltig zum Wohl der Tiere einsetzen“, sagte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk am Donnerstag in Stuttgart anlässlich der Verleihung des Tierschutzpreises 2019.

Der alle zwei Jahre verliehene Tierschutzpreis ist mit 7.500 € dotiert und wird in diesem Jahr an fünf gleichrangige Preisträger vergeben. Einer von den Preisträgern war in diesem Jahr auch die Projektgruppe IG "Schlachtung mit Achtung" aus Kandern bzw. Fluorn-Winzeln. Diese Gruppe hatten wir bereits in der Südplus 3/2019 vorgestellt.

Schonende Schlachtung

Mit ihrer mobilen Schlacht-Einheit ermöglichen sie Rindern aus jeglicher Haltungsform einen Tod ohne Angst. Den Tieren soll ein Tod mit Würde, ohne Separation von der Herde, in ihrer gewohnten Umgebung, ohne Manipulation, vor allem ohne Transportstress ermöglicht werden.

Hierzu wurde mit viel technischem Aufwand die Mobile Schlacht-Einheit (MSE) entwickelt. Der Einsatz der MSE und der Schlachtablauf sollen für den Verbraucher gläsern sein. Jede Schlachtsequenz wird per Videoaufzeichnung festgehalten, um den tierschutzgerechten Umgang mit den Tieren zu dokumentieren.

Das zum Schlachten ausgewählte Tier wird vom Landwirt in einer der Fangeinheit ähnlichen Attrappe angefüttert. Danach fängt es sich selbsttätig ohne jegliches Eingreifen durch den Menschen in der dann aktiven Fangeinheit der MSE. Das Tier ist damit sicher am Kopf fixiert und wird anschließend direkt per Bolzenschuss betäubt.

Für die Entwicklung und Umsetzung der Schlachteinheit mit dem Ziel, hofnahe Schlachtungen für möglichst viele Rinder, haben sich Herr Mayer und Frau Kopf mit ihrer Projektgruppe über die Jahre in herausragender Weise eingesetzt. Mit der MSE werden nun schon seit September 2018 Tiere schonend geschlachtet.

Minister Hauk (li.) mit den Preisträgern Sandra Kopf und Thomas Mayer von der IG Schlachtung mit Achtung. (Bildquelle: MLR)

Die weiteren Preisträger

Gläserner Stall

Als weitere Preisträger wurden die Landwirte Volker Baumann - Zuchtsauenbetrieb mit Ferkelerzeugung - und Rudolf sowie Joachim Deitigsmann - Ackerbaubetrieb – ausgewählt. Sie haben 2015 gemeinsam einen Maststall für 1.482 Mastschweine gebaut, der sowohl Auslauf für die Schweine als auch einen Besucherraum integriert hat.

Die Kirchbühl Betriebsgemeinschaft aus Kupferzell baut das Futter für die Mastschweine selber an und mästet die erzeugten Ferkel aus. Die Mastschweine werden regional über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet. Den Tieren steht ein Platzangebot von 40 % über den rechtlichen Mindestvorgaben zur Verfügung. Die Stallbuchten sind in Liege-, Aktivitäts-, und Kotbereiche strukturiert.

Mitten im Stall befindet sich statt einer Mastbucht ein Besucherraum, der rundum verglast ist. So erhalten die Besucher einen umfassenden Einblick in den gesamten Stall, und damit auch in die moderne Landwirtschaft und eine tiergerechte Mastschweinehaltung im Alltag.

Hilfe für Katzen

Auch Gaby Brandt aus Sprechbach engagiert sich bereits seit 25 Jahren im Tierschutz und ist Preisträgerin. Sie führt Katzenkastrationsaktionen durch, kümmert und betreut herrenlose Tiere in Spechbach und Umgebung. Des Weiteren engagiert sie sich in der Vermittlung von Haustieren. Dabei steht sie alten, kranken und hilfesuchenden Menschen immer mit Rat und Tat zu Seite.

Gaby Brand hat sich durch ihr engagiertes Auftreten für die Tiere in ihrer sehr ländlichen Umgebung im Kraichgau schon seit Jahren einen Namen als aktive Tierschützerin gemacht. Sie steckt nicht nur ihre ganze Energie in die Tierschutzhilfe, sondern finanziert auch Katzenkastrationen und andere Tierarztbehandlungen fremder Tiere selbst, stellt Futter und Tierzubehör zur Verfügung. Sie arbeitet zudem eng mit dem Tierheim Wiesloch-Walldorf zusammen.

Rehrettung mit Drohnen

Die ehrenamtliche Arbeit des Vereins Rehrettung Hegau-Bodensee e.V. besteht darin, Wiesen mit Drohnen, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind, abzufliegen. So rettet der Verein Tiere wie Rehkitze vor dem Vermähen.

Damit sind sie deutschlandweit eine der ersten Organisationen, die solch eine sichere Rettungstechnik zur Anwendung gebracht haben. Die Mitglieder der Rehrettung arbeiten dabei sehr eng mit der Landesjagdschule Baden-Württemberg (Dornsberg) zusammen. In diesem Jahr wurde gemeinsam mit der Landesjagdschule ein zweitägiger Kurs angeboten, bei dem 23 Personen aus ganz Baden-Württemberg zu Rehkitzrettern ausgebildet wurden (inklusive Drohnenführerschein).

Neben der eigentlichen aktiven Rehkitzrettung ist die Informationsarbeit ein wesentlicher Bestandteil. So nutzen sie rund ums Jahr sämtliche Kommunikationswege zum Wissenstransfer. Sie stehen in regem Austausch mit anderen Rehkitzrettern und nehmen dabei eine wichtige Multiplikatorenfunktion wahr, indem sie neuere Projekte beraten. Der Verein schafft somit auch eine gute Verknüpfung der Felder Tierschutz, Landwirtschaft und Jagd.

Taubenhelfer aus Karlsruhe

Der Verein ‚Stadttaubenkonzept Karlsruhe e. V.‘ setzt sich aktiv für eine tierschutz-gerechte Regulierung des Stadttaubenbestands nach dem sog. ‚Augsburger Modell‘ ein durch.

Hierzu gehören unter anderem betreute Schläge, Versorgung der Tiere mit artgerechtem Futter und sauberem Trinkwasser, Bestandsregulierung durch Austausch der Gelege gegen Gipsattrappen und die tierärztliche Versorgung erkrankter oder verletzter Stadttauben.

Der Verein hat seit 2018 die Betreuung der Taubenschläge von der Stadt übernommen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind aber teilweise bereits seit über 15 Jahren auf diesem Gebiet aktiv. Es werden fast täglich verletzte Tauben abgeholt, aus Hinterhöfen gefangen sowie von Balkonen und sonstigen unerwünschten Nistplätzen geholt. Der Verein versorgt derzeit sechs Taubenschläge.

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Artikel geschrieben von

Helena Biefang

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