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Astsäge besser am Ausleger oder am Frontlader montieren?

Welcher Anbauraum ist für eine hydraulische Astsäge der richtige? Im Frontanbau am Lader oder im Heck des Schleppers an einem Auslegearm? Wir haben beide Möglichkeiten miteinander verglichen.

Lesezeit: 9 Minuten

Hydraulisch angetriebene Astsägen lassen sich mit entsprechenden Geräteträgern sowohl in der Front wie auch im Heck des Schleppers montieren. Doch welche Kombination passt wohin? Zusammen mit dem dänischen Hersteller Greentec testeten wir im Winter zwei verschiedene Geräte.

Bei unserem Systemvergleich kamen zwei baugleiche Sägen zum Einsatz, die an unterschiedlichen Geräteträgern montiert waren. Für den Frontanbau stand uns der Multiträger HXF 3302 zur Verfügung. Bei der Heckvariante wählten wir den mittelgroßen Seitenausleger Scorpion 630 Plus.

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Die Ergebnisse sind auch auf ähnliche Produkte anderer Hersteller übertragbar.

Zwei Trägergeräte, eine Säge

Um die Trägergeräte unter möglichst gleichen Bedingungen einsetzen zu können, wählten wir bei beiden das gleiche Anbaugerät. Dabei entschieden wir uns bewusst für die Säge, weil wir uns nicht nur auf die Pflege von Wallhecken konzentrieren wollten. Auch das beschneiden einzelner Bäume am Feldrand und das „Fällen“ von Sträuchern stand auf dem Plan. Welche Gründe für eine Astsäge sonst noch sprechen und wo die Astschere im Vorteil ist, lesen Sie unserem Beitrag „Hecken schneiden mit Blatt oder Schere?“.

Mit der von uns eingesetzten Säge LRS 2002 lassen sich bis zu 16 cm dicke Äste/Stämme kappen. Greentec bietet die „klassische“ Astsäge in vier verschiedenen Größen mit Arbeitsbreiten von 1,40 bis 2,40 m an – immer mit vier gleich großen Sägeblättern. Die Kreissägenblätter sind Hartmetallbestückt und drehen mit 3.200 U/min. Ein Hydraulikmotor bringt die Kraft über drei übereinanderliegende Riemen und insgesamt sechs Riemenscheiben auf die Sägeblätter, die alle in dieselbe Richtung drehen.

Wie der HXF 3302 Multiträger an den Lader angebaut wird

Der HXF 3302 Multiträger lässt sich mit schraubbaren Koppelplatten an verschiedene Lader anpassen. Unser Testgerät kam mit Euroaufnahme. Abgestellt steht die Maschine auf den fest montierten Stützen, wobei die Koppelpunkte senkrecht nach oben zeigen. Zum Anbau des 480 kg schweren Gerätes (inklusive Säge) muss man die Schwinge sehr weit auskippen, sehr exakt in die Haken justieren und anschließend in dieser Position die Geräteverriegelung betätigen. Ansonsten bekommt der Träger seitlich Übergewicht und rutscht beim Einkippen aus den Haken.

Für den HXF mit der optionalen, hydraulischen Winkelverstellung braucht es ein dw-Steuergerät, eine Druck- und Rücklaufleitung sowie einen zusätzlichen freien Rücklauf ohne Gegendruck direkt zum Öltank für das Lecköl des Hydraulikmotors. Die Druck- und Rücklaufleitungen sollten laut Hersteller am besten direkt an den Heckventilen des Schleppers gekoppelt werden. Dazu liefert Greentec auf Wunsch ein 8,5 m langes Schlauchpaket mit.

Wie der Scorpion 630 Plus an den Traktor angebaut wird

Der Scorpion 630 Plus wird über ein spezielles 4-Punkt-Montagesystem (zusammen mit Scharmüller entwickelt) mit dem Schlepper verbunden und soll dadurch mit dem Traktor eine feste Einheit ohne seitliches Spiel bilden. Mehr dazu und zu weiteren Details lesen Sie in unserem Fahrbericht zum Scorpion 630 Plus in der top agrar-Ausgabe 07/2023.

Auffällig war der in unserem Fall recht enge Anbauraum zwischen Schlepper (Fendt Vario 720) und Gerät. Aufgrund der eigenen Ölversorgung braucht der Scorpion in Grundausstattung keine externe Ölquelle. Hier muss man lediglich die Gelenkwelle koppeln und für den elektrischen Ölkühler ein Kabel direkt mit der Schlepperbatterie verbinden.

Welche Reichweite der Heckanbau bietet

Der Scorpion spielt seine Stärken durch die hohe Reichweite aus. Den Auslegearm kann man bei senkrechter Säge von der Maschinenmitte bis zu 6,25 m nach rechts schwenken. Stellt man die Säge waagerecht, sind es außen am Sägeblatt sogar 6,80 m. Für höher liegende Äste und Hecken ging es im Test bis zu 5,40 m hoch.

Die weite Auslage bedingt natürlich eine unsymmetrische Belastung der Schlepperhinterachse, trotz des recht nahen Anbaus des 1,9 t schweren Gerätes am Schlepper. So liegen bei voller Auslage 71 % der Hinterachslast auf dem rechten Hinterrad. Bei unserem Schlepper musste dieses Rad 5,1 t tragen. Greentec gibt eine Schleppermindestgröße von 5 t vor. Unserem 8,3 t schweren Traktor war die einseitige Last deutlich anzumerken. Mittlere 4-Zylinder-Traktoren fahren deshalb besser mit einem Gegengewicht im linken Hinterrad.

Welche Reichweite der Frontladeranbau bietet

Am Frontlader hat die Astsäge systembedingt eine deutlich geringere, seitliche Reichweite. In Arbeitsstellung sind es von Schleppermitte nur 2,30 m bei senkrecht arbeitender Säge (2,83 m bei waagerechter Position). Die Arbeitshöhe lag in der Spitze bei dem von uns eingesetzten Fendt 714 Vario mit dem Fendt Cargo Frontlader 5x85 bei 5,38 m – also auf gleichem Niveau mit dem Scorpion.

Der Vorteil des HXF liegt darin, dass sich die Arbeitshöhe durch den Einsatz eines Teleskopladers deutlich erhöhen lässt. Die Gewichtsverteilung ist mit 42 zu 58 % (linkes/rechtes Hinterrad) beim System Frontladeranbau deutlich ausgeglichener. Wir empfehlen für eine gleichmäßigere Belastung der Schwinge aber das optionale Gegengewicht (100 kg) zu ordern.

Wie sich Frontlader- und Heckanbauträger bei der Übersicht unterschieden

Der zweiteilige, rechtsseitige Ausleger des Scorpion 630 Plus bietet einen Schwenkbereich von 155°. Damit kann man die Anbaugeräte sehr weit nach vorne ins seitliche Blickfeld manövrieren. Das macht die Arbeit deutlich angenehmer, als wenn man ständig schräg nach hinten schauen muss.

Durch den großen Schwenkbereich und das doppelte Drehgelenk „Rotorflex“ (Standard bei den Plus-Modellen) ist aber auch die Arbeit bei Rückwärtsfahrt möglich. Die Übersicht überzeugt und auch bei der Bedienung sammelt der Scorpion Pluspunkte. Dazu gibt es einen Joystick (von Danfoss), der vier elektro-proportionale Ventile ansteuert. Zwei davon lassen sich mit der klassischen Kreuzhebelbewegung betätigen, die anderen beiden mit zwei Daumenschiebern oben auf dem Joystick.

Zusätzlich gibt es noch ein Schwarz-Weiß-Ventil. Die Bedienung wirkt zunächst deutlich komplexer als beim HXF, nach einem Tag Übung konnten wir mit dem Scorpion im Vergleich zum Frontlader aber deutlich schneller arbeiten.

Die Übersicht auf das Frontanbaugerät am Lader ist sehr stark abhängig vom Schlepper, Rad- oder Teleskoplader. Setzt man z.B. einen Schlepper mit einer ins Kabinendach reichenden Frontscheibe ein, ist die Sicht super. Bei Kabinen mit einem weit nach vorn gezogenen Dach wird die Arbeit hingegen auf Dauer anstrengend.

Die Bedienung des HXF ist wesentlich einfacher gehalten. Das meiste steuert man über die Funktionen des Laders. Einzig die optionale Schnittwinkelverstellung wird über einen zusätzlichen Steuerkreis mit Öl versorgt. Eine separate Bedieneinheit hatte unsere Testmaschine nicht, diese gibt es aber auf Wunsch.

In unserem Fall liefen alle Funktionen über die Schlepperventile. Alternativ bietet Greentec auch eine teleskopierbare Version an. Dann schiebt sich das Arbeitsgerät hydraulisch zur Seite. Im Test stellten wir die Ölfördermenge des Schleppers auf ca. 50 l/min ein. Wir priorisierten das dafür vorgesehene Steuergerät, da ansonsten die Säge beim Bedienen des Laders immer an Leistung verlor.

Wie Frontlader- und Heckanbauträger in der Praxis gearbeitet haben

Der Scorpion ist mit der weiten Auslage der Profi, wenn es auch darum geht, z.B. Sträucher, Bäume oder Hecken hinter einem Graben zu beschneiden. Oft unterschätzt man aber die Länge der Äste, die dann gerne auch mal Richtung Schlepper fallen. Im Test schnitten wir oft in mehreren Vorbeifahrten die Äste, damit uns nichts auf die Kabine fallen konnte. Beschneidet man die Äste jedes Jahr, hat man diese Probleme nicht. Gut gefallen hat uns das doppelte Drehgelenk des Scorpion. Damit ließen sich vor allem Einzeläste an Bäumen im echten Winkel schneiden. Wir haben das häufig genutzt. Außerdem kann man die Säge am Ausleger auch beispielsweise hinter Zäune manövrieren und dort sägen – top. Zur Überlastsicherung ist der Schwenkzylinder des Auslegers mit einem Stickstoffspeicher verbunden. Die Sicherung löste selten aus, wir konnten recht zügig fahren.

Mit dem HXF muss man näher an Hecken und Bäume ran. Damit ist gerade an Gräben der Einsatz eingeschränkt. Äste fallen vor dem Schlepper auf den Boden. Auch weit herausragende lassen sich deshalb in einem Zuge schneiden. Zudem ist die Gefahr geringer, dass etwas auf den Traktor fällt. Ein Zylinder samt Stickstoffspeicher im geschlossenen System sorgt für die Überlastsicherung des Arms. Auffällig war, dass diese relativ häufig mit kurzen Bewegungen arbeitete.

Wie Frontlader- und Heckanbauträger im Straßentransport funktionieren

Auf der Straße sind beide Geräte recht kompakt unterwegs. Den Ausleger des Scorpion kann man in verschiedenen Positionen „parken“. Wir legten diesen meistens quer zur Fahrtrichtung ab, drehten das Werkzeug nach hinten und schwenkten die Werkzeugaufnahme ganz aus. Damit ragt die Säge zwar etwa 80 cm nach hinten heraus, die Beleuchtungseinrichtungen waren aber noch zu erkennen. Für die Straßenfahrt ist der zweiteilige Schutz der Sägeblätter zu montieren. Insgesamt ist das Heckgerät aber einfacher in Transportstellung gebracht als der HXF.

Beim HXF ist Handarbeit gefragt, denn der Ausleger wird mechanisch per Hand eingeklappt (beim Modell Tele hydraulisch). Dazu muss man einen Bolzen lösen und die Säge komplett zur anderen Seite schwenken. Das geht am besten, wenn die Geräteaufnahme des Laders etwas nach vorne geneigt ist. Um nicht aus Versehen in die Zähne der Säge zu greifen, montiert man erst die Schutzbleche. Steht die Säge in Transportstellung, arretiert man diese mit einem Bolzen. Insgesamt hätte uns hier die teleskopierbare Lösung besser gefallen.

Fazit: Profigerät und Einsteigerlösung

Die Säge LRS 2002 machte im Test einen guten Eindruck. Greentec gibt eine Lebensdauer von mindestens 200 Stunden an, bis die Sägeblätter getauscht werden müssen. Außerdem lassen sie sich schärfen. Bei Überlast reagiert ein Überdruckventil im Hydraulikmotor. Eine Drehzahlkontrolle der Sägeblätter gibt es nicht. Die Sägeblätter liegen in einer Ebene und haben deshalb keinen Überschnitt. Zwischen den Blättern ist etwa 2 mm Luft. Deshalb schieben sogenannte Astführer zwischen den Blättern die Äste vor die Schneide, damit diese sicher geschnitten werden.

Mit beiden Systemträgern in Kombination mit der Astsäge lassen sich die Knick- und Heckenpflege einfach erledigen. Unser Vergleich zeigt, dass man mit dem Scorpion als „Profi-Gerät“ deutlich schneller unterwegs ist. Zudem bietet er mehr Möglichkeiten als der einfache Ausleger für den Laderanbau. Das im Heck gekoppelte System überzeugt mit einer großen, seitlichen Reichweite, was viele Vorteile bietet. Nach kurzer Eingewöhnung in die Bedienung lässt sich damit sicher arbeiten.

Soll das Gerät hauptsächlich für die eigene Heckenpflege laufen, dürfte für die meisten Landwirte der Ausleger HXF die erste Wahl sein. Denn dieser kostet inklusive Säge 16.130 €. Der Scorpion schlägt hingegen mit einem Listenpreis in Testausstattung inklusive Säge von 69.500 € (exkl. MwSt.) zu Buche. Damit ist der Auslegearm nur für den überbetrieblichen Einsatz und im Kommunalbereich interessant – auch wenn die Liste der möglichen Anbaugeräte länger ist. Die Säge LRS kostet einzeln 10.340 €.

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