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Biokraftstoff im Traktor: Bayerische Experten geben grünes Licht

Testreihen des bayerischen Technologie- und Förderzentrums (TFZ) zeigen vergleichbare Leistungsdaten und nahezu identische Abgaswerte zwischen Biokraftstoffen und fossilem Diesel.

Lesezeit: 4 Minuten

Der Einsatz von Biokraftstoffen ist im Traktor nach wie vor nicht die Regel. Oft gibt es auf Seiten der Landwirte Vorbehalte, was Leistung oder auch Motorenverschleiß angeht. Die bayerischen Staatsbetriebe und das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) haben da aber andere Erfahrungen gemacht.

Wie Dr. Johannes Ettl vom TFZ im Rahmen der Tagung „Kraftstoffe der Zukunft“ vergangene Woche Dienstag in Berlin erläuterte, ist die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte in der Landwirtschaft gerade in der aktuellen Abgasstufe V immer noch eine Herausforderung. Batterieelektrische Antriebe seien derzeit erst im unteren Leistungsbereich wegen fehlender Reichweite und Energiedichte eine Alternative. Deshalb brauche es weiterhin energiedichte flüssige Kraftstoffe, betonte Ettl.

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Rapsöl, Biodiesel oder Hydrierte Pflanzenöle (HVO) erfüllen ihm zufolge diese Voraussetzung, schaffen darüber hinaus Wertschöpfung im ländlichen Raum und bieten auch in ökologischer Hinsicht Vorteile, etwa hinsichtlich Gewässerschutz. Zudem gebe es beispielsweise mit dem Deutz-Fahr 6165.4 TTV, dem John Deere 6135R oder dem Fendt 211 V Vario bereits Traktoren, die in der Abgasstufe V auf Rapsöl, Biodiesel oder HVO als Kraftstoff vorbereitet seien.

Wie zuverlässig im Betrieb?

Gleichwohl stellt sich die Frage, ob diese „neuen Lösungen“ zuverlässig im laufenden Betrieb sind und die Emissionsgrenzwerte damit eingehalten werden können.

Auf den bayerischen Staatsgütern werden nach Ettls Angaben momentan 23 Traktoren ausschließlich mit Rapsöl, weitere sieben mit Biodiesel und fünf Schlepper mit HVO betrieben. Zusammen haben diese Maschinen (wegen verschiedener Baujahre in den Abgasstufen I bis V) mehr als 100.000 Betriebsstunden geleistet. Einzelmaschinen hätten schon 10.000 Stunden überschritten, also ein komplettes „Traktorleben“ durchlaufen, unterstreicht Ettl.

Er räumt ein, dass mitunter „Kinderkrankheiten“ in einigen Motoren zu beobachten waren. Diese seien in der Regel aber auf das Niederdruck-Kraftstoffsystem begrenzt gewesen - etwa unregelmäßig schaltende Kraftstoffventile oder kleinere Leckagen. Gleichzeitig hätten Motoranalysen gezeigt, dass der Verschleiß über die Betriebszeit gering ist und auch kein erhöhter Wartungsaufwand im Vergleich zu Dieselmotoren nötig ist, berichtete Ettl.

Valtra T214: fast keine Leistungsunterschiede

Auch auf dem Prüfstand haben sich die Motoren bewährt. Ein derart vom TFZ untersuchtes Modell ist der Valtra T214 Direct mit 169 kW, der in der Abgasstufe V mit HVO läuft. Im Test wurde die gleiche Maschine mit dem Biokraftstoff und herkömmlichem Diesel betrieben.

Dabei zeigte sich, dass die Leistung des Traktors bei beiden Kraftstoffarten nahezu gleich ausfiel. Der gravimetrische Kraftstoffverbrauch war bei HVO etwas geringer, der volumetrische Verbrauch hingegen etwas höher als mit fossilem Diesel. In der Praxis müssten Landwirte mit HVO etwa 5 % mehr Kraftstoffvolumen im Einkauf einkalkulieren, verdeutlichte Ettl.

Unterm Strich sei die Effizienz bei Verbrennung und bei den „Kilowattstunden an der Zapfwelle“ jedoch die gleiche, so der TFZ-Prüfstandleiter. Auch bei den Abgaswerten seien keine signifikanten Unterschiede festgestellt worden, egal, ob vor oder nach der Abgasnachbehandlung.

Fendt Vario 211V: Biodiesel liefert 10 % weniger

Eine weitere Messreihe hat das Technologie- und Förderzentrum mit dem Fendt Vario 211V mit 77 kW durchgeführt. Hier wurden HVO, Biodiesel und normaler Diesel verglichen. Mit B100 stellten die Techniker einen Leistungsabfall zwischen 5 und 10 % an der Zapfwelle fest.

Der Verbrauch lag beim Biodiesel gleichzeitigt etwas höher. Das führt Ettl allerdings auf den von Natur aus niedrigeren Heizwert, also die geringere Energiedichte von Biodiesel zurück. Effizienz und Abgaswerte seien aber bei allen Kraftstoffen vergleichbar und innerhalb der Grenzwerte gewesen.

Alle Biokraftstoffe geeignet für die modernen Traktoren

Vor diesem Hintergrund kann Ettl nicht nachvollziehen, warum nicht alle Landwirte erneuerbare Kraftstoffe fahren. Rapsöl, Biodiesel und HVO seien geeignet für die moderne Traktorengeneration. Der Einsatz sei in der Praxis genauso zuverlässig wie bei Diesel.

Für eine bessere Verbreitung braucht es nach Auffassung des Fachmanns aber noch ein größeres Angebot an offiziell für Biokraftstoffe zugelassene Traktormodellen. Mit einer steigenden Nachfrage und höherer Stückzahl sinke erfahrungsgemäß auch die Gefahr von Kinderkrankheiten, so Ettl. Er wünscht sich dafür aber auch bessere Rahmenbedingungen, beispielsweise dass nicht für jede einzelne Biokraftstoffart eine individuelle Typgenehmigung eingeholt werden muss. Auch dürften Biokraftstoffe steuerlich keinesfalls schlechter gestellt werden als fossiler Diesel.

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