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Bundesumweltministerium sieht keine Zukunft für Biodiesel und Co

Geht es nach dem Bundesumweltressort, werden Biokraftstoffe künftig nicht mehr aus Nahrungs- und Futtermitteln hergestellt.

Lesezeit: 3 Minuten

Biokraftstoffe der Ersten Generation wie Biodiesel aus Rapsöl oder Ethanol aus der Zuckerrübe sind dem Bundesumweltministerium schon lange ein Dorn im Auge. Nun hat das Ressort im Disput mit dem Bundesverkehrsministerium noch einmal nachgelegt, stößt damit aber auf heftigen Widerspruch beim Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), Stefan Walter.

„In Zeiten einer sich weltweit verschärfenden Ernährungssituation ist es aus unserer Sicht nicht vertretbar, weiter große Mengen an Agrokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermitteln im Verkehrsbereich zu fördern“, erklärte ein Sprecher des Umweltressorts gestern gegenüber Agra-Europe. Seinen Angaben zufolge sind die Beratungen darüber, inwieweit die Förderung von diesen Agrokraftstoffen weiter begrenzt und heruntergefahren wird, innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen.

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Besser Elektromobilität ausbauen

„Deutschlands Klimaziele und die Verkehrswende erreichen wir besser mit dem Ausbau der Elektromobilität“, betonte der Sprecher. Außerdem stünden in den kommenden Jahren immer mehr fortschrittliche und abfallbasierte Agrokraftstoffe unter anderem aus Gülle, Stroh oder auch Altspeiseölen sowie grüner Wasserstoff als nachhaltigere Optionen zur Verfügung.

Der Sprecher verwies auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der die Verletzlichkeit und Abhängigkeit der fossilen Energieversorgung, aber auch der weltweiten Lebensmittelversorgung schmerzhaft vor Augen führe. Der kriegsbedingte Lieferausfall von Getreide aus der Ukraine und der Ausfall eines erheblichen Teils der Ernte dort machten die weltweit bereits angespannte Situation noch schwieriger. Die hohe und steigende Nachfrage nach Agrargütern zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung müsse gedeckt werden.

Acker wird für Nahrungsmittel benötigt

Die sich daraus ergebenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln spürten vor allem die Menschen in ärmeren Ländern, aber auch die Menschen in Deutschland. Die Förderung von Biokraftstoffen aus diesen Rohstoffen verstärke die Nachfrage. „Agrarflächen sind weltweit begrenzt und wir brauchen die Flächen dringend für die Ernährung“, so der Sprecher.

Ihm zufolge ist der Anbau von Energiepflanzen indirekt mit zusätzlichen Emissionen verbunden: „Wenn Energiepflanzen auf bestehenden Agrarflächen angebaut werden, muss die Nahrungsmittelproduktion ausweichen, meist in Wald- und Moorgebiete.“ Im Zuge dieser „indirekten Landnutzungsänderung“ (iLUC), gingen wichtige CO2-Senken verloren. Diese Effekte seien weltweit feststellbar und würden in der Öko-Bilanz der Kraftstoffe nicht berücksichtigt. Die Klimaschutzwirkung von Agrokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermitteln werde daher zu Recht seit vielen Jahren angezweifelt.

Unverzichtbare Koppelprodukte

Gegenüber Agra-Europe trat BDBe-Geschäftsführer Walter der Argumentation des Umweltministeriums entgegen, der Einsatz von Biosprit aus Anbaubiomasse verschärfe die ohnehin angespannte weltweite Ernährungslage: „Bioethanol aus ganz überwiegend zur Ernährung ungeeigneten Ackerpflanzen ist kein Treiber weltweiter Nahrungsmittelpreise.“ Stattdessen würden die bei der Produktion entstehenden Koppelprodukte wie Futter- und Düngemittel oder biogenes CO2 dringend zur Sicherung der heimischen Lebens- und Futtermittelwirtschaft benötigt und sorgten damit für Ernährungssicherheit.

Wenig hilfreich sei es, so Walter, langfristig ausgelegte Rahmenbedingungen für erneuerbare Kraftstoffe im Verkehr und damit für mehr Klimaschutz immer wieder in Frage zu stellen. Erst vor rund einem Jahr habe der Gesetzgeber die Treibhausgasminderungsvorgaben für den Verkehr bis 2030 neu regelt und dabei auch Biokraftstoffen eine begrenzte Rolle zugeschrieben.

Mittelfristig keine Alternative zu Biokraftstoffen

„Fast 90 % der CO2-Einsparungen im Verkehr leisten derzeit Biokraftstoffe“, betonte der BDBe-Geschäftsführer. Zu ihnen gebe es angesichts des ganz überwiegend mit Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeugbestandes mittelfristig keine Alternativen. Ohne diesen Klimaschutz seien die CO2-Minderungsziele im Verkehr nicht erreichbar. Die vom Bundesumweltministerium immer wieder unterstellten Effekte der indirekten Landnutzungsänderungen (iLUC) stehen laut Walter aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegen, wonach die Nutzung zertifiziert nachhaltiger europäischer Agrarrohstoffe keinerlei derartige Effekte nach sich ziehe.

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