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topplus Ackerbauprojekt

Controlled Row ­Farming: Künftig alles in festen Reihen?

Zunehmende Resistenzprobleme und die gleichzeitige politische Forderung nach weniger Pflanzenschutz machen das neue Projekt „Controlled Row Farming“ interessant. Hier die Details.

Lesezeit: 6 Minuten

Wie lassen sich die Ziele der Politik mit einem effizienten, ertragreichen und wirtschaftlich tragfähigen Ackerbau in Einklang bringen? Genau an dieser Frage setzt das neue Projekt Controlled Row Farming, kurz CRF, an.

Initiiert wurde es im Jahr 2020 von den Firmen Amazone, Schmotzer und Agravis. Kern davon ist ein vollkommen neues Ackerbauverfahren, das auf feste Reihenabstände aller Kulturen setzt. Das soll z. B. auch den Anbau von Untersaaten zur Förderung der Artenvielfalt und einen effizienteren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Wir stellen das Projekt vor.

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Im Mittelpunkt steht die ­50er-Reihenweite

Im Projekt wählte das Team eine fixe Reihenweite von 50 cm für alle Kul­turen – Getreide wird in einer Doppelreihe von 2 x 12,5 cm angebaut. Dadurch ergeben sich folgende Vorteile:

  • In allen Kulturen wird der Einsatz ­einer Hacke möglich. Kombinieren lässt sich das Hacken mit einer Band­applikation von Herbiziden auf die Reihe. Zudem ist in höheren Beständen bei Fungi­zid­behandlungen die Anwendung reihenbezogener Systeme wie Dropleg-Düsen denkbar. Diese Maßnahmen reduzieren und präzisieren den Pflanzenschutz.
  • In den Reihenzwischenräumen lassen sich Untersaaten anlegen. Diese fixieren Nährstoffe, bieten Erosionsschutz und fördern die Biodiversität.
  • Die Düngung muss nicht mehr flächig erfolgen, sondern kann reihenweise durchgeführt werden. Auch eine platzierte Unterfuß-/flurdüngung ist machbar. Speziell im Getreide ist es möglich, mit Schleppschläuchen Flüssigdünger mittig in der Doppelreihe abzulegen. Die Maßnahmen verbessern somit die Ausnutzung der Nährstoffe und mindern den Düngereinsatz.

Einen weiteren Vorteil sehen die Projektinitiatoren darin, dass man bei dem System die feste 50 cm-Reihenweite im nächsten Jahr abhängig von der Fruchtfolgestellung versetzen kann. Dann lassen sich auch die Vorfruchteffekte z. B. der Untersaat nutzen.

Das System im Test

Ob sich dieses Ackerbaukonzept mit den genannten Vorteilen in der Praxis umsetzen lässt, welche Erträge sich damit erzielen lassen und ob es gegenüber konventionellen Verfahren wirtschaftlich ist, wird auf dem Versuchsbetrieb Gut Wambergen von Amazone in ­Hasbergen-Gaste (Niedersachsen) geprüft. Auf dem 10,4 ha großen Versuchsschlag (Pseudogley/Parabrauner­de/Plaggenesch mit 44 bis 59 Bodenpunkten) werden Gerste, Weizen, Raps und Mais in folgenden vier Ackerbausystemen angebaut:

  1. Standard: Ackerbau mit üblicher Flächenbearbeitung nach Standardempfehlungen.
  2. Modern: Ackerbau unter Beachtung neuer Ackerbaumethoden.
  3. CRF-reduziert: Ackerbau auf 50 cm-Reihenweite mit dem Ziel der maximalen Biodiversität.
  4. CRF-optimiert: Ackerbau auf 50 cm-Reihenweite mit dem Ziel des maximalen Ertrags.

Viele werden sich dabei zunächst die Frage stellen, ob man z. B. Raps überhaupt in einer 50er-Reihe ohne Ertragsminderungen anbauen kann. Dazu hat Dr. Joachim Bischoff, LLG Sachsen-Anhalt, Versuche durchgeführt. Sein Ergebnis: Wird Winterraps in Einzelkornsaat auf Rübenreihenweite (45 cm) gesät, ist nicht mit Mindererträgen zu rechnen. Dass Mais in Engsaat (37,5 cm) sogar höhere Erträge als in der 75er-Reihe bringen kann, zeigen Untersuchungen von Prof. Dr. Yves Reckleben, FH Kiel.

Vielversprechende ­Ergebnisse für Wintergerste

Erste Ergebnisse des Projektes liegen für Wintergerste aus 2021 vor. Die ­Details: Die Aussaat der Sorte KWS Wallace wurde am 4. Oktober 2020 durchgeführt. Die Saatstärke lag in der Standardvariante bei 310 keimfähigen Körnern/m² (bei 12,5 cm-Reihenweite, rechnerischer Kornlängsabstand 2,58 cm).

In der modernen Variante wurde bei gleicher Reihenweite die Saatstärke halbiert (155 Körner/m², Kornlängsabstand 5,16 cm). Die beiden CRF-Varianten wurden identisch angelegt – immer zwei Reihen im Abstand von 12,5 cm und dann zwei Reihen geschlossen, um der Untersaat Raum zu geben.

Die Unkrautkontrolle erfolgte am 4. November 2020 ganzflächig mit einem Herbizid. Denn der Einsatz einer Hacke war wegen regelmäßiger Niederschläge im Oktober unmöglich. Die Alternative einer Bandspritzung im Herbst kombiniert mit einem Hackdurchgang im frühen Frühjahr erschien dem Projektteam wegen des sehr hohen Unkrautdrucks zu risikoreich. Hier zeigte sich, dass eine Flexibilität innerhalb des CRF-Systems absolut wichtig ist. Die weitere Bestandsführung mit Düngung und Pflanzenschutz erfolgte einheitlich. 

Wegen des ausgefallenen Hackgangs im Herbst ließ sich auch keine Untersaat zur Saat anlegen. Im Frühjahr war es aber möglich, in der Variante „CRF-reduziert“ am 4. April 2021 während des Hackens Alexandriner Klee auszusäen. In der Konkurrenz zur Gerste und in dem kalten Frühjahr entwickelte sich der Klee zunächst langsam. Auch wenn der Untersaatbestand zur Ernte dann relativ gut aussah, war hier der Effekt hinsichtlich einer Förderung von Biodiversität eher gering. In diesem Jahr will man Begleitpflanzen intensiver fördern.

Vielversprechend sind aber die wichtigsten Ertragskennzahlen: So lagen die Feldaufgänge der Gerste in den CRF-Varianten bei 92 bis 100 % und somit auf dem Niveau der betriebsüblichen Varianten. Bei der Bestandsdichte waren die Unterschiede deutlicher. Bei hoher Saatstärke (betriebsüblich) bildeten sich fast 400 Ähren/m2, bei geringer waren es signifikant weniger (alle anderen Varianten).

Doch wie steht es um den Ertrag? Die Ernte begann am 24. Juli. Jede ­Variante wurde im Block gedroschen und gewogen. Das Ergebnis: Die Unterschiede zwischen den Varianten waren so gering, dass man insgesamt von einheitlichen Erträgen sprechen kann.

Das heißt, dass die geringere Ährenzahl in den CRF- und in der betriebsüblich modernen Variante offensichtlich durch eine bessere Kornausbildung kompensiert wurde. Die ermittelten rund 78 dt/ha sind für den Standort und die Region durchschnittlich.

Zwischenfazit: Der Anbau von Wintergerste in der CRF-Doppelreihe kann gleich hohe Erträge bringen wie im konventionellen Anbau. Hinzu kommen die Vorteile des CRF-Systems (Hackeinsatz möglich, weniger Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz etc.).

Investitionen in Technik nötig

Allerdings erfordert das neue Ackerbaukonzept eine Umstellung der Technik. So müssen sämtliche Arbeitsgänge mit hochgenauer Spurführung per RTK bzw. später mit Kamerasteuerung durchgeführt werden. Im Mittelpunkt der erforderlichen Technik steht bei CRF eine präzise Hacke mit einer integrierten Bandspritze (möglichst plus Dünger- bzw. Saatguttank).

Alternativ kann man absetzig verfahren – dann wird zunächst gehackt, dabei eventuell eine Untersaat ausgebracht und danach ein reihen­bezogener Pflanzenschutz durchgeführt. Auch der Sätechnik kommt bei CRF eine Schlüsselrolle zu. Von Vorteil wäre dabei die Möglichkeit, Saatgut, Dünger und Untersaat gleichzeitig ausbringen zu können. Wünschenswert wäre z. B. eine Umschaltung von Doppelreihe 2 x 12,5 cm auf ganzflächige Saat bzw. eine gleichzeitige Saat von Kulturpflanze auf Doppelreihe und Untersaat in den Zwischenbereich.

Allein diese Beispiele zeigen die Dimension der nötigen Investitionen. Wie wirtschaftlich das CRF-System gegenüber konventionellen Verfahren ist, wird in Kürze anhand von Beispielbetrieben untersucht.

Ausblick

Die politische Ausrichtung und die Resistenzprobleme zeigen, dass sich der Ackerbau in Zukunft verändern wird. Das CRF-Projekt soll mög­liche Lösungen aufzeigen, wie eine Balance zwischen Ökologie und wirtschaftlichem Ackerbau gelingen kann. Infos über den aktuellen Projektstand finden Sie unter www.controlled-row-farming.de

Zurzeit wird der reihenbezogene Ackerbau mit reduziertem Pflanzenschutz sowie die Förderung von Nütz­lingen und Wildkräutern auch am DLG-Pflanzenbauzentrum in Bernburg-Strenzfeld im Systemvergleich ReNuWi geprüft. Informationen dazu finden Sie unter dlg.org

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