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Press-Wickelkombination aus dem Baukasten von Kuhn

Ein gezogener Wickler hinter einer Solo-Presse ist eine Alternative zur klassischen Kombi-Maschine, spart im Vergleich aber Personal. Wir konnten eine Kombi von Kuhn einsetzen.

Lesezeit: 9 Minuten

Das aufgelöste Verfahren bei der Rundballensilage ist bis zu einer gewissen Auslastungsgrenze güns­tiger als die Press-Wickelkombination – das ist eines der Ergebnisse aus unserem Wicklervergleich 2023.

Trotzdem sind immer mindestens zwei Fahrzeuge und zwei Personen nötig, was wiederum für die Press-Wicklelkombination spricht. Oder man macht es wie Kuhn und hängt den Wickler einfach hinter die Presse. Dann kann er in der Silage mitfahren, es braucht nur einen Schlepper und eine Person.

Bei der Ernte von Heu und Stroh bleibt er in der Halle. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, was die Stärken und Schwächen dieser eher außergewöhnlichen Kombination sind, wie leistungsfähig sie im Gegensatz zur aufgelösten Variante ist und was es am Ende kostet, konnten wir in einem Systemvergleich zusammen mit dem Hersteller erfahren.

Nicht für alle

Kuhn bietet diese Maschinenzusammensetzung mit einigen, wenigen Geräten an. Im Detail sind das die Baureihen FB 3100 (Festkammerpressen) und VB 3200 (variable Runballenpressen, im Test noch die Vorgängerserie 3100, die aber weitestgehend baugleich zur neuen Serie ist) sowie der gezogene Sattelitenwickler RW 1810.

Grundvoraussetzung für das Gespann ist unter anderem ein EU-homologiertes Zugmaul, das es direkt ab Werk gibt. Eine weitere Voraussetzung für die EU-Zulassung ist die Luftdruckbremsanlage (4.000 €) an der Presse ab Werk.

Für unseren Vergleich stand uns die variable Rundballenpresse VB 3195 mit einem 23-Messerschneidwerk sowie der Wickler RW 1810 zur Verfügung. Die Kombination aus den beiden Maschinen bringt es auf eine Investition von 129.190 €, wovon rund 86.500 € für die Presse fällig sind. Eine vergleichbare, „klassische“ Press-Wickel-Kombination VBP 3195 kostet bei Kuhn etwa 149.300 € (Listenpreise netto).

Viele Leitungen

Um im Gespann mit den beiden Maschinen gleichzeitig arbeiten zu können, montiert der Hersteller hinten an der linken Seite der Presse ein Zugmaul. Hier lässt sich der Wickler anhängen. Ein Bolzen samt Federsplint sowie eine zusätzliche Kette sichern die Verbindung. Die Kupplung ist relativ tief angebracht.

Beim Wechsel des Wicklers auf den Solobetrieb muss man die geschraubte Zugöse drehen, wenn man den RW 1810 hinter größeren Schleppern fahren will. Dann geht das nur mit dem Zugmaul in unterster Position der Rasterschiene.

Damit man den Wickler bei der Kombifahrt vom Schlepper aus bedienen kann, hat Kuhn alle dafür notwendigen Leitungen an der Presse entlang zum Koppelpunkt verlegt bzw. verlängert. Das waren in unserem Fall sechs Leitungen. Alle Anschlüsse sind ordentlich auf einer Trägerplatte zusammengefasst und relativ schnell verbunden.

An der Presse wird es vorne allerdings etwas unübersichtlicher, denn alle Leitungen finden sich hier wieder. Sie sind als Bündel verlegt und müssen zusätzlich gekoppelt werden. Hinzu kommen noch die acht Leitungen der Presse selbst. Damit ist es im Heck des Schleppers schnell voll. Um die gesamte Kombi anzubauen, brauchten wir im Test rund 15 Minuten.

Dass es eine „Baukastenlösung“ ist, sieht man auch bei der Bedienung der Maschinen. Unsere Test-Presse steuerten wir per Isobus. Den Wickler wiederum über das kuhneigene VT 30. Das Ganze wird noch mit einer Kameraanzeige komplettiert, wofür es je nach Schlepperausstattung noch einen eigenen Bildschirm benötigt.

Im Gespann unterwegs

Auf der Straße folgt der Wickler der Presse wie ein zweiter Anhänger. Die beiden Maschinen bringen es hintereinander auf eine Gesamtlänge von 9,20 m. Um den Wickler vor einem versehentlichen Ausschwenken zu schützen gibt es eine auf das Gespann abgestimmte, mechanische Sperre. Dies ist ein Flachstahl mit zwei Bohrungen, der zwischen Deichsel und Rahmen des RW 1810 geklemmt wird.

Zugegebenermaßen sind wir mit der Intention in den Test gegangen, dass wir auf kleinen Flächen deutlich schneller mit den Sologeräten unterwegs sind und das Rangieren mit dem „Gespann“ sehr schwierig ist. Hier wurden wir aber eines Besseren belehrt, denn der Zug bringt auch einige Vorteile. Weil beide Geräte mit einer Soloachse unterwegs sind, radieren die Räder in Kurven nicht wie bei einer Kombi auf Tandemachse – top. Zudem ist man sehr wendig. Auch das Rückwärtsfahren mit der seitlichen Anhängung funktionierte mit etwas Übung gut.

Deutlich mehr Übung ist aber beim Arbeiten, vor allem bei der Ballenübergabe, gefragt. Denn der Wickler muss dazu immer gerade hinter der Presse stehen. Ansonsten rollt der Ballen seitlich weg und man muss mit der hydraulisch schwenkbaren Deichsel versuchen, ihn zu fangen. Anschließend wird es schwierig, den Wickler wieder in die passende Flucht der Presse zu bringen. Hier fehlte uns eine mechanische Anzeige, die man zum Beispiel im Kamerabild sieht.

Sehr wichtig sind die Schwadform und die Fahrweise beim Pressen. Die Schwade sollten sehr gelichmäßig sein um die Kanten der Ballen gut zu füllen. Denn dann sind auch die Ballen sehr gerade und rollen direkt aus der Presskammer zur Ladegabel des Wicklers. Unförmige Schwade bringen schnell schiefe Ballen, die seitlich wegrollen. Dann muss man den Wickler nachsteuern und verliert recht viel Zeit.

Manuell oder automatisch

Sowohl die Netzbindung der Presse sowie der gesamte Wickelvorgang können im Automatikmodus gefahren werden. Das heißt: Ist die Ballenkammer bis zur gewünschten Menge gefüllt, lässt die Software das Netz selbstständig einschießen. Dann hat man keine Chance mehr, aus dem Schwad zu fahren und den Zug gerade zu stellen, ohne die Zapfwelle vorher auszuschalten. Denn ansonsten zieht die Pick-up unter Umständen noch Futter in die Kammer und legt es zwischen die Netzlagen.

Wird der Ballen ausgeworfen, kann ihn der Wickler im Automatikmodus eigenständig aufnehmen, wickeln und ablegen. Den Befehl zur Aufnahme bekommt er (nur in dieser Kombination, sonst per Laser), indem der Ballen ­gegen eine mechanische Ladeklappe rollt – im Idealfall. Liegt der Ballen aber nicht optimal, kann es auch schon mal zu Störungen kommen.

Wir steuerten gerade auf kleineren Schlägen deshalb alle Funktionen meistens im manuellen Modus: Netzbindung erst, wenn der Zug gerade steht, dann Heckklappe öffnen, wieder schließen und anschließend den Lade- und Wickelvorgang per Taste oder Touch auf der Wicklerbedienung starten. Liegt der Ballen mal nicht ganz optimal, kann man durch langsames Geradeausfahren etwas nachhelfen. Auch die Ballenablage steuerten wir manuell, denn sonst kann man sich in brenzlige Situationen bringen. Auf geraden Schlägen ist mit etwas Routine das Arbeiten im Automatikmodus kein Problem.

Insgesamt fordert die Kombination aus beiden Geräten mit zwei Bedienelementen die volle Aufmerksamkeit des Fahrers. Wir brauchten rund 100 Ballen Übung, um die Geräte auf Leistung fahren zu können.

Langsamer, aber günstiger

Neben dem Handling hat uns auch die Leistungsfähigkeit des Baukastensystems interessiert. Dazu ermittelten wir, wie viele Ballen sich unter optimalen Bedingungen pro Stunde mit den beiden Varianten pressen und wickeln lassen. Das testeten wir sowohl in Heulage wie auch in Silage unter folgenden Bedingungen:

  • Heulage, 1,30 m Ballendurchmesser, halber Messersatz, Weichkern bis 60 cm Durchmesser, außen voller Pressdruck

  • Silage, 1,30 m Ballendurchmesser, voller Messersatz, voller Pressdruck

  • Wickeln jeweils mit 6 Lagen Folie

  • Netz mit 3,2 Lagen

Wie zu erwarten lagen die Leistungen der Solo-Maschinen jeweils höher als die der Kombination. So presste die VB 3195 in Heulage rund 56 Ballen pro Stunde, in Silage waren es durchschnittlich 41. Der Solowickler kam auf eine theoretische Stundenleistung bei sechs Lagen Folie von 92 Ballen. Da man nach etwa 46 Ballen aber die Folie wechseln muss, und wir für einen Folienwechsel rund fünf Minuten brauchten, liegt die „echte“ Leistung unter Optimalbedingungen bei 85 Ballen pro Stunde.

Auch wenn das Öffnen und Schließen der Presskammer genauso lange dauert, wie der Wickler benötigt, um den Ballen aufzunehmen, kamen wir im Test bei vergleichbaren Bedingungen trotzdem nicht auf die Werte der Solopresse. Das liegt vor allem ­daran, dass wir die Wicklerdeichsel öfters nachsteuern mussten. Deshalb sind die Leistungen hier mit 42 Ballen pro Stunde in Heulage und 32 Ballen je Stunde in Silage deutlich geringer. Je nach Flächenstruktur und Erntemenge sowie Schwadform kann man aber auch noch etwas mehr schaffen.

Bei den Kosten hingegen hat die Kombination die Nase vorn. Hier berechneten wir, wie hoch die Kosten je Ballen sind, bezogen auf den Einsatz der Schlepper inklusive Kraftstoff und Fahrer. Dazu nutzen wir Maschinenring-Erfahrungssätze. Für die Varianten Solo-Presse und Kombination kommt bei unserer Kalkulation ein Schlepper in einer Leistungsklasse zwischen 141 und 160 PS zum Einsatz, der je Stunde 70 € kostet. Für den Wickler reicht ein Schlepper mit weniger Leistung aus (61 bis 80 PS), der mit einem Stundensatz von 44,50 € verbucht wird. Jeweils für die Einsätze in Heulage und Silage kommen wir so auf folgende Schlepper-, Kraftstoff- und Lohnkosten:

  • Heulage, Solovariante 1,77 € je Ballen, Kombination 1,67 € je Ballen

  • Silage, Solovariante 2,23 € je Ballen, Kombination 2,19 € je Ballen

Warum keine echte Kombi?

Kritiker werden an dieser Stelle anmerken, dass die klassische Press-Wickelkombination im Vergleich zur Baukasten-Variante deutliche Vorteile hat. Das sind zum einen die sichere und schnellere Ballenübergabe, die Ballen berühren den Boden nicht und in Heu und Stroh kann man die Doppelablage zum schnelleren Transport nutzen.

Allerdings hat die Press-Wickelkombination den Wickler immer dabei, auch wenn die Ballen nicht gewickelt werden. Hinzu kommt: Geht die Presse vom Hof, geht oft noch ein gut erhaltener Wickler mit. Anders sieht es bei der aufgelösten Variante aus, hier kann ein Wickler auch mehrere Pressen „überleben“ und im überbetrieblichen Einsatz unter bestimmten Bedingungen sogar zwei Pressen hinterherarbeiten. Außerdem bietet sich mit der „Kombi aus dem Baukasten“ auch die Möglichkeit, solo zu arbeiten – je nachdem wie schnell man arbeiten muss, wie viele Arbeitskräfte und Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Der Wickler kann im Solobetrieb zum Beispiel die Ballen sammeln und zusammenlegen, was die Press-Wickelkombination nicht direkt bietet. Außerdem sind die Sologeräte in Summe etwa 1.000 kg leichter als die vergleichbare VBP 3195.

Trotzdem bleibt die Kombi aus dem Baukasten wohl eher ein Nischenprodukt, da die Vorteile der Press-Wickelkombi vor allem im Hinblick auf das Handling und die Bedienbarkeit Vorteile hat. Wechselnde Fahrer wird sie besser „vertragen“.

Ausführliche Informationen zur Presse VB 3195 sowie dem Wickler RW 1810 lesen Sie in der nächsten top agrar-Ausgabe. Hier gehen wir dann auch näher auf das 3D-Wickeln ein.

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