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topplus Politik trifft Praxis

Ackerbau – in welche Zukunft steuern wir?

Politik & Landwirtschaft reden häufig übereinander statt miteinander. Das soll sich ändern – mithilfe des neuen Formats "Politik trifft Praxis". Den Startschuss gab die erste Veranstaltung am Dienstag

Lesezeit: 5 Minuten

Die Liste der Streitthemen im Ackerbau ist lang: Die Politik will den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich senken und in „sensiblen“ Gebieten am liebsten verbieten. Auch sorgt die Düngeverordnung in der Praxis noch immer für Zündstoff, genauso wie die immer höhere Bürokratieflut. Zudem beklagen viele den nach wie vor hohen Flächenverbrauch sowie die fehlende Planungssicherheit bei Investitionen.

Doch was erwarten die Praktiker von den Politikern? Wo fehlt es an Verständnis? Wo an Fachtiefe? Und welche Lösungsansätze können beiden Blickrichtungen standhalten? Um miteinander ins Gespräch zu kommen, trafen sich kürzlich Politiker und Landwirte in Berlin im Rahmen des neuen Formats „Politik trifft Praxis“. top agrar bringt darin Agrarexperten von Bundestagsparteien und Landwirte/innen aus ganz Deutschland zusammen, um über Herausforderungen und Lösungsansätze für die Landwirtschaft bzw. für ihre Betriebe zu diskutieren.

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Geplantes Pflanzenschutzverbot treibt Zukunftsangst

„Für uns ist vor allem das geplante Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in Vogelschutzgebieten ein Riesenproblem, weil unser Betrieb komplett davon betroffen wäre“, erklärt Junglandwirt Erik Pehle aus Soest in NRW und blickt dabei besorgt in die Zukunft. Auch Berufskollege Christian Strake teilt die Sorge und sagt, dass es ohne Pflanzenschutz teils nicht gehe, z. B. bei der Unkrautkontrolle auf schweren Böden.

Dass es voraussichtlich zu anderen Regelungen kommen wird, betonte daraufhin Dr. Franziska Kersten (SPD). Sie verdeutlichte aber auch, dass der generelle Weg des Green Deals, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern zu senken, richtig sei. Albert Stegemann (CDU) warnt allerdings davor, die Mengen pauschal zu reduzieren und verweist darauf, dass die Ernährungssicherheit bei dem Thema eine größere Rolle spielen müsse. Rückenwind bekommt er dabei von Arthur Auernhammer (CSU): „Die Ernährungssicherung in Kombination mit Artenschutz und Biodiversität muss besser gedacht werden.“ Dazu sei es erforderlich, den Green Deal, wie er vor der Ukraine-Krise gefasst wurde, zu überarbeiten.

„Die Ernährungssicherung in Kombination mit Artenschutz und Biodiversität muss besser gedacht werden.“ - Auernhammer

Wichtig ist auch, so Carina Konrad (FDP), den chemischen Pflanzenschutz in der Debatte nicht zu verteufeln. „Zusammen mit anderen Werkzeugen, wie Technikinnovationen, neue Sorten und erweiterte Fruchtfolgen, brauchen wir ihn, um den Schutz der Pflanzen sicherzustellen.“ Renate Künast (Grüne) ergänzt in der Runde, dass es einen Vorschlag gebe, besonders gefährliche Wirkstoffe stärker zu reduzieren als andere. Zudem spricht sich die Politikerin dafür aus, die Gebietskulisse neu zu definieren.

Technologieoffenheit fehlt

Um die Herausforderungen, bei weniger Pflanzenschutz und Dünger eine hohe Selbstversorgung und gute Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, braucht es nach Meinung von Albert Stegemann eine Technologieoffenheit. Diese fehle vor allem beim Thema Pflanzenschutz. „Warum werden ökologisch gut bewertete Wirkstoffe nicht gefördert?“, fragt er.

Für mich – so Carina Konrad – „sind Innovationen der Schlüssel zu allem.“ Allerdings sei die Meinung in den politischen Parteien dazu sehr unterschiedlich – viele haben eher Bedenken, anstatt Neues auszuprobieren. Ihrer Ansicht nach muss man alle Innovationen im Bereich des Pflanzenschutzes, der Gentechnik, der neuen Züchtungsmethoden und der Digitalisierung nutzen, um bei den Herausforderungen voranzukommen. Ihr ist unklar, warum man z. B. Crispr/Cas nicht ermöglicht.

Die Frage der Perspektive

Ein weiteres Thema des Abends spielen die Landwirte Christoph Plass (Brandenburg) und Horst Meier (Niedersachsen) in die Politikrunde. Ihnen fehlt für die Betriebe vor allem eine wirtschaftliche Perspektive. Und um diese zu erhalten, sei Planungssicherheit das A und O.

„Anreize, um für mehr Planungssicherheit auf bayerischen Betrieben zu sorgen, bieten z. B. die freiwilligen Kulap- und Vertragsnaturschutzprogramme“, erklärt CSU-Mann Auernhammer. „Allerdings darf die neue GAP mit den GLÖZ-Auflagen diese Systeme nicht aushebeln. Wir müssen die Betriebe weiterhin honorieren können.“

In punkto Planungssicherheit verweist Franziska Kersten auf das Papier der Zukunftskommission Landwirtschaft. Daraus könnten die Betriebe für sich eine Perspektive erarbeiten. Künftig würde auch die Debatte einer Gemeinwohlprämie aufgemacht, bei der man ohne eine überbordende Bürokratie Leistungen für Artenvielfalt etc. vergüten könne.

Beim ebenfalls von Landwirten angesprochenen Flächenverbauch räumt Albert Stegemann ein, dass es bei diesem Thema schwierig sei, voranzukommen. Hier müsse die neue Bundeskompensationsverordnung noch auf den Weg gebracht werden.

Vertrauen statt Misstrauen

Immer wieder zeigte sich im Laufe der Veranstaltung, dass die Landwirte den Eindruck haben, dass die Politik ihnen kein Vertrauen entgegenbringt. „Wir sind mit einer Auflagenflut überzogen, dann wird alles kontrolliert – woher dieses Misstrauen?“, fragt z. B. Landwirt Axel Böttcher aus Nordwest-Mecklenburg. Dieses Grundmisstrauen zwischen Politik und Landwirtschaft sieht auch Landwirt Ludwig Wreesmann aus Niedersachsen.

Wie geht‘s weiter?

Wichtig ist, so Carina Konrad, bei den derzeitigen Herausforderungen auch die Chancen zu sehen. Renate Künast ergänzt in der Schlussrunde, dass die Grünen bereit seien, eventuelle Fehler bei der neuen GAP im Strategieplan zu ändern. Sie sieht das Misstrauen der Politik gegenüber der Landwirtschaft im Übrigen nicht. Insgesamt wünscht sie sich künftig positivere Diskussionen.

Hier können Sie sich die ganze Diskussion per Video anschauen.

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