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Politik trifft Praxis

Kersten: Zu viele agrarpolitische Entscheidungen wurden aufgeschoben

Die SPD-Agrarpolitikerin betont die Notwendigkeit der landwirtschaftlichen Transformation. Sie will dabei Umbrüche vermeiden. Fragen dazu? Dafür haben Sie am 14. März in Berlin die Gelegenheit.

Lesezeit: 5 Minuten

Am 14. März gibt top agrar den Startschuss zum neuen Talk-Format „Politik trifft Praxis“, bei dem Landwirtinnen und Landwirte mit Fachpolitikern auf Tuchfühlung gehen und Klartext reden können.

Mit dabei sind diese Bundestagspolitiker:

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Dr. Franziska Kersten (SPD)

Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen)

Carina Konrad (FDP)

Albert Stegemann (CDU)

Artur Auernhammer (CSU)

Interessiert? Dann können Sie sich hier noch zu „Politik trifft Praxis“ anmelden.

Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir mit der SPD-Agrarpolitikerin Dr. Franziska Kersten gesprochen und sie zu Moorvernässung, Bürokratieabbau und dem Erhalt einer produktiven Landwirtschaft befragt. Auch Sie können Frau Dr. Kersten oder den anderen politischen Teilnehmern von „Politik trifft Praxis“ Ihre Fragen stellen. Oder Sie senden Ihr Anliegen einfach im Vorfeld an fragen@topagrar.com.

Die SPD steht für den Erhalt vielseitiger Strukturen in der Landwirtschaft

Frau Dr. Kersten, der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger, hat der SPD vorgeworfen, agrarpolitisch kaum noch wahrnehmbar zu sein. Können Sie das nachvollziehen?

Dr. Franziska Kersten: In der Landwirtschaft haben wir mit globalen Herausforderungen zu kämpfen, die durch den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine, die hohen Energiepreise und die Klimakrise verschärft werden und direkten Einfluss auf Deutschland haben. Es sind in den letzten Jahren – auch in der Koalition mit der Union – zu viele Entscheidungen aufgeschoben worden. In dieser Legislaturperiode wollen wir wichtige agrarpolitische Projekte umsetzen, um die Zukunft für unsere Landwirtschaft und den ländlichen Raum dauerhaft zu sichern. Nun stehen wir beispielsweise vor der großen Aufgabe, die Nutztierhaltung so umzubauen, dass sie gesellschaftlich akzeptiert wird und dabei den landwirtschaftlichen Betrieben eine Zukunft ermöglicht.

Die SPD betreibt seit Jahrzehnten erfolgreiche Agrarpolitik auf Länderebene.

Darüber hinaus betreibt die SPD seit Jahrzehnten erfolgreiche Agrarpolitik auf Länderebene. Hierfür stehen insbesondere die saarländische Agrarministerin Petra Berg und Agrarminister Dr. Till Backhaus in Mecklenburg-Vorpommern.

Strukturwandel betrifft nicht nur die Tierhaltung, auch im Ackerbau geht der Trend zu immer größeren Strukturen. Ist das ein Naturgesetz oder haben die kleineren Betriebe mit der SPD auch in Zukunft eine Chance?

Dr. Franziska Kersten: Die SPD steht für den Erhalt vielseitiger Strukturen in der Landwirtschaft. Im Saarland haben wir den deutschlandweit höchsten Anteil benachteiligter Gebiete mit sehr kleinteiligen Strukturen. Der seit langem erfolgreichen sozialdemokratischen Agrarpolitik in diesem Land ist es zu verdanken, das auch diese Landwirtschaftsbetriebe weiterhin eine Zukunft haben. Anstatt von Digitalisierung und technischen Lösungen wie auf großen Betrieben sehe ich die Chance für kleine Betriebe mit ihren erweiterten Fruchtfolgen und kleinteiliger Bewirtschaftung v.a. in der Direktvermarktung und regionalen Wertschöpfung.

Green Deal und Farm to Fork zielen auf eine Extensivierung der Landwirtschaft und weniger Input, was Pflanzenschutz und Dünger angeht. Wie lässt sich die Produktivität unserer Landwirtschaft dabei erhalten?

Dr. Franziska Kersten: Die Produktivität unserer Landwirtschaft wird in Folge der Reduzierung des Einsatzes von Dünger und Pflanzenschutzmitteln zumindest kurz- und mittelfristig geringer werden. Dabei ist zu beachten, dass der zu starke Einsatz dieser Produktionsmittel negativen Einfluss auf die Biodiversität und die Qualität des Grundwassers haben kann.

Unsere aktuelle Produktivität bezahlen wir auf Kosten der kommenden Generationen.

Unsere aktuelle Produktivität bezahlen wir auf Kosten der kommenden Generationen. Wir müssen jetzt umsteuern, um resiliente Agrarsysteme zu entwickeln bzw. langfristig zu erhalten. Eine entscheidende Rolle spielen hier Forschung und Entwicklung. Die Agrarwissenschaften in unserem Land sind gut aufgestellt und zeigen vielfältige Wege auf, wie mit weniger Input langfristig dennoch Erträge und Qualität gesichert werden können. Unsere innovativen Landtechnikunternehmen bringen technologischen Fortschritt, insbesondere die Präzisionslandwirtschaft, in die Praxis. Die Implementierung in der Breite wollen wir weiter unterstützen.

Ackerbau ist heute mit zahlreichen Dokumentationspflichten und bürokratischem Aufwand verbunden. Gleiches gilt für die GAP-Agrarförderung. Wie wollen Sie die Landwirte dabei entlasten?

Dr. Franziska Kersten: Dies erreichen wir durch eine konsequente Digitalisierung, mithilfe derer sich der Aufwand bei der Dokumentation künftig deutlich verringern wird.

Bürokratieabbau erreichen wir durch eine konsequente Digitalisierung.

Momentan existiert zudem eine Vielzahl an Datenbanken auf Länder und Bundesebene. Hier wollen wir Schnittstellen schaffen und Daten zusammenführen So können wir die Landwirtschaft weiter von Bürokratie entlasten. Außerdem wird bei Gesetzesvorhaben, die ja im Übrigen oft der Umsetzung von EU-Vorgaben dienen, durch Evaluierungsklauseln sichergestellt, dass wir nachsteuern können.

Die Ampel hat sich Moorschutz und Wiedervernässung von Moorböden auf die Fahne geschrieben. Wie kann die Landwirtschaft dabei sinnvoll und ohne Kollateralschäden eingebunden werden?

Dr. Franziska Kersten: Moorschutz ist Klimaschutz und Landwirtinnen und Landwirte spielen hier die zentrale Rolle. Wir wollen möglichst viele von ihnen durch praktikable Fördermaßnahmen und Bereitstellung von Informationen überzeugen, die Nutzung ihrer aktuell entwässerten Moorflächen anzupassen. Eine Wiedervernässung muss dabei immer mit einer Inwertsetzung der vermiedenen Treibhausgasemissionen und der zusätzlichen Bindung von Kohlenstoff durch Torfwachstum einhergehen. Außerdem müssen alternative Einkommensquellen erschlossen werden, also Paludikulturen, Wasserbüffelhaltung, auch Agri-PV und Windkraftanlagen auf wiedervernässten Moorflächen sollten angedacht werden. Es gibt hier bereits sehr erfolgreiche Projekte im Bereich der Paludikultur, deren Produkte nicht nur als Dämmstoff, sondern auch als Kunststoffersatz in der Autoindustrie oder in der Papierherstellung verwendet werden können.

Außerdem werden wiedervernässte Moorflächen sich auch positiv auf gesamte Regionen und damit die Landwirtschaft auswirken, indem sie die starken Winterniederschläge wie ein Schwamm aufsaugen und im Sommer den Wasserhaushalt regulieren können. Hiervon kann die Landwirtschaft auch insgesamt profitieren, sodass der Moorschutz am Ende ökologisch und ökonomisch ein Erfolg wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

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