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Praxisvorführung

Allgäu Automation RumboJet 880 – Mit der Profi-Maschine gegen Ampfer

Ampfer zu bekämpfen, ist notwendig – mit Rückenspritze und Dochtstreichgeräten allerdings aufwendig. Dass der RumboJet 880 Abhilfe schaffen kann, zeigt ein Vorführbericht.

Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autoren: Katharina Weihrauch und Martin Himmelmann, Landesbetrieb ­Landwirtschaft Hessen (LLH)

Jedes Jahr aufs Neue beweist sich der Stumpfblättrige Ampfer (Rumex obtusifolius) als eines der weitverbreitetsten Problemkräuter im Grünland. Die Rosetten des Ampfers rauben wertvollen Futterpflanzen den Platz und beschatten sie so stark, das diese ausfallen.

Auf der Weide meiden Rinder und Pferde den Ampfer aufgrund der enthaltenen Oxalsäure. In der Silage können bei Ertragsanteilen von über 10 % Vergiftungserscheinungen in Form von Stoffwechselstörungen auftreten. Schafe fressen hingegen auch adulte Pflanzen und scheinen weniger anfällig zu sein.

Strategien gegen Ampfer

Um Ampfer vorzubeugen, ist eine dichte Narbe die beste Strategie: Dazu tragen eine angemessene Nutzung und Nährstoffversorgung (pH-Wert prüfen!) ebenso bei, wie regelmäßige Nachsaaten. Wer seine Flächen von Ampfer befreien will, kann ihn mechanisch mit dem Spaten bzw. Ampferstecher bekämpfen, oder setzt auf intensiv(st)e Beweidung.

Verbreitet ist auch der Einsatz geeigneter Pflanzenschutzmittel. Die besten Wirkungsgrade lassen sich erzielen, wenn etwa 20 % der Pflanzen beginnen, den Samenstand zu schieben. Dann gilt die Pflanze als ausgewachsen und weist ausreichend Blattoberfläche auf, um ­genügend Wirkstoff aufnehmen zu können.

Zugelassen sind sowohl Wuchsstoffe wie Fluroxypyr (z. B. Simplex) und Triclopyr bzw. deren Kombination (z. B. Ranger) als auch systemisch wirkende Wirkstoffe (Thifensulfuron) die zudem als kleeschonend eingestuft sind. Den Klee zu schonen, wirkt sich positiv auf die Erträge und vor allem den Rohproteingehalt aus. Der ausläuferbildende Weißklee schließt besonders in Trockenperioden schnell Lücken, die geschwächte Gräser hinterlassen und leistet so einen entscheidenden Beitrag für eine dichte Grünlandnarbe.

Unstrittig ist allerdings auch die teils erhebliche Gräserwirkung dieser Mittel. So wurden nach einer Flächenbehandlung mit Thifensulfuron bei kühlen Nächten, großen Temperaturschwankungen zwischen Tag (über 25 °C) und Nacht (unter 8 °C) oder Tagestemperaturen oberhalb von 25 °C Blatteinkürzungen von bis zu 30 % beobachtet.

Eine Einzelpflanzenbehandlung kann diese Effekte weitestgehend verhindern und zudem Aufwandmengen einsparen. Der Kostenvorteil ist so hoch, dass diese Maßnahme in vielen Grünlandregionen bereits seit Jahrzehnten als gute fach­liche Praxis fest im betrieblichen Management verankert ist. Bisher kam vor allem die Rückenspritze bzw. der Dochtstreicher zum Einsatz, bei flächenstarken Betrieben auch in Kombination mit Quad oder Motocross-Maschine.

Neben den wirtschaftlichen Vorzügen hat die Einzelpflanzenbekämpfung auch im rechtlichen Bereich Vorteile. Denn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist in FFH-, Wasserschutzgebieten und einigen Agrarumweltprogrammen nur nach Ausnahmegenehmigung möglich. Die Auflagen werden wahrscheinlich in den nächsten Jahren weiter steigen.

In Bayern ist der flächenhafte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Grünland z. B. schon seit dem 1. Januar 2022 verboten. Hintergrund war das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ 2019, das die Novellierung des Bayerischen Naturschutzgesetzes nach sich zog.

Konsequenz: Die Nachfrage nach einer anwenderfreundlichen Einzelpflanzenbekämpfung steigt deutlich.

RumboJet 880 – Digitalisiert gegen Ampfer vorgehen

Eine schlagkräftige Lösung kann die automatische Einzelpflanzenbekämpfung sein. Speziell gegen Ampfer im Grünland wurde der RumboJet 880 von Allgäu Automation entwickelt.

Das angehängte Gerät erkennt und besprüht die Ampferpflanzen auf einer Breite von 8,80 m während der Überfahrt in einem Arbeitsgang. Dieses sogenannte Spotspraying verfolgt den „Green on Green“-Ansatz: grünen Ampfer auf Grünland erkennen.

Auf Einladung des Maschinenrings Waldeck-Frankenberg und der Grünlandberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen wurde die Maschine im September 2022 auf dem Milchviehbetrieb Grünhaupt im hessischen Diemelstadt vorgeführt.

Der RumboJet wiegt leer 1.400 kg und besteht aus einem klappbaren Stahlrahmen mit aufgesatteltem 600 l-großen Spritzmitteltank sowie einem Frischwassertank. Der mit roter Plane eingehauste Arbeitsbereich enthält neben den 88 einzeln ansteuerbaren Düsen sechs Multispektralkameras und sechs Prozessrechner. Die Umhausung schützt das Sprühbild vor Windeinflüssen und stellt zudem gleichmäßige Lichtverhältnisse für die hauptsächlich im Infrarotbereich arbeitenden Kameras sicher. Die an den Kameras verbauten LED-Strahler leuchten den Arbeitsbereich gleichmäßig aus.

Mit einer Verarbeitungsrate von 90 Bildern pro Sekunde erkennt das System die Blätter der Ampferpflanzen anhand von Oberflächenstruktur, Blattkontur und Farbe eindeutig. Fast zeitgleich öffnen Magnetventile diejenigen Düsen, die sich zum Zeitpunkt der Überfahrt über der erkannten Pflanze befinden. Die Düsen sind so angeordnet, dass auf dem Feld ein kleinräumiges Raster von 7 bis 10 cm Kantenlänge entsteht. Dadurch lässt sich eine hohe Treffgenauigkeit erzielen und es wird kein überflüssiges Spritzmittel ausgebracht.

In ausgeklappter Arbeitsposition wird das Gewicht auf vier Tasträder verteilt, die sich mittels Schwimmstellung der Klappzylinder auch unebenem Gelände anpassen können. Fahrgeschwindigkeiten von 5 bis 10 km/h sind möglich. Die Weitwinkelgelenkwelle lässt auch enge Kurvenfahrten zu. Exakte Anschlussfahrten auf großen Flächen sind zwar ohne GPS-Lenksystem nicht so komfortabel, aber dennoch problemlos machbar – die Fahrspur des äußeren Tastrades lässt sich von der Kabine aus gut erkennen.

Voraussetzung für einen reibungslosen Einsatz ist ein Schlepper mit etwa 70 bis 100 PS, eine Zapfwelle für die Pumpe der Spritze, ein doppelwirkendes Steuergerät für die Klappung sowie ein 3 Pol-Stecker. Letzterer sorgt dafür, dass die im RumboJet verbaute Pufferbatterie zur Energieversorgung von Kameras, Bordcomputer und Magnetventile immer ausreichend geladen ist. Kern des Systems ist ein mobiles Tablet, über das man die Maschine einstellt und bedient. Es kommuniziert per WLAN mit den Bordcomputern und kann in der Schlepperkabine montiert werden.

Momentan arbeiten die Entwickler daran, dass die Maschine weitere Unkrautarten erkennt (z. B. Kreuzkräuter). Auf bereits ausgelieferte Modelle sollen dann Softwareupdates mittels SD-Karte übermittelt werden können.

Fazit: Der RumboJet 880 hat bei der Vorführung in der Einzelpflanzenbekämpfung technisch überzeugt. Die Flächenleistung ist im Vergleich zu anderen Verfahren der Einzelpflanzenbehandlung unschlagbar. Die Mitteleinsparung beträgt im Gegensatz zur Flächenbehandlung je nach Ampferbesatz auf der Fläche 80 bis 98 %. Das Gerät ist z. B. auch in Bayern für den Einsatz im Grünland zugelassen.

Erfolg nur mit Nachsaat

Etwa eine Wochen nach dem Einsatz, sobald der Ampfer abstirbt, sollte man 5 bis 10 kg/ha der Mischung GV mit empfohlenen Sorten nachsäen. Sortenempfehlungen für die Mittelgebirgslagen finden Sie online unter www.­topagrar.com/gruenlandsorten2022

Nur wenn man die entstandenen Lücken schnell wieder schließt, ist ein nachhaltiger Bekämpfungserfolg möglich. Die Nachsaat ist also unbedingt der Pflanzenschutzmaßnahme anzuschließen bzw. als Teil dieser zu betrachten.

K O M M E N T A R

Mit Spotspraying gegen Ampfer

Jemanden mit der Rückenspritze zur Ampferbekämpfung loszuschicken, können sich aus arbeitswirtschaftlicher Sicht immer weniger ­Betriebe leisten. Somit ist das Spot­spraying auf dem Grünland eine ­willkommene Alternative. In diesem Markt sind auch Agrifac (NL), Eco­robotix (CH), Rumex oder der Robo­tik­anbieter Paltech unterwegs.

Doch Allgäu Automation scheint mit dem RumboJet für gut 45.000 € ­einen Nerv getroffen zu haben: Rund 60 bis 70 % der Kunden seien Landwirte, so die Firma. Seit 2021 habe man 37 der Seriengeräte ausgeliefert und fürs Frühjahr 2023 seien bereits 20 weitere verbindlich bestellt. So lässt sich Ampfer gezielt und schnell bekämpfen – eine lohnende Investition!

Ein langwieriges Übel

Der äußerst ausdauernde Stumpfblättrige Ampfer vermehrt sich sowohl generativ über Samen, als auch vegetativ durch Schösslinge aus dem Wurzelstock. Die etwa 7.000 Samen pro Jahr und Pflanze können im Boden bis zu 70 Jahre keimfähig überdauern. Auch nach einer Darmpassage bleiben die Samen keimfähig, sodass Ampfer häufig über den Einsatz von Wirtschaftsdüngern vollflächig auf den betrieblichen Futterflächen verteilt wird (Ampferkreislauf).

Als Stickstoffzeiger findet man die Pflanze auch im Intensivgrünland – besonders dann, wenn regelmäßige Nachsaaten unterbleiben. Vermehrter Ampferbesatz ist auf Siloflächen zu beobachten – dort kommen Gräser meist nicht zur Samenbildung, der Bestand überaltert, Einzelpflanzen fallen aus und Lücken entstehen. Auch Schwarzwildschäden, Trockenperioden, der Einsatz von Schlitztechnik oder ein zu tiefer Rasierschnitt begünstigen die Pflanze. Wird zu spät gehandelt, kann sich das Ampferproblem schnell zum Generationenprojekt entwickeln. Die Devise lautet: dranbleiben!

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