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topplus Ampfer-Bekämpfung

Ampfer mit intelligenter Technik präzise bekämpfen

Bisher ließen sich einzelne Ampferpflanzen nur in Handarbeit bekämpfen. Wir stellen drei Anbau- bzw. Anhängegeräte vor, die den Ampfer per Kamera erkennen und darauf gezielt Herbizide ausbringen.

Lesezeit: 6 Minuten

Beitrag in Zusammenarbeit mit Heinz Georg Waldeyer und Torsten Altmann

Ampfer stellt für viele Grünlandbetriebeein großes Problem dar. Das hartnäckige Unkraut vermehrt sich über Samen und durch Schösslinge aus dem Wurzelstock.

Schnell gelesen

Drei Spezialgeräte zur automatisierten Einzelpflanzenbehandlung von Ampfer wurden auf einem Milchviehbetrieb ­vor­gestellt.

Die RXF 600 von Rumex ist ein Gerät ­für den Frontanbau. Die Spritze mit 6 m Arbeitsbreite hat drei Kameras und 90 einzeln ansteuerbare Flachstrahldüsen.

Der Rumbojet 880 ist ein angehängtes Gerät mit drei Teilbreiten und 8,80 m ­Arbeitsbreite. Sechs Multispektralkameras erkennen den Ampfer, 88 Düsen ­bekämpfen ihn anschließend.

Die Präzisionsfeldspritze Ara von Ecorobotix erkennt die Ampferpflanzen mit hochauflösenden Kameras und die Düsen benetzen direkt danach den ­Ampfer mit Wirkstoff.

Samen über Gülle verteilt

Außerdem bleiben die Samen auch nach der Darmpassage keimfähig und werden dann mit der Gülle breit über die Fläche verteilt. Gerade in lückigen Beständen breitet sich der Lichtkeimer schnell aus und kann den Ertrag deutlich mindern. Bei starkem Besatz sollte Ampfer daher reguliert werden.

Bislang erfolgte das in mühseliger Handarbeit mit Rückenspritze bzw. Ampferstecher oder breitflächig mittels Pflanzenschutzspritze. Seit Kurzem stehen zusätzlich Spezialtechniken zur automatisierten Einzelpflanzenbekämpfung zur Verfügung. Das begrenzt den Wirkstoffaufwand auf ein Minimum, da immer nur Zentimeterbereiche der Fläche behandelt werden.

Bei einem Feldtag in Hessen präsentierten drei Hersteller ihre Technik. Zusätzlich haben wir zu einer der drei Präzisionsfeldspritzen Praxiserfahrungen aus Österreich zusammengetragen.

Rumbojet mit sechs Kameras

Der RumboJet 880 von Allgäu Automation ist ein angehängtes Gerät mit drei Teilbreiten. Die Technik ist seit 2021 am Markt. Derzeit laufen laut Geschäftsführer Andreas Breher bereits 86 Maschinen in der Praxis.

Insgesamt ist die Spezialmaschine 8,80 m breit und beherbergt sechs Multispektralkameras, die die Ampferpflanzen erkennen. Der Kamerabereich ist durch eine Umhausung vor Streulichteinflüssen geschützt, was eine präzise Erkennung ermöglicht, wie Breher weiter ausführt. Außerdem werde dadurch das Sprühbild nicht durch Wind beeinflusst. Breher: „Durch den Einsatz von vier Tasträdern ist das Gerät ideal geeignet für kupiertes Gelände und überzeugt durch seine Bodenanpassung.“

88 einzeln schaltbare Düsen

Das Gerät hat 88 einzeln schaltbare Düsen, die den Ampfer gezielt mit Pflanzenschutzmittel besprühen, während Gräser und Klee kaum getroffen werden. Der 600 l-Tank sorgt für entsprechend lange Einsatzzeiten. Mit einer Fahrgeschwindigkeit von etwa 10 km/h erreicht der Rumbojet eine Stundenleistung von 5 bis 6 ha.

Das Anbaugerät wird hydraulisch über ein doppelt-wirkendes Steuergerät vom Traktor auf eine Transportbreite knapp unter 3 m zusammengeklappt. Die Transporthöhe beträgt 3,93 m.

Den Wirkungsgrad des Rumbojet im Herbst beziffert Breher auf 90 % und mehr. Im Sommer liege der Bekämpfungserfolg meist etwas niedriger, im Schnitt aber auch bei 80 %.

Den Preis für den Rumbojet 880 beziffert der Geschäftsführer auf knapp 48.000 €. Inzwischen gibt es auch eine schmalere Version, den Rumbojet 580 mit 5,80 m Arbeitsbreite, der zum Preis von 43.000 € erhältlich ist.

RFX 600 für den Frontanbau

Beim RFX 600 von Rumex aus Marktoberdorf handelt es sich um ein Gerät für den Frontanbau. Die Arbeitsbreite beträgt 6 m, der Spritzmitteltank fasst 200 l. Verbaut sind drei Kameras und 90 einzeln ansteuerbare Flachstrahldüsen. Die Unkrauterkennung erfolgt mithilfe spezieller Algorithmen.

Wird eine Pflanze während der Fahrt durch die Bilderkennung erkannt, öffnen sich beim Erreichen des Spritzbalkens die benötigten Spritzdüsen, um den Ampfer mit Pflanzenschutzmittel zu benetzen. Dieser Vorgang funktioniert bei Kurvenfahrten sowie variierenden Fahrgeschwindigkeiten. Durch die Einzeldüsenansteuerung beträgt die minimale Spritzbreite 70 mm. Dadurch können auch kleinste Blätter genau benetzt werden.

Konstanter Spritzabstand

Die Spritzbalken sind schwingend gelagert und mit seitlichen Tasträdern ausgestattet. „Dadurch kann der Düsenabstand zu der zu spritzenden Pflanzen in jedem Gelände konstant gehalten werden“, erklärt Michael Thier, einer der Geschäftsführer von Rumex. Zudem werde durch die Fahrspur der äußeren Tasträder der bearbeitete Bereich erkannt.

Durch das hydraulische Zusammenklappen der Spritzbalken wird die Pflanzenschutzspritze zu einer kompakten Einheit von 1,70 x 2,50 m. Den Listenpreis für die RFX 600 beziffert Geschäftsführer Thier auf ca. 60.000 €.

Seit dem Einstieg in die Serienproduktion vor vier Jahren hat Rumex knapp 100 Maschinen vom Typ RFX 600 verkauft.

Ara: Spritze aus der Schweiz

Die angehängte Präzisionsfeldspritze Ara des Schweizer Unternehmens Ecorobotix erkennt die Ampferpflanzen mit hochauflösenden Kameras und die Düsen benetzen diese Sekundenbruchteile später mit Wirkstoff.

Michael Datzberger aus Amstetten in Niederösterreich hat die neue Technik mit Einzelpflanzenbehandlung im Herbst 2022 erstmals getestet. „Mindestens neun von zehn Ampferpflanzen wurden mit der Einzelpflanzenbehandlung von Ecorobotix bekämpft“, erklärt der Landwirt. Er hat die Präzisionsspritze auf einer Fläche mit einem „Ampferbesatz deutlich über der Bekämpfungsschwelle“ eingesetzt.

Die Praxiseinsätze der Ara, die das Lagerhaus Amstetten auf dem Grünland von Datzberger und von zwei weiteren Landwirten durchgeführt hat, brachten durchweg positive Ergebnisse bei der Bekämpfung. „Zudem spart man mit der Ara bis zu 95 % Pflanzenschutzmittel und viel Wasser ein“, erklärt Hannes Buchberger vom Lagerhaus Amstetten.

Die Spritze im Heckdreipunktanbau besteht aus drei Modulen mit je 2 m Arbeitsbreite. Der Düsenbalken hat 156 Präzisionsdüsen in einem Abstand von jeweils 4 cm. Im Frontanbau des Traktors werden ein 600 l-Wassertank sowie ein 300 l-Spritzbrühetank mitgeführt. Dadurch kann man die Spritzbrühe auf dem Feld mobil nachfüllen.

Rund 4 ha/h Flächenleistung

Über ein Tablet in der Kabine kann der Fahrer die Spritze bedienen. Er muss lediglich die Kultur und die Behandlung einstellen. Die anderen Parameter werden automatisch an die Fahrgeschwindigkeit und Fahrtrichtung angepasst. Die Geschwindigkeit beträgt bis zu 7,2 km/h. Damit erreicht die Technik eine Flächenleistung von rund 4 ha/h.

Die Spritze arbeitet in drei Schritten. Zunächst machen die hochauflösenden Kameras Bilder. Danach erfolgt die Erkennung und Unterscheidung von einzelnen Kulturpflanzen und Unkräutern. Anschließend besprühen die Düsen das Mittel auf die ausgewählten Zielpflanzen. Gegen den Ampfer wurden Simplex und Harmony SX verwendet. „Beide Mittel haben in den Tests gut funktioniert“, sagt Buchberger.

Großes Potenzial

Er sieht in den kommenden Jahren noch viel Potenzial für die Technik, zumal die Spritze auch in Zuckerrüben, Mais oder Gemüsebaukulturen wie Zwiebel oder Möhren einsetzbar ist. Dem Verfahren komme wegen der Einschränkungen im Pflanzenschutz bis 2030 große Bedeutung zu. „Zudem werden die Grünlandbetriebe immer größer. Und da wird die Handarbeit mit Ausstecher oder Rückenspritze immer mehr zum begrenzenden Faktor.“

Zum Kaufpreis teilte der Hersteller Ecorobotix mit, dass dieser bei Kaufinteresse auf Anfrage kommuniziert werde. Vertriebspartner des Ara-Herstellers ist in Bayern und Baden-Württemberg Eder Landtechnik, in den übrigen Bundesländern verkauft die Agravis die Präzisionsspritze.

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