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Carbon Farming: Der CO2-Saldo ist entscheidend

Die deutsche Landwirtschaft fixiert zurzeit mehr Treibhausgase, als sie emittiert – das belegen die Berechnungen von betrieblichen Treibhausgasbilanzen. Doch es gibt noch Luft nach oben.

Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autoren: Prof. Dr. Gerhard Breitschuh (ehem. Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena) und Thorsten Breitschuh (BELANU Werdershausen)

Die deutsche Klimadiskussion und -politik fokussiert sich auf die Senkung der Treibhausgas (THG)-Emissionen. Dies ist dem Vergleich der Volkswirtschaftszweige geschuldet, weil sich nur die Emission in allen Wirtschaftszweigen gleichermaßen analysieren und bewerten lässt. Die Folge: Auch für die Landwirtschaft gilt die öffentliche Aufmerksamkeit ausschließlich der THG-Emission je Flächen-, Tier- und Produkteinheit. Dementsprechend fordert die Bundesregierung bis 2050 ausschließlich Emissionsminderungen für alle Wirtschaftsbereiche.

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In der politischen und öffentlichen Klimadebatte dominiert zurzeit folgende Auffassung: Je extensiver Agrarflächen bewirtschaftet werden, desto geringer sind die Emissionen je Flächeneinheit und der Landwirtschaft insgesamt. Also werden extensive Wirtschaftsweisen als Königsweg für die Land- und Forstwirtschaft zur Einhaltung der geltenden Minderungsvorgaben angesehen. Intensive Landwirtschaft wird dagegen als klimabelastend bewertet. Doch ist dieser Ansatz wirklich richtig?

Nur der Treibhausgas-Saldo zählt!

Die 25-jährigen Erfahrungen mit der sogenannten KUL-THG-Bilanz stehen im krassen Gegensatz zu dieser öffentlichen Diskussion. Das Verfahren „Kriterien Umweltverträgliche Landwirtschaft (KUL)“ bewertet – neben anderen Kriterien – die Treibhausgasbilanz von Betrieben nach dem Hoftorprinzip. Mittlerweile liegen bundesweit insgesamt 900 im Zeitraum 1994 bis 2021 berechnete THG-Bilanzen vor. Hier die Kernelemente, die das Verfahren zugrunde legt:

1. Die Pflanzen nehmen über die Fotosynthese atmosphärisches Kohlendioxid (CO2) auf und fixieren den darin enthaltenen Kohlenstoff in marktfähiger Biomasse. Der C-Gehalt der den Betrieb verlassenden pflanzlichen und tierischen Marktprodukte stellt den C-Output bzw. die fixierte CO2-Menge dar (Hoftorprinzip).

2. Der erhöhte CO2-Gehalt in der Atmosphäre fördert das Pflanzenwachstum auf den Feldern und Wiesen, solange ausreichend Wasser und Nährstoffe verfügbar sind. Belastend für die Pflanzen sind dagegen der Temperaturanstieg, Niederschlagsveränderungen und in deren Folge veränderte phytosanitäre Verhältnisse.

3. Der Treibhausgas-Saldo ist der entscheidende Maßstab, um den Einfluss von Land- und Forstwirtschaft auf die klimatischen Veränderungen zu beurteilen. Denn nur dieser berücksichtigt neben der Emission auch die Fixierungsleistung.

Im Rahmen der KUL-THG-Bilanzierung ließ sich feststellen, dass sich die betrieblichen THG-Salden weiter verbessern lassen, indem man vermeidbare Emissionen mindert und gleichzeitig hohe Erträge und Leistungen umweltverträglich erzeugt. Dass Agrarbetriebe durch eine weitere Prozessoptimierung die THG-Fixierung um 19% steigern und die Emissionen um 14% senken können (und sollten), zeigt folgende Übersicht:

Exkurs: Gegenüber dem THG-Saldo beschreibt der ökologische Fußabdruck (Carbon Footprint) ausschließlich die je Produkteinheit verursachte THG-Emission und wird – allein verwendet – daher der Bewertung der Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Klimarelevanz nicht gerecht.

4. Der ernährungsbedingte CO2-Ausstoß der Menschen resultiert aus dem Konsum und der Umsetzung von pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln. Diese Emissionen der deutschen Bevölkerung erfolgen unabhängig von der Herkunft (Inland oder Import) der Nahrungsmittel, dem Selbstversorgungsgrad, der Struktur und Intensität der deutschen Landwirtschaft.

5. Die unterschiedliche Verwendung und Verwertung der C-haltigen Agrarprodukte bleibt bei der KUL-THG-Bilanzierung (Eckert 2006) zur Beurteilung des Klimaeinflusses der Landwirtschaft ohne Beachtung. Vielmehr geht es um einen möglichst hohen THG-Saldenüberschuss je ha der nur begrenzt verfügbaren Agrarfläche.

6. Alle THG-Emissionen der Vorkette (Bereitstellung von Treibstoffen, Energie, Düngern, Pflanzenschutzmitteln, Maschinen, Geräten, Gebäuden) müssen der THG-Bilanz der Landwirtschaft angelastet werden. Die „Systemebene“ Landwirtschaft umfasst deshalb:

  • die THG-Emissionen der landwirtschaftlichen Produktion im Bewirtschaftungsjahr je ha,
  • die Emissionen bei der Her- und Bereitstellung der eingesetzten Produkti-onsmittel je ha und
  • den C-Output (C-Fixierung) je ha Flächeneinheit.

Die in der Humusbilanz berechneten Salden finden jedoch noch keinen Eingang in die KUL-THG-Bilanz, da diese laut VDLUFA-Humusstandpunkt nicht geeignet sind, exakte Prognosen zur Veränderung von Humus-C-Gehalten oder -vorräten zu treffen.

So sind unterschiedliche Betriebsformen zu bewerten

Akzeptiert man die vorgenannten Feststellungen, ermöglicht die Bewertung von C-Fixierung, THG-Emission und THG-Saldo einen Vergleich von Landnutzungsformen, Betrieben und Produktionszweigen. Wie die THG-Bilanzen der mit dem KUL-Verfahren ausgewerteten Analysen aussehen, zeigt Übersicht 3.

Daraus lassen sich folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Unbewirtschaftete Flächen verfügen zwar über eine annähernd ausgeglichene bis leicht positive THG-Bilanz. Allerdings leisten stillgelegte Flächen kaum einen Beitrag zur Klimaentlastung.
  • Mit zunehmender Intensität der Flächenbewirtschaftung steigt die C-Einlagerung in Agrarprodukten je ha deutlich stärker an als die damit verbundenen THG-Emissionen. Eine gleichermaßen intensive wie umweltverträgliche Landbewirtschaftung realisiert dadurch den höchsten THG-Saldo und damit eine höhere Klimaentlastung als extensive Wirtschaftsweisen.
  • Der Energiepflanzenanbau (in diesem Beispiel Agroforst mit Pappeln) weist den höchsten THG-Saldo je ha auf, trägt aber nicht zur Nahrungsproduktion bei.
  • Der intensive und umweltverträgliche Landbau ist aus klimapolitischer Sicht dem Ökolandbau eindeutig überlegen. Vom Standort her vergleichbare Ökobetriebe emittieren je ha zwar nur etwa zwei Drittel des konventionellen Landbaus. Die klimapolitisch ausschlaggebenden THG-Salden liegen aber im konventionellen Landbau um mehr als 3 t CO2e/ha höher als im Ökolandbau.
  • Nutztiere verstoffwechseln Futter in Milch, Fleisch, Eier, Wolle usw. Dieser Prozess ist mit erheblichen THG-Emissionen verbunden (ruminale Methanbildung, Mineralisierung organischer Dünger usw.). Eine steigende Tierbesatzdichte erhöht die betriebliche THG-Emission, mindert die Kohlenstofffixie-rung in den Marktprodukten und reduziert die Salden gegenüber dem reinen Ackerbau. Bei etwa 0,7 bis 1,0 GV/ha entspricht, abhängig von den Tierarten, die THG-Emission je ha dem Wert des in den Agrarprodukten fixierten Kohlenstoffs (die THG-Salden sind dann ausgeglichen).

Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass Betriebe mit Tierhaltung einen unverzichtbaren Beitrag zur nationalen Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln leisten. Vor allem ist die ernährungswirksame Nutzung des Dauergrünlands auf absehbare Zeit ausschließlich über die Verstoffwechselung der Biomasse durch die Tiere nutzbar. Deshalb bleibt eine standortspezifische Mindestbesatzdichte an Tieren unverzichtbar, um tierische Produkte bereitzustellen und eine hohe Wertschöpfung im ländlichen Raum sowie eine vielfältige Landnutzung (Futterpflanzen, organische Düngung) sicherzustellen.

Die deutsche Landwirtschaft mit der durchschnittlichen Tierbesatzdichte von 0,8 GV/ha deckt den quantitativen Nahrungsbedarf momentan etwa zu 90% und verfügt – diesen Berechnungen zufolge – über einen leicht positiven THG-Saldo je ha. Dass die nationale Landwirtschaft – trotz großer regionaler Unterschiede – gegenwärtig THG-neutral bis leicht klimaentlastend wirtschaftet, zeigt auch Übersicht 4.

Fazit: Positiver Saldo

Die Ergebnisse aus der KUL-THG-Bilanz zeigen, dass die deutsche Landwirtschaft mit ihrer gegenwärtigen Produktionsstruktur und Intensität etwas mehr Treibhausgase fixiert als sie emittiert. Sie hat somit einen leicht positiven Treibhausgassaldo je ha.

Staatliche Vorgaben für die Landwirtschaft sollten nun zum Ziel haben, diesen positiven Saldo weiter zu erhöhen. Die einseitige Fokussierung auf die Senkung der Emission gefährdet dagegen die Netto-Selbstversorgung mit Agrarbiomasse und belastet den globalen Treibhausgashaushalt.

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K O M M E N T A R

Die Politik muss nun die richtigen Weichen stellen!

Um beim Klimaschutz wirklich voranzukommen, ist es wichtig, zunächst den status quo der Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Treibhausgaseffekte präzise zu beurteilen. Dazu eignet sich die KUL-THG-Bilanz, die die klimarelevanten Auswirkungen der Landwirtschaft nach dem Hoftorprinzip auf Betriebsebene bewertet. Im Kern zeigen die Ergebnisse, dass die deutsche Landwirtschaft mehr Treibhausgase fixiert, als sie emittiert – aber es gibt noch Luft nach oben.

Essentiell ist nun, dass die Politik für eine umweltverträgliche zukunftsfähige Landwirtschaft die richtigen Weichen stellt und Folgendes dabei beachtet:

  • Als Maßstab zur Bewertung der Klimaeffekte der Landwirtschaft muss künftig der THG-Saldo gelten. Eine einseitige Betrachtung der Emissionen – wie sie zurzeit erfolgt – führt zu falschen Schlussfolgerungen.



  • Deutschland soll und muss sich aus globaler Verantwortung selbst versorgen können. Umwelt- und Klimabelastungen der Biomasseerzeugung dürfen keinesfalls exportiert werden.



  • Ausgehend vom status quo sollten erreichte Saldenüberschüsse bepreist werden. Mit den Einnahmen könnte man einen Agrar-Innovationsfond bilden, aus dem klima- und umweltentlastende Leistungen honoriert werden.

Aber auch die Landwirtschaft selbst ist gefordert. Es gilt, die C-Bindung z.B. durch Prozessoptimierung zu erhöhen und die THG-Emissionen zu senken. Der THG-Saldo und damit gleichermaßen der produktbezogene Carbon Footprint lassen sich z.B. durch eine höhere Nutzungseffizienz von Nährstoffen, Wasser und Energie reduzieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik zügig reagiert und die richtigen Leitplanken für mehr Klimaschutz festlegt.

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