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CO2-Zertifikate: Humus aufbauen gegen Bezahlung

Den Humusgehalt im Boden für die Fruchtbarkeit erhöhen und damit gleichzeitig Wertschöpfung erzielen: Wir haben zwei Praktiker besucht, die das bereits so umsetzen.

Lesezeit: 4 Minuten

Landwirt Christoph Uhl ist vollauf zufrieden: Der durchschnittliche Humusgehalt seiner 24 Schläge, die er beproben ließ, liegt bei 3,78 %. Damit liegt der Humusanteil nach drei Jahren um 0,34 % höher - und das ohne zusätzliche organische oder mineralische Düngung, sondern u.a. über Zwischenfrüchte, Untersaaten und Fermente wie Rottelenker oder Komposttee.

Die ernmittelten Werte sind belastbar, weil ein Diestleister bei zwei Probenahmen jeweils 25 Einstiche pro Schlag in 25 cm Tiefe und per GPS-Erfassung an den gleichen Punkten vorgenommen hat.

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30 € pro Tonne CO2

Die Bodenuntersuchungen sind Bestandteil eines Vertrages, den der Biolandwirt aus Unterschneidheim im Ostalbkreis Anfang 2018 mit dem oberschwäbischen Zertifikatehändler Car­bocert abgeschlossen hat. Die Vereinbarung lautet: Wenn der Landwirt den Humusgehalt seines Bodens innerhalb eines vereinbarten Zeitraumes nachweislich steigert und somit CO2 bindet, bekommt er das mit 30 € pro gebundener Tonne CO2 vergütet. Carbocert verkauft dann in diesem Umfang CO2-Zertifikate an Unternehmen in Süddeutschland, die ihren CO2-Ausstoß regional kompensieren wollen.

Landwirt Uhl konnte auf einer Fläche von 80 ha in drei Jahren insgesamt 720 t Humus aufbauen. Der Wert errechnet sich wie folgt: Fläche in m2 x Einstichtiefe x spezifischem Gewicht des Bodens x Erhöhung des Humusgehaltes. Durch die Humusanreicherung hat er zusätzlich ca. 1.500 t CO2 in den Böden gebunden. Die Rechnung lautet: 720 t Humus : 1,72 = 418,6 t Kohlenstoff; 418,6 t Kohlenstoff x 3,67 = 1.536 t CO2.

20 % verbleiben als Puffer

Diese Menge wiederum hat einen Gegenwert eines mittleren fünfstelligen Betrages, der zunächst zu 80 % ausgezahlt wird. Zudem muss der Landwirt davon noch die Entnahme und Untersuchung der Bodenproben in einem zertifizierten Labor bezahlen. Pro Mischprobe, die eine Schlaggröße von bis zu 5,9 ha abdecken kann, fallen hier Kosten von rund 110 € an.

Die restlichen 20 % der ursprünglichen Auszahlungsleistung verbleiben als Puffer für den Fall, dass der Humusgehalt in den Folgejahren wieder rückläufig sein sollte. Denn in diesem Fall müsste der Wert der entsprechenden CO2-Freisetzung wieder in gleicher Höhe zurückgezahlt werden. Die Verträge mit Carbocert laufen je nach Vereinbarung zwischen acht und 20 Jahre, wobei die Intervalle für die Folgeuntersuchungen variabel sind.

Die Gefahr eines Einbehaltes besteht durchaus, weil sich der Humusgehalt, z. B. durch die Bearbeitung des Bodens wieder abbauen kann. Die Herausforderung besteht somit darin, den Humus bzw. den organischen Kohlenstoff dauerhaft zu binden.

Ackerbauer Uhl ist überzeugt, dass er das schafft. Zusammen mit seinem Kooperationspartner Herbert Ullrich hat er sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Humusaufbau und Bodenleben beschäftigt und dazu fortgebildet.

Mikroorganismen und Unterssaten

Uhls Ansatz lautet, das Bodenleben durch die gezielte Ausbringung von Mikroorganismen, viel Luft für den Boden und durch Untersaaten zu fördern. Die Bakterien vermehrt er in Tanks auf seinem Hof in der Regel selbst und sprüht diese, z. B. vor dem Einarbeiten der Untersaaten, als sogenannte „Rottelenker“ auf den bewachsenen Boden.

Die Untersaaten bringt Uhl in der Regel zum letzten Hacktermin aus, wobei er auf eine sehr vielseitige Mischung verschiedener Pflanzenarten setzt. Der relativ späte Saattermin ist möglich, da er alle Kulturen auf Dämmen mit einem Reihenabstand von 50 cm sät.

Unsere Böden sind dunkler geworden, haben eine gute Krümelstruktur, lassen sich leichter bearbeiten." - Christoph Uhl

Auch unabhängig vom Entgelt für die Humuszertifikate scheint sich der Aufwand für Uhl zu lohnen. „Unsere Böden sind dunkler geworden, haben eine gute Krümelstruktur, lassen sich leichter bearbeiten. Und die Bestände sind homogener und die Erträge stabiler“, freut sich der Ackerbauer.

Für Landwirt Uhl stand der finanzielle Aspekt nicht an erster Stelle, als er den Vertrag mit Carbocert abschloss. Er will nicht der Wirtschaft eine weiße Weste verschaffen, sondern mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung selbst Wertschätzung und Wertschöpfung erlangen.

450 Landwirte unter Vertrag

Der Zertifikatehändler Carbocert mit Sitz in Bodenegg im Landkreis Ravensburg wurde 2016 gegründet. Laut Firmengründer Wolfgang Abler, der selbst Landwirtschaftsmeister ist, sind bereits 450 Landwirte mit mehr als 18.000 ha unter Vertrag. Auf den meisten Flächen sei ein positiver Humusaufbau festzustellen. Weitere Bestellungen für Humuszertifikate lägen vor.

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