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topplus Stickstoff besser nutzen

Leguminosen: Eiweiß von heimischen Feldern

Die Nachfrage nach regional produziertem Protein für Mensch und Tier ist ungebrochen. Da Leguminosen zusätzlich Stickstoff sammeln, denken aktuell etliche Ackerbauern über einen Anbaueinstieg nach.

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Artikel erschien zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Gerade die aktuell sehr hohen Stickstoffpreise motivieren einige Neueinsteiger, sich intensiver mit dem Leguminosenanbau zu beschäftigen. Doch wenn Landwirte die Vorteile der Stickstoffsammler richtig nutzen wollen, müssen sie einige Feinheiten beachten.

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Eine lohnende Sache?

Noch vor wenigen Jahren haben Abnehmer von Leguminosen Anbauern Preise angeboten, die diese häufig als Abwehrpreise empfunden haben. Die Situation hat sich geändert. Die Nachfrage nach regional erzeugtem pflanzlichen Protein ist gestiegen.

Wie Petra Zerhusen-Blecher, Fachhochschule Südwestfalen in Soest, während des 12. Leguminosentages der Landwirtschaftskammer NRW berichtete, liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei 61 % und nur 10 % der heimischen Produktion wandert in die Humanernährung. Dieses Marktsegment ist durch starkes Wachstum geprägt, allerdings sind dort die Qualitätsanforderungen hoch.

Neben dem Verkaufspreis beeinflusst unter anderem die Förderung die Wirtschaftlichkeit des ­Leguminosenanbaus. Dazu gibt es 45 €/ha aus dem Programm vielfältige Kulturen und 55 €/ha für den Anbau grobkörniger Leguminosen.

Nach langjährigen Datenerhebungen aus verschiedenen Projekten hat Zerhusen-Blecher den Vorfruchtwert zu Marktpreisen für April 2022 berechnet. Für Lupinen ergibt sich ein kalkulatorischer Vorfruchtwert von 284 €/ha. Dieser setzt sich zusammen aus dem monetären Mehrertrag der Folgefrucht (192 €/ha), der N-Einsparung (57 €/ha) und Einsparung bei der Bodenbearbeitung (35 €/ha).

Für Erbsen lag der so ermittelte Vorfruchtwert für April 2022 bei 280 €/ha, bei Ackerbohnen bei 346 €/ha.

Für die Leguminosenexpertin aus Soest sind für die Vermarktung von Ackerbohne und Co die Angebotsmengen für viele potenzielle Abnehmer zu klein. Sie schätzt, dass die kritische Menge einer Partei gleicher Qualität die 100 t überschreiten sollte.

Sie empfiehlt, gegebenenfalls das Angebot zu bündeln, dazu unter Umständen Erzeugergemeinschaften zu bilden. Zerhusen-Blecher geht davon aus, dass sich die Bezahlung der Leguminosen in absehbarer Zeit nach den Inhaltsstoffen richten wird. Für Partien mit hohen Protein­gehalten erwartet sie zukünftig Preisaufschläge.

Stickstoff binden und halten

Wegen der hohen Stickstoffpreise setzen Landwirte in Zwischenfruchtmischungen verstärkt auf höhere Leguminosenanteile. Dass die damit verbundenen Erwartungen berechtigt sind, bestätigte Pascal Gerbaulet, Beratung Wasserrahmenrichtlinie: Modellbetriebe Ökoanbau. Im günstigen Fall können in der organischen Masse von Zwischenfrüchten bis zu 150 kg N stecken.

Allerdings gibt er zu bedenken, dass davon über Winter ­etwa 18 % als gasförmige Verluste aus den abfrierenden Leguminosen entweichen und 33 % nach starken Frost ausgewaschen werden können. Reinsaaten sind deshalb nicht zu empfehlen. Mischungen mit winterharten Zwischenfrüchten, die das C:N-Verhältnis weiten, speichern größere N-Mengen bis in den Frühling. Eine Zerkleinerung des Aufwuchses zur Verhinderung der Samenreife sollte möglichst grob ausfallen, um die Mineralisierung möglichst zu bremsen.

Die richtige Verwertung von frei werdendem Stickstoff ist auch ein wichtiges Thema in Kleegras und anderen mehrjährigen Leguminosen. Hier rät Gerbaulet, diese über Winter noch stehen zu lassen und erst passend zur Folgekultur umzubrechen.

Tipps aus der Praxis

Die kleinkörnigen Leguminosen können ein wichtigen Beitrag zur Wiederkäuerfütterung liefern, die Ernte ist allerdings herausfordernd. Ludger Strotdrees aus Harsewinkel, Kreis Gütersloh, zum Beispiel hat auf dem Betrieb eine Heutrocknung installiert, um die Bröckelverluste der Bodentrocknung deutlich zu reduzieren. So bekommt er auch die wertvollen Blätter bis auf den Futtertisch.

Außerdem hat er die Rohaschegehalte – sie lagen vorher wegen der vielen Maulwurfshaufen recht hoch – entscheidend gesenkt. Den Schnittzeitpunkt wählt er wie für Silage, um energiereiches Futter zu bekommen. Trotzdem muss er auf dem Sandstandort in trockenen Jahren hohe Silomaisanteile füttern, um ausreichende Futtervorräte abzusichern.

Unter ähnlichen, oft trockenen Bedingungen wirtschaftet Bernd Vollmer aus Rheda-Wiedenbrück. Er konserviert seit 30 Jahren seine Silage aber in Wickelbunde, um so die Möglichkeit zu haben, gezielt Partien verschiedener Qualität mischen zu können. Außerdem füttert er viel frisches Futter zu, das er mit Geräteträger und Ladewagen vom Feld holt. Er hat festgestellt, dass der Mäusebestand in mehrjährigen Kleegrasbeständen extrem zunimmt und dann ein großes Problem ist. Unter Dürre leiden Kleegrasbestände seiner Meinung nach relativ schnell, dagegen kommt Luzerne damit relativ gut zurecht.

Für den Umbruch zu Mais pflügt er die kurzgeweidete, heile Narbe 17 bis 18 cm tief um, nur die Übergänge zwischen Vorgewende und Fläche fräst er, um Schwierigkeiten beim späteren Striegeln oder Hacken zu verhindern.

Jan-Wilhelm Wetehof aus Herford nutzt die Aufwüchse, um Pferde zu füttern. Er mäht deshalb später und mit längerer Stoppel, da er auf seinen schweren Böden mit viel nächtlichem Tau zu kämpfen hat. Außerdem treibt die Narbe dann schnell wieder aus.

Sobald das Mähgut die Qualität von Heulage erreicht hat, presst er es in Rundballen, mit einem festeren Kern, außen lockerer und packt sie auf eine speziell angefertigte Heutrocknung für Rundballen. Um höchste Futterqualitäten zu bekommen, trocknet er möglichst zügig mit Energie von der Photovoltaikanlage des Daches bzw. von der Hackschnitzelheizung. Auch die sich schnell bildende Eigenwärme der Ballen unterstützt den Trocknungsprozess.

Die Aufwüchse der Luzerne verfüttert er an Stuten und ältere Pferde, um deren höheren Energie­ansprüchen zu genügen.

Erbsenprotein für Menschen

Die Anbieter von Fleischersatzprodukten aus pflanzlichem Protein suchen nach wie vor Landwirte, die Leguminosen hoher Qualität für die Humanernährung anbauen. Einer davon ist Pfeifer & Langen, die für ihre Tochtergellschaft Endori bei Landwirten im Rheinland etwa 5.000 t Erbsen für das Erntejahr 2023 kontraktiert haben.

Wie Sören Schilasky als Vertreter von P&L berichtet, ist das nun verwendete Preismodell so ausgerichtet, dass Körnererbsen eine echte Alternative zu anderen Hauptfrüchten darstellt. Der Preis orientiert an der Notierung für Weizen an der MATIF für Dezember 2023, übertriff den Weizenpreis aber um 20 %.

Es gibt eine Beschränkung nach unten, sie liegt bei 270 €/t Erbsen, und einen Deckel nach oben, dieser ist bei 420 €/t Erbsen erreicht. Der Landwirt bestimmt, wann er die bei der Buir Bliesheimer Agrargenossenschaft eingelagerte Erntemenge in Chargen von mindestens 10 t tatsächlich verkauft. Endori geht davon aus, dass sie das Anbaugebiet für die Ernte 2024 weiter ausdehnen werden.

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