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Nässe auf den Feldern Stilllegung 2024 Güllesaison

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Ab nächstem Jahr darf Gülle nur noch mit dem Schleppschlauch aufs Grünland

Ab 2025 ist auf Grünland die bodennahe Bandablage verpflichtend. Ziel ist, die Emissionen von Ammoniak zu verringern. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten. Entscheidend ist nicht nur der TS-Gehalt.

Lesezeit: 8 Minuten

Um die Ammoniakemissionen weiter zu senken, gilt im Grünland ab 2025 die bodennahe Bandablage verpflichtend. Allerdings sind die Vorbehalte häufig groß: Güllebänder liegen insbesondere bei Trockenheit auf den Flächen, die Faserreste wachsen dann im Bestand mit nach oben und beeinträchtigen die Futterhygiene.

Welche Möglichkeiten es gibt, um das Problem zu vermeiden, diskutierten unter der Moderation von Katharina Weihrauch (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen) vier Referenten aus Beratung und Praxis mit über 100 Landwirtinnen und Landwirten beim online Höfestammtisch im Januar 2023.

Hinweis
In bestimmten Gebieten sollen Ausnahmen von der Pflicht zur bodennahen Ausbringung möglich sein. Diskutiert werden dabei u.a. Gebietskulissen (Hänge etc.). Auch wenn die Zeit mehr als drängt, haben die Bundesländer bis zu Jahresbeginn 2024 keine Ausnahmen festgeschrieben. Für die Landwirte fehlt es somit noch immer an Planungssicherheit.

Inhaltsverzeichnis

Mehr N-Effizienz durch Güllezusatzstoffe?

Die meisten Ammoniakemissionen treten beim Lagern und nach dem Ausbringen auf. Diese zu reduzieren sei u.a. aufgrund der NEC-Richtlinie notwendig, erläutert Hubert Kivelitz, Grünlandreferent der Landwirtschafskammer Nordrhein-Westfalen. Demnach müssten die Ammoniakemissionen bis 2030 um 29% reduziert werden.

„Bis 2020 haben wir nur 9% geschafft“, sagt Kivelitz. „Um diese Verluste weiter zu reduzieren, spielt die Ausbringtechniken eine große Rolle“, sagt er. Im Vergleich zur Breitverteilung könne die Applikation per Schleppschlauch die NH3-Emissionen um 30% reduzieren. Der Einsatz von Schleppschuhen reduziert um 70%, die Injektion sogar um 90%.

Problematisch ist in der Praxis meist, dass sich die großen Fässer, die mit schweren Schleppschuh- oder Schleppschlauchgestängen ausgestattet sind, nicht für Hanglagen und kleinstrukturierte Schläge mit schlechter Zuwegung eignen. Zudem dauert die Ausbringung deutlich länger, was die Betriebe besonders im Hinblick auf die kurzen Ausbringfenster im zeitigen Frühjahr vor große Herausforderungen stellt. Gleiches gilt auch für die Gülleinjektion mittels Schlitzverfahren, die ohnehin nur auf ausreichend tiefgründigen Standorten eingesetzt werden kann.

Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Breitverteilern könnte es u. a. dann geben, wenn Güllezusatzstoffen zum Einsatz kommen, deren Emissionsminderung, mit der bodennahen Bandablage vergleichbar ist. Verschiedene Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass die Verdünnung der Gülle mit Wasser Emissionen deutlich reduziert. Rechnet man die höhere N-Effizienz gegen die gleichzeitig steigenden Ausbringkosten, ist eine Verdünnung mit bis zu 1/3 Wasser noch wirtschaftlich, so Kivelitz

Emissionsminderung durch Schwefelsäure

Eine weitere Möglichkeit ist, den pH-Wert zu senken. Dabei verschiebt sich das Säure-Base-Gleichgewicht von NH3 zu Ammonium (NH4+). Am Markt etabliert hat sich das Ansäuern mit Schwefelsäure. Während das Verfahren in Dänemark bereits flächendeckend von Lohnunternehmen angeboten wird, hat das BMEL in Deutschland zunächst ein Modell- und Demonstrationsvorhaben ausgeschrieben, um Praxiserfahrung und Wissenstransfer zu fördern.

Je nach Gülleart (Gärrest, Rinder- oder Schweinegülle) müsse die Menge der Schwefelsäure angepasst werden, mahnt Kivelitz. So reichten 1,4 l Schwefelsäure je m³ Rindergülle, um den pH-Wert auf 6,4 zu senken. Für einen pH-Wert von 5,5 seien schon 3,3 l/m³ notwendig. Um den pH-Wert von Schweinegülle auf 6,4 zu senken, brauche man hingegen schon 2,9 l Schwefelsäure je m³. Vorgaben bis auf welchen pH-Wert angesäuert werden soll gebe es bislang nicht, so Kivelitz.

Schwefelbilanz beachten!

„Wer ansäuert, muss auf jeden Fall seine Schwefelbilanz im Blick haben“, darauf weist Moderation Katharina Weihrauch hin. Je nach Ausgangsmaterial und Ziel-pH können mit der ersten Güllegabe im Frühjahr (etwa 15-20 m³) bereits über 40 kg Schwefel zusätzlich ausgebracht werden. Das liegt bereits deutlich über dem Schwefelbedarf des Grünlandes. Bei Schwefelmangel werden lediglich 20 kg S zusätzlich zu 15 bis 20 m³ Gülle zum ersten Schnitt empfohlen. In der Folge kann es zu erhöhten Schwefelgehalten im Grundfutter kommen, mit negativen Folgen für die Tiergesundheit. Zudem müsste die Auswaschungsgefahr des Schwefels beachtet werden. Weitere Untersuchungen seien daher dringend notwendig.

"Im Ökolandbau ist Schwefelsäure nicht zugelassen", ordnet Weihrauch ein. Stattdessen ist der Einsatz organischer Säuren wie Milch- oder Essigsäuren denkbar. Diese seien im Vergleich zur anorganischen Schwefelsäure auch abbaubar, so Weihrauch.

Was macht der Ökolandbau?

Schon seit sieben Jahren bringt Konrad Stöger, Milchviehhalter im Allgäu und Bioland-Berater, die Gülle seines Betriebes bodennah aus. Seit fünf Jahren setzt er zudem auf mobile Gülleseparationstechnik, speziell für die Wintergülle. „Da die Kühe im Sommer auf der Weide sind, ist die Gülle dann eh dünner“, sagt Stöger. Er bringt die Gülle seiner 55 Kühen und den 20 Stück Jungvieh auf 55 ha aus.

Die separierte Gülle bringt Stöger mit 10 bis maximal 14 m³/ha aus. Er fährt lieber öfter und bringt dann wenig zu jedem Schnitt aus. Dazu habe er mit durchschnittlich 1.600 mm Niederschlag pro Jahr ausreichend Regen. Durch die separierte dünne Gülle ist er zudem schnell beim Ausbringen.

Dennoch komme es vor, dass bei Trockenperioden im Sommer sogenannte „Güllewürste“ auf dem Grünland zurückbleiben – kein Problem für Stöger: „Die Güllereste finden sich ja auch beim Ausbringen mit dem Möschaverteiler im Bestand. Nur hängen sie dann eben an den Gräsern und liegen nicht als Band auf dem Boden.“ Letzteres sei ihm tatsächlich lieber. Denn wenn die Güllewürste am Boden liegen, kann so geerntet werden, dass sie auf der Fläche bleiben (hoch geschnitten, nicht gekratzt beim Wenden etc.). "Ausschlaggebend für Faserreste im Grünland ist die Trockenheit", ordnet Moderatorin Katharina Weihrauch. Das gelte unabhängig von der Technik.

Zur Gülleaufbereitung gehört für den Landwirt und Bioland-Berater außerdem Gesteinsmehl (eher im Frühjahr einrühren) oder Naturgips (für mehr Schwefel), er hat auch schon mit Kohle und Leonhardit gearbeitet (aus Preisgründen nutzt er momentan wieder Kohle). Außerdem schwört er auf Effektive Mikroorganismen (ganzjährig 1L/m³ Gülle). Um deren Wirksamkeit zu optimieren gibt er folgende Empfehlung: Keine (Melkstand-)Reinigungsmittel oder Sperrmilch in die Gülle und Einstreumaterial in Bioqualität verwenden (kein Sägemehl von behandeltem Holz etc.)

Fließfähigkeit entscheidet

Ob eine Gülle Probleme macht oder nicht, hängt von der Fließfähigkeit ab. „Mit Wasser verbessert sich die Fließfähigkeit unabhängig von TS-Gehalt“, sagt ein Biolandwirt aus Nordrhein-Westfalen. Er setzt auf Bakterien, denn: Je geringer die Schwimmschicht, umso weniger grobe Feststoffe, desto leichter sickert die Gülle ein und desto weniger Güllebänder liegen später auf der Fläche.

Geruchlos durch Schleppschuh

Ein benachbarter Landwirtskollege bringt die Gülle aktuell per Schleppschuh und Möschaverteiler aus. Die dicke Wintergülle mit höherem TS-Gehalt wird zum 1. Schnitt breit verteilt. Mit den Schleppschuhen fährt er zum 2. und zum 3. Schnitt die dünnere Gülle. Dazu gab es u.a. positive Rückmeldungen der Anwohner, die keinen Geruch mehr festgestellt haben.

Auf die bodennahe Bandablage setzt der Landwirt schon seit 2013. „Im Laufe der Zeit hat sich die Technik positiv entwickelt“, sagt er. So wog das erste Gestänge noch rund 2 t bei einer Arbeitsbreite von 12m. Sein zweites Gestänge war nur noch 1 t schwer bei 10,5 m Arbeitsbreite.

Güllebänder machen auch ihm keine Probleme. „Ich fahre punktgenau nach Wetter“, sagt er. Leichter Niederschlag während bzw. zeitnah nach der Ausbringung würden ausreichen, um die Gülle einzuwaschen. „Die Bänder dürfen gar nicht erst antrocknen.“ Sollte es doch dazu kommen, passt er die Nutzung an: höher mähen sowie höhenverstellbare Wender und Mähwerke nutzen. Vom striegeln rät er ab. „Wenn vorhandene Güllebänder nach der Mahd noch auf der Fläche liegen, ist alles richtig gelaufen. Dann ist der Dünger dortgeblieben, wo er hingehört, auf der Fläche.“, sagt Katharina Weihrauch.

Die Gülleausbringung punktgenau auf die Wetterlage abzustimmen, klappt vor allem in reinen Grünlandbetrieben, so Weihrauch. In Gemischtbetrieben werden die Prioritäten nicht selten auf den Acker gelegt.

Von der Politik wünschen sich einige Landwirte, dass praxisnahe Ausnahmegenehmigungen geschaffen werden, die die strukturellen Besonderheiten von Mittelgebirgslagen widerspiegeln. In Bayern und Baden-Württemberg sind diese bereits veröffentlicht und betreffen z.B. Flächenausstattung, Hanglage, Schlaggrößen oder Zuwegung.

Anbaugestänge für Breitverteiler

Das Anbaugestänge „Schleppfix“ vom schweizerischen Hersteller Brunner Spezialwerksatt besteht aus einem zweiteiligen Verteilgestänge mit Klappmechanismus, dass sich an Vakuum- und Pumpfässern anbringen lässt. Die Gülle fließt über den Verteilteller in einen Verteilkasten und wird dann streifenförmig bodennah über Fächerabweiser ausgebracht. Mit dem neuentwickelten Duofix wurde der Bandabstand auf nur noch 15 cm halbiert. Zudem wird das dreiteilige Klappgestänge Schleppfix SFA 12 in den Markt eingeführt.

Das ist der Höfestammtisch

Das online Vortrags- und Diskussionsformat „Höfestammtisch“, wurde zu Beginn der Pandemie vom Öko-Milchviehteam der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Schnell entwickelte sich hieraus eine Institutions- und länderübergreifende Zusammenarbeit. Referenten und Teilnehmer (auch aus dem deutschsprachigen Ausland) tauschen sich regelmäßig über verschiedenste Themen aus. Fragen bzw. Anregungen gerne an oeko-netzwerk.rind@lwk.nrw.de oder an Katharina.Weihrauch@llh.hessen.de

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