Bauern fordern Entschädigung

Gutachten: Mehrheit der Nitrat-Grundwassermessstellen in MV und Sachsen „ungeeignet“

Schon lange zweifeln Bauern die Nitratwerte aus den Messstellen an. Gutachten für MV und Sachsen belegen nun, dass die Bohrlöcher gar nicht geeignet waren. Der SLB fordert mind. 100 € Entschädigung/ha

Der Sächsische Landesbauernverband (SLB) und der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern hatten große Zweifel an der korrekten Datenerhebung mittels des vorhandenen Grundwasser-Messstellennetzes, auf dessen Basis die Nitratreduktion in der neuen Düngeverordnung begründet wird.

Weil die Verbände die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Bauern durch die Verschärfungen der Düngegesetzgebung gefährdet sehen, haben sie Anfang Februar ein eigenes Gutachten zur Überprüfung der Messtechnik in Auftrag gegeben. Kurz gesagt: In Sachsen sollen 73 % der Messstellen ungeeignet gewesen sein, in MV 54 %, die Details.

Im März hatte bereits ein ähnliches Gutachten Schwächen am Messstellennetz in Niedersachsen aufgezeigt.

Ergebnisse Sachsen

SLB-Präsident Torsten Krawczyk hat am Donnerstag das Gutachten der beauftragten Firma HYDOR Consult GmbH vorgelegt. Dies würde seinen Worten nach das Misstrauen der sächsischen Landwirte untermauern.

Auf Grundlage der bereitgestellten Daten durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hätten die Experten bei 115 Messstellen gravierende bauliche Mängel, bei 16 eine gänzlich fehlende und bei weiteren 80 eine nicht nachprüfbare Funktionsfähigkeit festgestellt. Bei 18 Borlöchern stellte HYDOR Consult keine und bei weiteren 57 eine nicht bewertbare Repräsentanz gutachterlich fest, heißt es. Im Ergebnis stufte der Gutachter 127 von 173 der untersuchten Messstellen in der Gesamtbewertung, das entspricht 73 %, als „ungeeignet“, 18 als „eingeschränkt geeignet“, weitere 21 als „nicht bewertbar“ und nur 7 Messstellen als „geeignet“ ein.

SLB fordert mindestens 100 € Entschädigung pro Hektar

SLB-Präsident Krawczyk appellierte an die Politik, die aufgezeigten Mängel an den Messstellen schrittweise in den kommenden zwei Jahren zu beheben und dafür endlich die notwendigen finanziellen Mittel seitens des Freistaates bereitzustellen. „Hier liegen zwangsläufig Versäumnisse in der Wartung und Überprüfung des vorhandenen Messstellennetzes vor, deren Messergebnisse zum Nachteil der Landbewirtschaftung führen“, betont Krawczyk und fordert für jeden betroffenen Betrieb im roten Gebiet mindestens 100 € Entschädigung für die daraus entstehenden Wirtschaftseinschränkungen pro Hektar und Jahr.

„Zudem wird der Verband ab kommendem Jahr klagewillige Mitgliedsbetriebe auch unter dem Gesichtspunkt der Erlangung von Rechtssicherheit unterstützen“, ergänzt der Bauernpräsident.

Mahnung aus der Praxis

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