DLG-Feldtage

Paetow: „Der Spielraum für extensive Landnutzungskonzepte verringert sich“

Zur Eröffnung der DLG-Feldtage ruft DLG-Präsident Paetow zu weniger schwarz-weiß Debatten über die Landwirtschaft auf. Einen Ausweg sieht er in mehr Offenheit für Fortschritt und Innovationen.

Einen Seitenhieb gegen "die politisch bequeme Vereinfachung" hat der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow bei der Eröffnung der DLG-Feldtage am Dienstag ausgeteilt. Diese würde „das Prinzip der Nachhaltigen Entwicklung ad absurdum führen“, sagte Paetow am Dienstag auf dem Feldtagsgelände in Kirschgartshausen bei Mannheim. "Gerade in der Komplexität des Ausbalancierens der konkurrierenden Ziele liegt der Markenkern, liegt der geniale Gedanke des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung", sagte Paetow.

Allerdings bleiben laut Paetow die Konzepte und Strategien einer Transformation des deutschen und europäischen Agrarsektors weiterhin gültig. Diese müssten jedoch im Angesicht wechselnder Situationen stetig neu durchdacht werden, forderte er. Bisher sei die Grundlage vieler Strategien, etwa das 30 Prozent Ziel für den Ökolandbau, eine ausreichende Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln gewesen. Diese Grundlage sei nun laut Paetow kurz- und mittelfristig nicht mehr selbstverständlich. "Und damit verringert sich der Spielraum für extensive Landnutzungskonzepte – ohne dass dadurch die Notwendigkeit zur Ökologisierung in Frage gestellt wird", sagte Paetow.

Aus den vielfältigen politischen Zielkonflikten gibt es laut Paetow nur einen Ausweg, nämlich Fortschritt und Innovation. Der DLG-Präsident stellte dabei drei Arten von Innovationen vor, die er für dringend hält:

  1. Die Innovation bestehender Verfahren, die zu einer höheren Effizienz der bekannten Verfahren führen können. Zum Beispiel bei der modernsten Technik für Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz, aber auch bei neuen, widerstandsfähigen und ertragreichen Sorten.
  2. Innovationen, die aus neuen Ansätzen bestehen. Zum Beispiel autonome Roboter zur Unkrautbekämpfung, die nebenbei auch den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit bedienen. Oder auch viele Prozesse im Ökolandbau, von der mechanischen Unkrautbekämpfung bis zur nachhaltigen Fruchtfolge.
  3. Innovationen, die disruptiv wirken, die ganze Wertschöpfungsketten neu denken. – Zum Beispiel Agro-PV-Systeme und Agroforstsysteme.

Damit diese Innovationen entwickelt und eingeführt werden könnten, brauche es in unserer Gesellschaft ein neues Verständnis von Fortschritt, forderte Paetow. Dieser könne sich nur entwickeln, wenn jede Form von Innovation als potentieller Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung anerkannt würde. Als Beispiel nannte Paetow die neuen Züchtungstechnologien, bei denen die unterschiedlichen Ausprägungen der Eingriffe durchaus ein differenzierteres Vorgehen in der Regulierung ermöglichen könnten.

Eine langfristig ertragreiche Pflanzenproduktion werde nur aus der Verbindung von Produktivität und nachhaltiger Ressourcennutzung gelingen, betonte Paetow. Das zeigten auch die vielfältigen Innovationen bei Technik, Züchtung und Betriebsmitteln, die auf den DLG-Feldtagen präsentiert würden.

Die DLG-Feldtage finden vom 14. bis 16. Juni 2022 in Kirschgartshausen bei Mannheim statt.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste zum Thema Ackerbau dienstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.